Wenn ich schon mal hier bin

Tag 39 – 41 in Quellón auf Chiloé, Cailin und ein Abend in Puerto Montt

Am Freitag haben wir gegen 11:30 Uhr das Auto zurückgegeben und sind dann direkt ans Busterminal um zu schauen, wann der nächste Micro nach Quellón fährt. Das war perfektes Timing, denn wir mussten diesmal keine 5 Minuten bis zur Abfahrt warten. Für 1700 Pesos pro Person kamen wir gegen 14 Uhr an dem gefühlt bisher kleinsten Busterminal überhaupt an. Das Örtchen liegt direkt am Wasser an der Südspitze der Insel Chiloé und ist mit seinen 13.000 Einwohnen sehr verschlafen. Obwohl der Ort relativ klein ist, sind wir erst einmal in die falsche Richtung gelaufen. Irgendwann kamen wir aber doch am Hostel an und waren in der ersten Nacht vermutlich auch die einzigen Gäste.

Da wir die Küche nicht mitbenutzen durften und hungrig waren, sind wir direkt nach dem Einchecken los und haben uns ein kleines Restaurant gesucht. Wir wollten Fisch bestellen und da es keine Karte gab haben wir die Bedienung und gleichzeitig Köchin gefragt was es denn so gibt. Sie meinte Fisch gäbe es nur frittiert und ansonsten hätte sie Curanto, eine Spezialität der Insel Chiloé. Das wollte ich eh mal probieren und wir haben es dann beide bestellt.

Chiloé - Curanto.

Chiloé – Curanto.

Gebracht wurde dann jedem von uns ein riesengroßes Netz gefüllt mit Muscheln, Kartoffeln, einer Art Kassler, Hühnchen und ein in Frischhaltefolie verpackter Kartoffelbrei. Kurz danach brachte Sie jedem von uns von eine Tasse mit einer Brühe. War wirklich super lecker aber leider viel zu viel. Mit vollen Bäuchen ging es dann erstmal zurück ins Hostel, ausruhen.

Im Aufenthaltsraum des Hostels gab es eine gemütliche Sitzecke, auf der wir es uns bequem gemacht haben um mal wieder Fotos und co. zu bearbeiten und Texte zu schreiben. Außerdem haben wir geschaut, wie es in den Tantauco Park geht. Leider sind wir aus den verschiedenen Internetseiten nicht wirklich schlau geworden. Aber wir hatten gelesen, dass es auch in Quellón eine Tourinsteninformation gibt. Zu dieser wollten wir dann am nächsten Tag gehen.

Abends ging es noch mal raus einkaufen um schon mal Proviant für den nächsten Tag zu haben..

Chiloé - Quellón.

Chiloé – Quellón.

Eigentlich wollten wir am 19. November 8:00 Uhr aufstehen da erstens die Touristeninformation um 9 Uhr öffnen soll und zweitens, wir gelesen haben, dass man früh in den Park fahren soll, da die Anfahrt auch länger dauert. Der Wecker war zwar gestellt und aktiviert, allerdings nur für Wochentage und es war Samstag. Tja..dann.. stehen wir eben eine Stunde später auf, ein Zeichen das wir den Schlaf gebraucht haben. 🙂

Nach dem Frühstück ging es dann los durch die kleine Stadt in Richtung Info. Wir hatten zwar die Adresse aus dem Internet, konnten diese aber nicht finden, denn die Hausnummer gab es einfach nicht. An einigen Häusern waren auch zwei verschiedene Hausnummern dran, aber nirgends die gesuchte.. Irgendwann entschieden wir umzudrehen und entlang der Hauptstraße unser Glück zu versuchen. Da das ebenfalls erfolglos blieb sind wir als nächstes zum Busterminal gelaufen, aber auch dort wirkte alles verschlafen.. hier ist das Wochenende also noch Wochenende – ganz im Gegensatz zu den großen Städten in Chile.

Wir liefen gerade einfach ein wenig rum ohne Plan, als uns jemand auf der Straße ansprach und fragte ob wir eine Bootsfahrt machen möchten, zum Beispiel zum Strand und dem südlichsten Punkt der Panamericana oder zu einer der Insel vorgelagerten Insel. Dann kam ein zweiter hinzu und sagte uns, dass er uns auch in den Nationalpark fahren könnte, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man da nicht hin. Allerdings hätte er erst gegen Nachmittag Zeit gehabt und das war uns dann zu spät. Für 2 Stunden Fahrzeit pro Strecke lohnt sich das nicht mehr.. Bootsfahrt klingt auch nach einem super Plan, dann machen wir die zu der vorgelagerten Insel. Diese sollte 15 Uhr los gehen und so gingen wir langsam zurück in Richtung Hostel.

