Tag 31 Vulkan Villarica

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Ausschilderung der Fluchtwege.

Am Mittwoch, dem 09.11.2016, hatte uns Christa so gegen 17:30 Uhr nach Pucón gefahren. Dort ging es nur kurz ins Hostel und dann direkt zu Summit Chile, um unsere Tour auf den Vulkan Villarrica endgültig zu buchen und die Kleidung, die wir von dort gestellt bekommen, anzuprobieren.
In der Agentur mussten wir erst einmal 2 Formulare ausfüllen wobei auf dem Ersten am Ende ein fett gedruckter Absatz in Großbuchstaben stand, in dem dreimal das Wort „TÖDLICH“ vorkam.. da haben wir uns dann erstmal länger angeschaut und gezögert, aber am Ende doch unterschrieben. Auch gleich zweimal auf der Seite, wie gefordert.
Nachdem das geklärt war wurde uns das entsprechende Equipment an einer Puppe gezeigt: Helm, Atemschutzmaske, Wanderstöcke, Eispickel, Steigeisen, Rucksack, für jeden 2 paar Handschuhe, Jacke, eine Überziehhose und Schuhe. Er erklärte uns auf spanisch dass wir am Oberkörper 3-4 Schichten tragen sollen und unter der dünnen Überziehhose eine dünne Hose, z.B. eine Leggins. Außerdem gehört zur Ausrüstung noch eine Plastikrutsche, mit welcher es dann vom Vulkan wieder runter geht. Da habe ich mich erstmal gefragt ob ich ihn richtig verstehe oder meine Phantasie mit mir durchgeht, aber das wird sich schon zeigen. Als das geklärt war ging es zur Anprobe. Mit Henny seiner Schuhgröße waren die erstmal überfordert, bevor ein Angestellter zu einer anderen Agentur ging um da die passenden Schuhe auszuleihen.. Läuft..
Bei mir war auch die kleinste Jackengröße wieder zu groß aber es gab Schuhe in meiner Größe und das ist das wichtigste. 🙂
Als wir bezahlten bekamen wir zusätzlich noch eine „Mitbringliste“ für den nächsten Tag: mind. 2 Liter Wasser, Mandarinen, Schokolade und belegte Brote. Außerdem sollten wir zum Abendessen Pasta essen und viel Wasser trinken. Das haben wir dann auch, nachdem der Einkauf erledigt war, gemacht.
Etwa gegen 22:30 Uhr wieder zurück im Hostel haben wir noch die Brötchen für den nächsten Tag geschmiert und konnten dabei einer Schnecke zuschauen, wie sie langsam über die Spüle gekrochen ist.. wir habe uns umgedreht und die Küchenzeile auf der gegenüberliegenden Seite benutzt. Dann war es auch okay..
Am Donnerstag hat der Wecker um 5:30 Uhr geklingelt und kurz nach 6 sind wir zur Agentur aufgebrochen. Dort hieß es dann an- und umziehen und den Inhalt unserer Rucksäcke in die gestellten Rucksäcke umpacken. In denen befand sich auch schon die Atemschutzmaske, Steigeisen und – in der Tat – eine Plastikrutsche. Das haben wir also richtig verstanden. 🙂 Als irgendwann alle 4 Guides und die 12 Teilnehmer der Tour soweit waren, ging es mit einem kleinem Bus Richtung Talstation des Skigebietes am Vulkan. Die Fahrt dorthin war nach etwa einer halben Stunde beendet und vor Ort haben wir noch den Eispickel bekommen. Von den Wanderstöcken war leider nichts zu sehen, das hab ich dann das wohl falsch verstanden.. Nach einer kurzen Einweisung setzten wir die Helme auf und es ging im Gänsemarsch durch die tief hängenden Wolken los. Im Normalfall wären die ersten Höhenmeter mit Seilbahn gewesen, aber diese war durch den starken Wind und die schlechte Sicht außer Betrieb.
Vorne lief ein Guide und die anderen drei sind um die Gruppe herum gewuselt. Ziemlich schnell wurde es richtig steil, 45 Grad Steigung waren da teilweise dabei und der Untergrund war Lavageröll: einen Schritt hoch und einen halben wieder runter gerutscht.
Und da es direkt entlang eines Grates ging, haben wir auch die ein oder andere Windböe abbekommen, die mich manchmal noch 1-2 m zur Seite gedrückt hat (und das ist keine Übertreibung). Henny wollte mich auch ein paar mal festhalten aber da hatte er keine Chance. Er stand selbst nicht standsicher; das erste mal in den 17 Jahren die wir uns kennen dass ich das sehen durfte.^^ War also nicht so einfach und schon gar nicht soooo einfach, wie wir uns das vorgestellt haben. 😉
Nach ca. 70-80 Minuten waren wir an der Bergstation der Seilbahn angekommen. Von dort aus dauert es normalerweise noch weitere vier Stunden unter den gleichen Bedingungen – nur eben ab dann über ein Schnee- und Eisfeld. Da Henny die letzten paar hundert Meter schon mehrfach gestolpert war, entschied er sich umzudrehen. Mir ging es zu diesem Zeitpunkt zwar noch gut aber ich war mir nicht mehr sicher, bis an den Kraterrand zu kommen. Nach einer kurzen Rücksprache mit dem Chef- Guide habe ich mich dann auch entschieden direkt wieder mit runter zu gehen. Denn wenn zwei Stunden später oder so ein anderer Guide mich hätte runter begleiten müssen, hätte die Gruppe nicht mehr genug Guides gehabt und alle hätten den Abstieg antreten müssen. Den Schuh wollte ich mir nicht anziehen. Begleitet von einem Guide ging es also Bergab, am Anfang über ein Eisfeld, so dass wir wenigstens die Steigeisen doch noch einsetzten konnten. 🙂
Der Guide hat uns auf dem Weg nach unten jedem einen seiner Wanderstöcke gegeben worüber ich mich echt gefreut habe, denn so konnte ich mich bei den Windböen besser mit dem Boden „verankern“.
Außerdem entschied er, dass Henny in der Mitte und ich zum Schluss laufen soll. So konnte ich immer wieder stehen bleiben und die Eindrücke auf mich wirken lassen. Und obwohl ich eigentlich keinen Platz in meinem neuen Zuhause habe, habe ich trotzdem ein paar für mich besondere Gesteine mitgenommen. Die kann ich jetzt die nächsten 335 Tage mit mir rumtragen. 🙂

