Tag 25 bis 30 bei Pucón auf der Rancho de Caballo

Das Frühstück in dem zweitem Hostel in Valdivia war das beste was wir bisher hatten. Es gab Toastbrot (und einen funktionierenden Toaster dazu!), Schmelzkäse, Leberwurst, Marmelade und Butter. Außerdem gab es Kekse, einen Yoghurt und Cornflakes, Saft, Tee bzw. Kaffee. Soviel Auswahl hatten wir hier bisher noch nicht, deswegen sollte es erwähnt werden.. 🙂
Gegen Mittag ging es dann mit dem Überlandbus nach Pucón. Die Fahrt dauerte etwa 3 Stunden und war ohne Stau, dafür mit viel Beinfreiheit. Wir hatten diesmal die Plätze ganz vorne auf der rechten Seite und konnten somit dem Straßenverlauf genauestens folgen und gleichzeitig dem Busfahrer dabei zuschauen, wie er mit 100 km/h über die Landschaft fährt während er Wechselgeld und Quittungen für die unterwegs zugestiegenen Gäste raussucht.
In Pucón, oder besser gesagt circa 30 km entfernt und mitten im Wald, wollten wir uns mit Feli auf der Rancho de Caballos treffen. Am Busterminal waren wir um 15:20 Uhr mit Christa, der Besitzerin der Ranch, verabredet. Als erstes ging es in einen Supermercado, in welchem wir Lebensmittel für die nächsten Tage kauften. Direkt daneben war ein befahrbarer Baumarkt, in dem Christa noch eine Flasche Gas gekauft hat, um Flusswasser erwärmen zu können. Danach ging es auf die Ranch. Zuerst ging es circa 20 Minuten auf einer Landstraße entlang, von welcher aus immer mal wieder der Vulkan Villarica zu bestaunen war. Irgendwann ging es dann rechts weg auf einen 12 Kilometer langen Schotter- und später Waldweg. Auf der Ranch angekommen freuten wir uns als erstes über unsere romantisch gelegene gemütliche Holzhütte mit Kamin und kleiner Kochgelegenheit. Normalerweise ist die Hütte für 6 Personen ausgelegt. Da wir die ersten Gäste der Saison sind, hatten wir diese für uns allein (somit musste ich Henny sein schnarchen nicht ertragen^^). 🙂
Im Haupthaus selbst steht ein Kühlschrank, für welchen aber der von den Wasserturbinen produzierte Strom an dem Tag nicht ausgereicht hat. Deswegen wurde das dritte Schlafzimmer zur Speisekammer deklariert (wir haben die Tür geschlossen sodass die Ofenwärme vorrangig in die oberen Schlafzimmer dringt). Das im Supermarkt eingekaufte Fleisch sowie den frischen Fisch wollten wir allerdings nicht so lagern. Also legten wir erstmal die Steaks ein und brieten den Fisch ab.
Das Gehacktes verarbeiteten wir gleich fürs Abendessen zu Spagetti Bolognese. Während des Kochens kam auch Feli zu uns in die Hütte und gemeinsam schnippelten wir eine komplette Knoblauchknolle sowie zwei ziemlich große aromatische Zwiebeln. Das hat uns auch zu Tränen gerührt, aber es gab ja noch Wein.^^
Kurz danach kam noch Vera, die zweite Praktikantin der Ranch, vorbei. Nachdem wir gegessen und ausgetrunken hatten, schauten wir bei einem Lagerfeuer der Gauchos vorbei. Dort konnten wir bei einem Bier auch das betrunkene chilenische Spanisch weiter trainieren. Der wichtigste Satz des Abends war für mich, dass Feuer wichtiger als Sprechen ist – Feuer verbindet. An Abenden wie diesen ist das die absolute Wahrheit..

Am Samstag wurde ich von Vogelgezwitscher statt von Autos oder Bussen geweckt – dass hatte ich echt vermisst. 🙂 Mit einem entspannten Lächeln im Gesicht frühstückten wir am Kamin bevor wir uns raus auf die Bank hinterm Haus setzen. Henny schrieb Postkarten und ich schrieb in meinem privaten Reisetagebuch..