(Eigentlich wollte ich noch die Namen und Webseiten der beiden hier einfügen, aber ihre Visitenkarten habe ich nicht mehr, da sie sich in meiner Jacke befanden und mir diese gestohlen wurde..)

Kurz nach 15 Uhr fanden wir uns am Treffpunkt ein und dort wartete auch schon Nikolai mit seinem Großvater, dem Fischer. Das Boot heißt Küstennebel – es kann losgehen. 🙂 Die Fahrt zur Insel Cailin dauerte etwa 1 1/2 Stunden, während uns auf halb Spanisch und halb Englisch die verschiedenen Inseln mit ihrer Kultur, Tradition und Lebensweise näher gebracht wurden.

Die Insel Cailin selbst ist in 4 Sektoren eingeteilt, wobei insgesamt 500 Menschen auf der Insel leben. Es gibt 4 Schulen und in einer ist nur ein Schüler. Wir besuchten den Friedhof, auf dem fast alle Gräber mit kleinen Hütten übersacht sind (da der Regen sonst die Gräber aufschwemmt), den Platz für große Feste, die Stellen wo Curanto zubereitet wird und den Fußballplatz, dessen Rasen vielleicht nicht in bester Ordnung ist aber die Kulisse ist besser als jedes Stadium: Meer und im Hintergrund Vulkane von der Andenkette. Cailin selbst ist erst seit 3 Monaten an das Stromnetz angeschlossen..

Danach ging es wieder zurück nach Quellón. Während der ganzen Zeit wurde die traditionelle Musik der Insel gespielt. Für den Abend gab uns Nikolai noch Empfehlungen für ein Restaurant und eine Bar. Außerdem fragten wir ihr, wie es mit dem Bus zum Ende der Insel bzw. der Ruta 5, der chilenischen Panamericana geht. Das ist ganz einfach: es gibt in Quellón nur eine Buslinie: in die steigt man ein und die fährt dann bis zum Ende. Haben wir dann auch gemacht und sind noch ein wenig am Strand hinter dem Ende der Straße geblieben. Leider stieg meine Kamera mal wieder aus. Offenbar hat der Body vom Ausflug zu den Wasserfällen doch etwas abbekommen. Im ausgeschalteten Zustand zieht sie den Akku leer, mit vollem Akku geht aber noch alles. Da kommen nur hin und wieder seltsame Fehlermeldungen..

Zurück im Zentrum ging es noch in das empfohlene Restaurant und dann war der Tag auch schon zu Ende.

Am Sonntag, dem 20. November, haben wir dann viel Zeit im Bus verbracht. Zuerst wieder 2 Stunden bis Castro und dann 3 1/2 Stunden inkl. Fahrt mit der Fähre von Castro nach Puerto Montt. Die Stadt ist diesmal nur eine Durchgangsstadion, da am folgenden Tag um 08:15 Uhr der Bus nach Bariloche in Argentinien von hier abfährt. Trotzdem haben wir die paar Stunden in Puerto Montt genutzt, um zum Fisch- und Kunsthandwerksmarkt zu gehen. Da haben wir auch endlich Handschuhe sowie eine Mütze für Henny gefunden. Außerdem gab es an ein paar der Fischstände auch geräucherten Fisch, hatten wir bisher hier noch nicht und wollten den probieren. Fazit: beim nächsten mal wieder frischer Fisch.

Am Montag dann hat um 6:45 der Wecker geklingelt und kurz bevor der Bus auf die 8 Stunden Reise nach Bariloche aufgebrochen ist, waren wir auch am Terminal. 

Tag 38 in Castro auf Chiloé, Chepu

Am Donnerstag, dem 17.11.2016, gab es zum Frühstück wieder mal verbranntes Spiegelei – diesmal frisch zubereitet von Henny. Aus Anstand habe ich diesmal meines gegessen.. und Henny wollte seines nicht.
Danach verabschiedeten wir uns vom weiterreisenden Spanischlehrer und versuchten unser Glück bei der Autovermietung. Das erste Angebot war uns zu teuer und so fragten wir, ob er ein kleineres, günstigeres Auto zur Verfügung hat. Auf dem Hof zeigte er uns dann das zweite und letzte Auto und sagte noch etwas dazu, was wir nicht genau verstanden. Henny meinte es wäre halt noch dreckig und ich verstand das Wort kaputt. So oder so, wir haben es gemietet und sind dann gegen 11:45 Uhr die Rute 5 Richtung Norden gefahren. Schnell wurde uns klar: das Auto ist dreckig UND kaputt. Die Lenkung wackelte. Aber die Hupe und Bremse waren ok, also ging das schon irgendwie.