Weiterhin hat er uns mit Informationen zum Vulkan und zu den Mapuche versorgt. Gegen 12 Uhr waren wir dann wieder bei Summit Chile in Pucón. Wir gingen erstmal auf einem Kaffee ins Café Berlin, wo ich Witze riss über Henny seine Kondition und er weiter Asiatenwitze zum besten gab wegen meiner durch die Pferdeallergie immer noch leicht geschwollenen Augen. Die Stimmung war also trotzdem gut. 🙂

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Ein Spritzkuchen! 

Nach dem Café sind wir zurück in unser Hostel, um unsere Kameras und Notebooks zu holen, weil wir ein wenig die nächsten Tagen planen, unsere Blogs füllen und Pucón besichtigen wollten.
Auf dem Rückweg in die Stadt haben wir noch Henny seine normalen Halbschuhe beim Schuster abgegeben, denn bei beiden Schuhen waren die Nähte aufgegangen. Diese sollten am nächsten Tag gegen 16 Uhr fertig sein. 

Da die Internetverbindung im Café Berlin sowie im Hostel nicht so gut ist, entschieden wir uns ins Café Cassis zu gehen. Leider war die Verbindung dort auch nicht besonders. Dennoch sah es dann aus wie in einem Büro und für die Buchung der nächsten Unterkunft in Puerto Varas und ein paar Mails hat es auch gereicht. Danach ging es noch zum schwarzen Strand von Pucón und auf dem Weg zurück gleich noch die Bustickets zu unserem nächsten Ziel kaufen.  

Geprägt durch das Erlebnis in der Küche am Abend zuvor, haben wir es mit dem kochen seien lassen und sind noch etwas Essen gegangen. Der Aushang am Fenster des Lokals, das ein Koch gesucht wird, hätten wir besser schon beim Betreten eben dieses sehen sollen.

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