 

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Die Wanderin.

Gegen 13 Uhr brachen wir dann für eine kleine Wanderung durch den Naturpark Alto Palguín auf, welcher einfach wie ein Märchenwald ist. Gerade der Park der Range ist mit Holzschnitzereien übersät, welche mit viel Liebe gefertigt wurden. So gibt es eine Menge zu entdecken bis man sich auf kleinen Trampelpfaden mitten im Wald wiederfindet, welche die Routen markieren. Abgesehen davon ist der Wald ursprünglich belassen und das einzig wahrnehmbare Geräusch ist das Wasser, welches sich seinen Weg vom Lago Villarica über den Río Trancura sucht. Will man diesen Gebirgsbach überqueren, kann man die dicken umgestürzten Baumstämme nutzen und zum Glück gibt es auch ein kleines Geländer zum festhalten.
Dadurch hatten wir auch, als wir uns gegen 16 Uhr wieder in der Hütte einfanden, über 400 Fotos auf den Kameras.. 🙂
Während wir den Wald erkundeten, rechten Feli und Vera fleißig das Laub im Park zusammen. Da es über Nacht regnen sollte, wollten die beiden dieses gleich noch anzünden. So kam Feli gegen 17:30 Uhr zu uns und wir gingen mit Kameras zusammen zurück in den Park. Da das Laub doch noch ziemlich feucht war, entschieden wir uns, erstmal ein Lagerfeuer mit dem umherliegenden Holz anzuzünden und dann Stück für Stück das Laub zu verbrennen. Neben dem Lagerfeuer habe ich auch immer mal wieder die Glutstellen der kleineren Häufchen Laub besucht und geschaut dass auch dort das Feuer nicht aus geht. Dadurch hatte ich an dem Abend noch richtig viel Bewegung durch den Park, wobei ich mich an den Rauchzeichen orientieren konnte.
Zwischenzeitlich setze sich auch Christa mit zu uns ans Feuer und legte auch ordentlich mit auf. Wir nutzten die Gelegenheit gleich um Sie zu fragen, ob wir ein paar Tage länger bleiben können, was überhaupt kein Problem war. Gemeinsam entschieden wir am Montag mit ihr nach Pucón zu fahren um Lebensmittel zu kaufen und uns über Touren auf den Vulkan Villarica zu informieren.. Letztendlich sind wir erst gegen 23:30 Uhr wieder in unserer Hütte gewesen und obwohl nicht alles Laub verbrannt war, hatten wir doch unseren Spaß!
Zurück bei der Hütte stellten wir fest, dass es unter dem Vorbau nach geschmolzenem Plastik riecht oder besser gesagt stinkt. Henny hatte eine Plastik-Kehrschaufel auf den Eimer gelegt, der mit Asche aus dem Ofen gefüllt war. Da war wohl doch noch etwas Glut in der Asche, aber zum Glück hat es nur die Schaufel erwischt und nicht das Haus. 😉

Am darauf folgenden Sonntag (06.11.2016) war es bis in den Nachmittag hinein bewölkt. So haben wir den Vormittag genutzt unsere Wäsche zu waschen (was wirklich nötig war), Henny’s Haare zu schneiden, Fotos zu bearbeiten, weitere Postkarten zu schreiben, mein Reisetagebuch zu vervollständigen und natürlich zu kochen. Die seit zwei Tagen in Bier, Zwiebeln, Knoblauch und Senf eingelegten Ribeye-Steaks haben wir erst gebraten und dann noch mal in der „Marinade“ gekocht, da es noch ein wenig zäh war.
Nachmittags kam Feli vorbei und gemeinsam sind wir noch zur Lagune hier auf der Range gegangen um noch ein wenig die Landschaft und Natur zu genießen. Es hat auch nicht lange gedauert, bis drei Pferde zur Lagune kamen um zu grasen. Henny machte dort natürlich auch mitten am Tag bei warmen Temperaturen ein Lagerfeuer, einfach weil dort eine Feuerstelle war. 🙂
Kurz vor Sonnenuntergang sind wir dann zurück und haben zu dritt noch Kartoffelsalat gemacht. Zusammen mit den Steaks super lecker. Gemütlich verbrachten wir den Abend zu dritt in der Hütte am Kamin. 🙂