Auf der Ruta 5 war Henny irgendwann der Meinung einen LKW überholen zu müssen, hat erstmal ordentlich beschleunigt und ist vorbei gefahren. Direkt danach ging es Berg ab, also ausrollen lassen.. nur unten im Tal standen die Carabineros de Chile mit einer Laserpistole. Wir wurden natürlich direkt raus gewunken. Als der Polizist die Pässe von uns beiden, seinen Führerschein und auch die Fahrzeugpapiere hatte, sagte er: todo bien und ließ uns weiterfahren. Ich glaube es lag auch daran dass er kein Englisch konnte und wir nicht alles verstanden haben. Auf jeden Fall Glück gehabt.

Kurze Zeit später ging es dann von der gut ausgebauten Straße auf eine Schotterpiste Richtung Chepu. Der Weg führte für etwa 20 Minuten in Richtung Pazifikküste. Zwischendurch haben wir noch einen Fahrerwechsel gemacht.
Irgendwann, gefühlt kurz vor dem Ziel, wurde aus der Schotterstraße ein Waldweg und kurz darauf ging es auch steil bergab. Das erste riesige Schlagloch ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Ich hielt davor an und ließ Henny aussteigen damit er von außen schaut ob es passt. Nur 200 Meter weiter, immer noch am Steilhang, kam die nächste kritische Stelle, die dazu auch noch nass war. Wieder musste Henny aus dem Auto und hat dabei auch gesehen, das unten im Tal eine Wasserdurchfahrt ist. Mit der Erfahrung aus Cuba haben wir uns entschlossen, umzukehren. Das hieß aber: 500-600 Meter rückwärts den Berg hoch bis ein Stelle zum drehen und parken kommt. Also bin ich wieder zurück gefahren während Henny den Berg hochgelaufen ist. Gewicht im Auto reduzieren. Zwischendurch habe ich immer mal angehalten und ihn ausgelacht. 🙂

Nach dem Parken hat Henny mich auf das „Profil“ der Vorderräder aufmerksam gemacht… über die nasse Stelle am Hang wären wir nie wieder gekommen. Wir haben also insgesamt dazu gelernt und uns richtig entschieden.

Bepackt mit Rucksäcken und Kameras sind wir die letzten 3-4 km zum Strand dann gelaufen, den Hang runter, vorbei an der Wasserstelle und dann gleich rechts ab in eine traumhafte Dünenlandschaft. Nach einer halben Stunde standen wir vor einer Mischung aus Moor und Kuhweide. Da mussten wir aber durch. Die Kühe haben zwar komisch geschaut aber sind friedlich geblieben. Außerdem haben Henny seine Schuhe den Wasserdicht-Test bestanden, da er einmal mitten im tiefen Schlamm gelandet ist – ich bin glücklicherweise immer auf den Grasbüscheln geblieben. Als das Moor hinter uns lag, waren es noch mal 10 Minuten durch Dünen bis zur Küste. Der Weg hatte sich wahrlich gelohnt.

Links und rechts vom Strand Steilküste mit grünen Wäldern und vor uns der Pazifik mir viel Wind und hohen Wellen. Weit und Breit kein Mensch. wir setzten uns erstmal hin und ließen das Panorama auf uns wirken. Irgendwann stand ich auf und lief ein wenig rum, fand einen anderen netten Platz und ließ mich dort nieder. Etwa 20 Minuten später kam Henny und meinte ich hätte ihm einen ganz schönen Schrecken eingejagt, da ich auf einmal weg war ohne ein Wort oder eine Spur von mir. Ich in der Zeit habe ich einfach nur das gesehen..

Eine Stunde später haben wir uns auf dem Rückweg gemacht, diesmal wieder durch die Dünen aber in Richtung Fluss, kurz an dem entlang und dann vorbei an einer Gruppe Pferde mit Jungtiere. Da wussten wir nicht ganz, ob wir einfach vorbei gehen können, aber die Pferde sind von alleine weggetrabt.

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Panorama vom Strand bei Chepu.

Wieder am Auto war es etwa 17 Uhr und wir entschieden uns, noch zu versuchen zur Muelle de las Almas zu fahren. Die liegt südlich von Castro, also erst mal wieder länger im Auto sitzen. Insgesamt sind wir nur 300 km gefahren, aber wir sind es beide nicht mehr gewohnt so lange ruhig im Auto zu sitzen.. Kurz vor Castro haben wir noch mal einen Fahrertausch gemacht . Auch der Weg zur Muelle de las Almas ist auf den letzten 15 km eine Schotterpiste mit steil ansteigenden Hängen. Das Auto musste wieder leiden. Wir wussten nicht genau wo wir hinmüssen, nur das der Steg südlich vom Nationalpark Chiloé ist. Zum Glück haben wir dann doch ein kleines Schild gefunden. Quasi kurz vorm Ziel angekommen, haben wir auf einer Art Farm noch mal nach dem Weg gefragt. Der gute Mann gab uns zu verstehen, dass man hier normalerweise parkt und dann noch 45 Minuten zu Fuß für eine Strecke braucht und es dafür jetzt zu spät ist, da es bald dunkel wird. Das klang logisch und so sind wir dann umgekehrt. Während des Rückwegs nach Castro setzte auch der Sonnenuntergang ein und tauchte den Himmel in richtig viele verschiedene Rottöne. Leider haben wir keine passende Stelle zum anhalten und Fotos machen gefunden aber es war trotzdem traumhaft.

Wieder im Hostel sind wir während des Kochens (Bratkartoffeln) noch mit zwei anderen Deutschen ins Gespräch gekommen. Die beiden kommen aus der Nähe von Meinigen, die Welt ist wirklich klein..

Am Freitag geht es dann mit einem Micro weiter nach Quellón, am Südende von Chiloé. Der nächste Nationalpark wartet auf uns..

Tag 36 – 37 Fahrt nach Castro auf der Insel Chiloé und Nationalpark Chiloé

Etwa 11:15 Uhr saßen wir im Bus auf dem Weg nach Puerto Montt. Wir gingen davon aus, dass die Fahrt eine Stunde dauert und waren überrascht als sie nach nur 30 Minuten vorbei war. Also fragten wir erstmal den Busfahrer ob wir schon da sind; das erklärte auch den Preis von 800 Pesos pro Person.

Unterhaltung im Bus.

Unterhaltung im Bus.

 Den Anschlussbus von Puerto Montt nach Castro auf der Insel Chiloé hatten wir allerdings erst für 14:15 Uhr gebucht. Während ich auf das Gepäck aufpasste, ging Henny also zum Schalter um zu fragen, ob es prinzipiell möglich wäre, die Tickets auf den Bus um 12:15 Uhr umbuchen zu können. Offenbar wurde seine Frage als Aufforderung verstanden, denn er kam gleich darauf mit neuen Tickets für den früheren Bus zurück.

Um die Wartezeit zu verkürzen setzten wir uns in ein Café im Busterminal, in welchem es auch Internet gab.

Auf der Fähre.

Auf der Fähre.

 

 

Dann ging es weiter. Diese Fahrt dauerte etwa 3 1/4 Stunden und kostete 6500 Peso pro Person. Von Puerto Montt bis zur Fährenüberfahrt dauerte es ungefähr eine halbe Stunde. Wir konnten während der Überfahrt auch den Bus verlassen und zwei Decks höher uns den Pazifikwind durch die Haaren sausen lassen. War ganz schön frisch aber herrlich. 🙂

 

 

 

 

 

Wieder an Land ging es für weitere 90 Minuten zum Zentrum der Insel und der Hauptstadt, Castro. Wir wussten, dass unser Hostel etwas abseits ist und gingen daher als erstes zur Touristeninformation, am Plaza de Armas, vier Blocks vom Busterminal entfernt. Dummerweise wird da offenbar gerade umgebaut, denn das Schild an der Tür übersetzte die App mit „arbeitslos“. Ansonsten war da drinnen nichts zu sehen außer einer großen Baustelle.

Da die Stadt sehr hügelig ist und wir nicht genau wussten, wo das Hostel zu finden ist, noch Lust hatten mit jeweils über 20 kg Gepäck bergauf und bergab durch die Stadt zu irren, hieß die Lösung für uns ein Taxi. Aber vorher noch kurz in den Supermarkt, Essen für den Abend und den nächsten Tag einkaufen. Am Eingang stellen wir unser Gepäck ab, Henny passte darauf auf während ich einkaufen ging.