Montagvormittag sind wir zusammen mit Christa und Feli nach Pucón gefahren um erstmal drei Stunden in einem Café einen „echten!!“ Kaffee zu genießen. Wir haben das WLAN dort natürlich auch genutzt um Mails und Nachrichten zu checken sowie ein Hostel in Pucón ab Mittwoch und eins in Puerto Montt ab Samstag zu buchen. Letzteres werden wir vermutlich wieder stornieren, da uns Christa geraten hat, erst nach Puerto Varas zu fahren. Alls dann fast die Akkus der Handys leer waren, sind wir noch zu einem Tourenanbieter gefahren um uns den Ausflug auf den Vulkan erklären zu lassen. Wir haben uns überlegt, am Mittwochen Abend diese Tour für den Donnerstag zu buchen. Ich bin daraufhin total aufgeregt. Bis zum Entschluss dieser Reise hätte ich mir niemals träumen lassen auf einen Vulkan zu steigen und jetzt soll es in drei Tagen soweit sein..
Bevor es zurück auf die Ranch ging, waren wir noch zusammen einkaufen. Eine neue Kehrschaufel gab es leider nicht, aber das war für Christa auch ok. Pünktlich zum Abendessen waren wir wieder zurück.

Dienstag, den 08. November 2016, verbrachten wir Vormittags zusammen mit Feli und Vera bei den Pferden. Eigentlich wollte ich auch mal auf einem Pferd reiten, aber erstmal wollte ich mich mit ihm vertraut machen. Zumal diese über Winter vollkommen sich selbst überlassen waren und sich nun erstmal wieder an Menschen gewöhnen müssen wollte ich erstmal Vertrauen aufbauen. Also war Fellpflege, Striegeln, Mähne bürsten und Hufen auskratzen angesagt. Danach ging es in den „Rpundpen“ um zu sehen wie das Pferd einen annimmt. Das hat super viel Spaß gemacht und auch alles toll funktioniert. Leider hat meine Pferdeallergie dazu geführt dass die ganze Zeit meine Augen getränt haben und so entschied ich mich dann das reiten für den Tag sein zu lassen… Ich glaube das war auch die richtige Entscheidung, denn meine Augen waren noch drei Tage darauf geschwollen sodass ich kaum was gesehen habe und Luft holen ging auch erstmal deutlich schwerfälliger. Aber jetzt ist wieder alles gut. 🙂
Den Nachmittag haben wir genutzt die zweite Tour auf der Ranch und durch den Naturpark zu gehen. Es ging entlang eines Waldbaches über glitschige Steine und durch eine abermals wunderschöne Landschaft. Belohnt wurden wir am Ende mit drei Wasserfällen und einer herrlichen Fernsicht, da wir am letzten Wasserfall – mit circa 50 Meter Höhe der Höchste auf der Tour – oben direkt an die Absturzkante konnten. Am Abend waren wir bei Christa zusammen mit Feli und Vera zum Pizzaessen eingeladen und das war super lecker! (Und für alle die „super lecker“ nicht verstehen, dass ist ein Insider der durch Neuseeland gekommen ist und einfach immer ein Lächeln ins Gesicht bringt.)

Am Mittwoch packten wir leider wieder unsere Rücksäcke und am Nachmittag ging es zurück nach Pucón. Die Zeit auf der Rancho de Caballos war einfach phänomenal und genau dass, was ich mir von dieser Reise erhofft habe. Ruhe, Entspannung und auf das wesentliche reduziert. Die Tage kommen und gehen und man ist entfernt vom Stress mitten in der schönen Natur Südamerikas.. Hach.. 🙂

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