Vollbeladen sind wir dann in das erste Auto, das wie ein Taxi aussah, gestiegen. Im Nachhinein haben wir gecheckt, dass es ein Colectivo war, welche nach Stadtteilen aufgeteilt fahren. Der Fahrer hat deswegen nicht gleich gewusst, wo die Adresse ist, sondern nur die grobe Richtung. Nach einmal verfahren und zweimal fragen waren wir aber am Ziel. Da das Hostel auf den ersten Blick verlassen wirkte, stieg er sogar mit aus und blieb, bis jemand kam. Andernfalls hätte er uns zu einer anderen Unterkunft gefahren. Einfach klasse diese Freundlichkeit.

Nachdem wir in das sehr gemütliche Hostel Altos de Gamboa eingecheckt hatten, hat uns die Besitzerin auch noch eine viertel Stunde lang – angenehm langsam sprechend – erklärt, wie wir in die Stadt kommen und was es im Umland an Nationalparks und anderen Sehenswürdigkeiten gibt. Besonders die Kirchen, für die die Insel wohl bekannt ist, hat sie uns ausführlich erklärt. Wir haben einfach zugehört, da wir uns nicht trauten ihr zu sagen, dass uns die Kirchen nicht interessieren. Das hatten wir in der Form auch noch nicht und war einfach spitze. Im Internet haben wir uns noch ein paar weitere Informationen zusammengesucht und uns dann entschieden, am nächsten Tag in den Parque Nacional Chiloe zum Wandern zu fahren. Des Weiteren wollten wir eine Nacht länger in Castro bleiben als geplant – konkret 3 statt 2 Nächten.

Beim Abendessen sind wir mit einem Spanier, der auch auf für ein Jahr auf Reisen ist, ins Gespräch gekommen. Da wir noch oft überlegen, was wir sagen müssen, hat er irgendwann gemeint: dies hier ist keine Prüfung und das er Spanischlehrer ist. Hat es nicht einfacher gemacht. 🙂

Am nächsten Tag, dem 16.11.2016, haben wir vom Busterminal den Bus um 11:30 Uhr zum Nationalpark genommen. Nach 70 Minuten war die Haltestelle erreicht. Kostenpunkt 1500 Pesos pro Person. Im Park selbst gibt es mehrere kleine Wege, von ein paar Hundert Metern bis 4 km zur Küste hin und zurück. Normalerweise müsste man auch hier Eintritt bezahlen, aber die Ranger sind gerade im Streik und so sparten wir diesen. Der Park ist interessant, teilweise geht es durch ein Moor, weshalb die Wege auch dort ein wenig höher als Holzpfade ausgebaut sind. Andere Wege gehen direkt durch den Wald und wieder andere durch Dünen zum Meer.

Wir fingen an mit den Wegen durch das Moor und den Wald. Auf einer Bank saß gerade der Spanischlehrer und hielt Siesta und so setzten wir uns zu ihm und unterhielten uns.. über das Leben und das Reisen und wie wenig man eigentlich benötigt und doch besitzt – oder besitzt es einen.? 😉

Er wollte den nächsten Bus zurück zum Hostel nehmen, sagte uns aber das wir den Dünenweg unbedingt noch laufen sollten, der würde sich lohnen. War auch echt schick. 🙂

 

Kleiner Snack zwischendurch.

Kleiner Snack zwischendurch.

 

 

Mit dem Bus um 17:30 Uhr ging es dann zurück nach Castro. Direkt vor dem Ausgang des Busterminals war ein Stand, an dem es für 1.000 Peso eine Art Schaschlik vom Holzkohlegrill gab. Das wollten wir probieren und ich muss sagen: muy bien.

 

 

 

 

 

 

Für den nächsten Tag hatten wir uns einen Strand rausgesucht, welcher sehr abgelegen ist. Dahin fährt auch kein Bus, nicht mal in die grobe Richtung. Da wir das schon wussten, wollten wir uns ein Auto mieten und hatten am Tag vorher auch schon im Internet geschaut. Gestern waren noch welche verfügbar, heute Abend leider nicht mehr. Der Spanischlehrer hat uns dann von einem anderen Hostel erzählt, welches auch Autos vermietet. Dort werden wir es am nächsten Tag auf gut Glück probieren..

Tag 35 – Saltos Del Río Petrohué

Am Montagmorgen servierte ich verbranntes Spiegelei. Henny hat seines brav gegessen, ich wollte meines der Katze andrehen – leider erfolglos. 😉
Als ich dann das Marmeladeglas öffnete, explodierte dieses quasi in meiner Hand. Das viele Schütteln während des Transportes war dem wohl nicht so gut bekommen. Die Marmelade selbst war allerdings richtig lecker, wenn wir auch immer noch nicht wissen was für eine Frucht das sein soll. Also alle Rückstände der Detonation beseitigen und dann gibt es halt Brötchen mit Butter. Schmeck auch gut.
Danach ging es zum zweiten Hostel und ab 11 Uhr saßen wir im Micro zu den Saltos Del Río Petrohué – trotz Regen und grauem Himmel. Die Fahrt kostete 2000 Pesos pro Person und dauerte etwa eine Stunde.

Der Eintritt in den Park selbst kostet 4000 Pesos pro Person und besteht bei den Wasserfällen aus drei kleinen Rundwegen. Die wollten wir der Reihe nach ablaufen. Gleich zu Beginn entschieden wir uns nach anfänglichem Zögern, die Regenschutzfolien über die Kameras zu ziehen. Im Nachhinein eine gute Entscheidung..

Der Weg „Saltos del Petrohué“ führt – wie der Name schon vermuten lässt – direkt zu den Wasserfällen und man kommt da auch recht nah ran. Trotz des Wetters war es super. Die Geräusche sind eindringlich und zusammen mit dem in den dunklen Wolken liegenden Ur-, in diesem Fall Regenwald, einfach schön anzusehen. Hinter den Wolken hat sich zwar der Vulkan verstecken können, aber dass hat die Schönheit nicht im entferntesten geschmälert. Diese Stelle ist allerdings auch der Hauptanlaufpunkt für Touristengruppen und irgendwann fanden wir uns zwischen einer deutschen Reisegruppe wieder – Zeit zu gehen. 🙂

Der Park ist sehr touristisch ausgebaut und so gibt es auch eine kleine Hütte, in welcher man Essen, Trinken und Souvenirs kaufen kann. Wir standen dort eine weile und warteten dass jemand einen Kaffee bestellt. Als es endlich soweit war, sahen wir, dass es sich um Kaffee aus Kapseln handelt und bestellten auch einen. Und der war gut. Wenn es sonst nur diese löslichen Tütchen gibt, ist alles gut. 🙂

Der zweite und etwas längere Weg „Los Enamorados“ verläuft direkt durch den Urwald. Jeder Baum ist umschlungen von anderen Pflanzen und alles wirkt richtig alt und verschlafen. Der Weg führt erst zu einer kleinen Lagune mit einem Wasserfall und am Ende zu einer Stromschnelle flussabwärts vom großen Wasserfall. Dorthin haben sich deutlich weniger Menschen verlaufen und wir konnten in Ruhe das Naturschauspiel genießen. Ich glaube, ich saß dort etwa eine Stunde einfach auf einem Stein wie in Trance und genoss das beste Fernsehen, das es überhaupt gibt – die Natur selbst! 😉

Der dritte Weg „Carilemu“ führt an einer kleinen Klippe vorbei zu dem deutlich ruhigeren Fluss „Los Enamorados“. Auf diesem Weg hat der Nieselregen zu richtig schönem Regen mit dicken Tropfen gewechselt. Wir gingen dann also etwas schnelleren Schrittes wieder zurück zum Eingangsbereich des Parks, wo ein großes gemütliches Steinhaus mit Wartebereich für den Bus ist. Dort angekommen haben wir die trotz des Regenschutzes leicht feuchten Kameras erstmal getrocknet und dann die mitgebrachten Brötchen mit Käse und Bierschicken ausgepackt.

Na Hallo! :-)

Na Hallo! 🙂

 Daraufhin kamen direkt zwei ziemlich große Hunde an und haben mich belagert. Selbst als ich die Wurst vom Brötchen mit ihnen geteilt hatte, standen die beiden weiter mit großen Augen um mich herum. Also gab ich ihnen alles was ich hatte, ich hab ja noch ein paar Reserven und wenn man mit solchen Augen angeschaut wird.. Henny haben die Hunde wohl als größeren Fressfeind erkannt und in Ruhe gelassen.

 

Kurz danach kam auch der Bus und wir führen wieder Richtung Puerto Varas. Im Bus selbst war es ziemlich kühl, keine schöne Kombination mit den nassen Klamotten aber man kann nicht alles haben. Der Ausflug hatte sich trotzdem gelohnt. 🙂

Zurück in Puerto Varas ging es noch auf einen kleinen Abstecher zu einer Statur direkt am Wasser. Eigentlich ist das ein typisches Postkartenmotiv, da die Statur ihre Arme in die Höhe streckt und sich auf der anderen Seite des Sees ein Vulkan befindet. Diesen konnten wir leider durch die ganzen Wolken nicht sehen und so gingen wir ins Hostel zurück. Als etwa 30 Minuten später der Himmel aufklarte, hatten wir die Hoffnung, doch noch Fotos vom See und den beiden Vulkanen ohne Wolken machen zu können. Unser Hostel war in der Straße „Mirador“, was auf deutsch soviel wie Aussichtspunkt bedeutet. Also haben wir die Kameras genommen und sind bis zum Ende der Straße gegangen, von wo es tatsächlich einen tollen Ausblick gibt.. wäre nur der blaue Fleck am Himmel etwas größer gewesen, hätten wir die Vulkane sicher sehen können. Einmal dort, wollte ich trotzdem ein Foto machen, da es auch ohne die Vulkane eine schöne Kulisse war. Und dann Panik: meine Kamera ging nicht an! 🙁
Also zurück ins Hostel und erstmal der Sache auf den Grund gehen. Die Versuche mit einem anderen Akku und einem anderen Objektiv und einer anderen Speicherkarte blieben erfolglos. Mal ging sie kurz an und dann war wieder nichts mehr. Meine Stimmung war am Tiefpunkt. Die einzige Erklärung war, dass doch Feuchtigkeit in der Kamera selbst ist. Akku und Speicherkarte wieder raus und erstmal alles trocknen lassen. Das war zumindest die Hoffnung.

Die Wettervorhersage lautete auch weiterhin grau und regnerisch, also entschieden wir uns doch schon am nächsten Tag zur vorgelagerten Insel Chiloé weiter zu reisen. Wir buchten noch kurz ein Hostel und den Fernbus von Puerto Montt nach Castro für 14:15 Uhr. Nach Puerto Montt wollten wir einen der vielen Micros nehmen..

Da ich nur voller Anspannung im Hostel saß und dringend Ablenkung brauchte, war es ganz gut, dass Henny vergessen hatte beim ersten Hostel den Schlüssel abzugeben. Wieder in die vom Regen durchgeweichte Jacke sind wir los und zum alten Hostel.

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Anschließend gingen wir Abendessen in einem kleinen gemütlichen Fischrestaurant. Der gleich zu Beginn gereichte Pisco Sour hat die Lage vorerst entspannt. Zum Fisch selbst kam noch eine Flasche Weißwein, welche wir auch nicht ignorieren konnten.

 

Zum Schluss des Tages sind wir dann noch mit einem Budget von 8.000 Peso (circa 11€) in das Kasino am See. Weder die Automaten noch der Roulettetisch konnten unsere Reisekasse aufbessern. Nach 45 Minuten hatte die Bank alles gewonnen..

Die Nacht war für uns beide nicht so toll, ich konnte keine innere Ruhe finden und für Henny war das Bett deutlich zu kurz, sodass seine Füße immer seitlich rausgeschaut haben. Außerdem war die Konstruktion des – nennen wir es Lattenrost (lose aufgelegte Holzbretter im Metallrahmen, die dazu auch noch 2 cm zu kurz waren um den Platz voll auszunutzen), nicht für Menschen in seinem Format gedacht.
Noch vor dem Aufstehen probierte ich die Kamera und sie ging wieder an. Auch mehrmaliges Ein- und Ausschalten funktionierte und sie löste auch aus. Leider hat sie wohl trotzdem etwas abbekommen wie sich jetzt im Nachhinein herausstellt. Aber es wird gehen..

Unverhofft gab es auch noch Frühstück im Hostel welches wir zwar weder bestellt noch bezahlt hatten, aber es wurde darauf bestanden. Pfannkuchen gab es auch. 🙂

Um 11 Uhr ging es dann wieder vollgepackt los zum Busterminal.

Tag 33 + 34 in Puerto Varas

Etwa seit 2 Uhr wach war ich wach weil ich das Schnarchen aus dem Nachbarraum nicht mehr ignorieren konnte. Wir verließen das Hostel gegen 7:30 Uhr während die Besitzer des Hostel noch auf der Couch im Wohnzimmer schliefen; war gestern wohl später geworden.^^

8 Uhr ging unser Bus nach Puerto Varas. Die Fahrt dauerte etwa 5 Stunden und kostete 9300 Pesos pro Person. Diesmal hatten wir weniger Glück mit dem Sitzplatz, wir saßen direkt neben der Bustoilette. Naja, so ist das Leben. 😉

Während der Fahrt stieg ein Mann zu. Er verkaufte Gebäck, belegte Brötchen und Kaffee. Wieder besseren Wissens konnten wir beim Geruch nach Kaffee nicht widerstehen und kauften uns jeder einen Becher. Er war heiß und wirklich gut gezuckert.^^ Energiegeladen erreichten wir gegen 13 Uhr Puerto Varas und benötigten vom Terminal zu unserem nächsten Hostel circa 10 Minuten. Nachdem alle Formalitäten geklärt waren sind wir erstmal los zur Touristeninformation direkt am  See Llanquihue um uns einen Stadtplan zu besorgen. Des Weiteren haben wir uns erkundigt, wie wir am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Saltos del Petrohué kommen. Das ist folgendermaßen: von 8:00 bis 19:00 Uhr fahren regelmäßig Micros hin und wieder zurück (2000 Pesos pro Person ), wobei der Park selbst bis 18:00 Uhr geöffnet hat. Somit haben wir einen Plan für den nächsten Tag. Danach setzten wir uns an den See Llanquihue, an dessen anderen Ufer die Vulkane Osorno und Calbuco zu sehen sind und ließen das herrliche Bild (mit Wolken, aber kein Regen) auf uns wirken.

Kassler mit Pommes.

Kassler mit Pommes.

 

Auf dem Weg zurück in das Hostel sind wir im Zickzack durch die Innenstadt gelaufen und noch etwas Essen gegangen. Puerto Vargas war früher ein Zentrum der deutschen Einwanderer. Das sieht man unter anderem an der Architektur und sie haben auch die Küche dominiert. Also gab es Kassler-Kotelett, wenn auch mit Pommes. War trotzdem richtig gut gemacht und super lecker. 😉

 

 

  

Gegen 18:00 Uhr ging es noch mal Richtung Zentrum. Dort sind wir durch Zufall auf eine Vorstellung von Clowns und Artisten gestoßen, die auch das Publikum mit eingebunden haben. Ich machte ein paar Fotos, als eine Frau der Gruppe auf mich zu kam und etwas zu mir sagte. Das einzige Wort was ich verstand war Peligroso (gefährlich). So nennen sie sich also.. Ein Clown zu sein ist bestimmt kein leichter Beruf, immer andere bespaßen und dabei hochkonzentriert Kunststücke aufführen. Alle die diese Arbeit ausüben haben einen sehr wichtigen Job, welcher leider immer weniger gewürdigt wird. Dabei ist lachen wirklich wichtig!

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Mein Held des Tages.

Während ich so da saß und einfach der Aufführung folgte, kam irgendwann ein kleiner Junge von 5-6 Jahren zu mir und schaute mich längere Zeit an. Ich lächelte ihn an und sagte „¡hola chico!“ woraufhin er seine kandierten Erdnüsse aus seiner Pullovertasche holte und mir unbedingt welche geben wollte. Überrascht streckte ich meine Hand aus und er ließ ein paar Nüsse auf eben diese fallen. Danach steckte er sich erstmal selber welche in den Mund bevor er weitere in meine Hand fallen ließ. Ich bedankte mich ganz freundlich und sah, dass auch sein Vater uns beide anlächelte.

An diesem Abend hatte sich schon dass Wetter abgezeichnet, das auch die Webseiten prophezeit hatten: graue Wolken und Regen. Ich hatte trotzdem ein Sonnenscheinlächeln im Gesicht. 🙂

Am Sonntag, dem 13. November, sah es zwar morgens grau aus aber es war noch trocken. Also entschieden wir uns zum Nationalpark zu fahren. Als wir gerade mit dem Frühstück sowie dem Schmieren von unseren Brötchen für Unterwegs fertig waren, hat es aber angefangen in Strömen zu regnen. Das wollten wir uns natürlich nicht antun und sind kurzerhand im Hostel geblieben. Weitere Reiseplanung, Reisetagebuch, Fotos bearbeiten, Blog… da findet sich immer was. 

Die weitere Reiseplanung sieht jetzt so aus: Wir bleiben eine Nacht länger in Puerto Varas um zu den „Saltos del Petrohué“ zu gehen. Danach geht es nach Chiloé (einer Insel vor Chile) und Bariloche in Argentinien. Für den 2. Dezember haben wir die Navimag Fähre von Puerto Montt nach Puerto Natales gebucht – 4 Tage auf der See. 🙂