Tag 38 in Castro auf Chiloé, Chepu

Am Donnerstag, dem 17.11.2016, gab es zum Frühstück wieder mal verbranntes Spiegelei – diesmal frisch zubereitet von Henny. Aus Anstand habe ich diesmal meines gegessen.. und Henny wollte seines nicht.
Danach verabschiedeten wir uns vom weiterreisenden Spanischlehrer und versuchten unser Glück bei der Autovermietung. Das erste Angebot war uns zu teuer und so fragten wir, ob er ein kleineres, günstigeres Auto zur Verfügung hat. Auf dem Hof zeigte er uns dann das zweite und letzte Auto und sagte noch etwas dazu, was wir nicht genau verstanden. Henny meinte es wäre halt noch dreckig und ich verstand das Wort kaputt. So oder so, wir haben es gemietet und sind dann gegen 11:45 Uhr die Rute 5 Richtung Norden gefahren. Schnell wurde uns klar: das Auto ist dreckig UND kaputt. Die Lenkung wackelte. Aber die Hupe und Bremse waren ok, also ging das schon irgendwie.

Auf der Ruta 5 war Henny irgendwann der Meinung einen LKW überholen zu müssen, hat erstmal ordentlich beschleunigt und ist vorbei gefahren. Direkt danach ging es Berg ab, also ausrollen lassen.. nur unten im Tal standen die Carabineros de Chile mit einer Laserpistole. Wir wurden natürlich direkt raus gewunken. Als der Polizist die Pässe von uns beiden, seinen Führerschein und auch die Fahrzeugpapiere hatte, sagte er: todo bien und ließ uns weiterfahren. Ich glaube es lag auch daran dass er kein Englisch konnte und wir nicht alles verstanden haben. Auf jeden Fall Glück gehabt.

Kurze Zeit später ging es dann von der gut ausgebauten Straße auf eine Schotterpiste Richtung Chepu. Der Weg führte für etwa 20 Minuten in Richtung Pazifikküste. Zwischendurch haben wir noch einen Fahrerwechsel gemacht.
Irgendwann, gefühlt kurz vor dem Ziel, wurde aus der Schotterstraße ein Waldweg und kurz darauf ging es auch steil bergab. Das erste riesige Schlagloch ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Ich hielt davor an und ließ Henny aussteigen damit er von außen schaut ob es passt. Nur 200 Meter weiter, immer noch am Steilhang, kam die nächste kritische Stelle, die dazu auch noch nass war. Wieder musste Henny aus dem Auto und hat dabei auch gesehen, das unten im Tal eine Wasserdurchfahrt ist. Mit der Erfahrung aus Cuba haben wir uns entschlossen, umzukehren. Das hieß aber: 500-600 Meter rückwärts den Berg hoch bis ein Stelle zum drehen und parken kommt. Also bin ich wieder zurück gefahren während Henny den Berg hochgelaufen ist. Gewicht im Auto reduzieren. Zwischendurch habe ich immer mal angehalten und ihn ausgelacht. 🙂

Nach dem Parken hat Henny mich auf das „Profil“ der Vorderräder aufmerksam gemacht… über die nasse Stelle am Hang wären wir nie wieder gekommen. Wir haben also insgesamt dazu gelernt und uns richtig entschieden.

Bepackt mit Rucksäcken und Kameras sind wir die letzten 3-4 km zum Strand dann gelaufen, den Hang runter, vorbei an der Wasserstelle und dann gleich rechts ab in eine traumhafte Dünenlandschaft. Nach einer halben Stunde standen wir vor einer Mischung aus Moor und Kuhweide. Da mussten wir aber durch. Die Kühe haben zwar komisch geschaut aber sind friedlich geblieben. Außerdem haben Henny seine Schuhe den Wasserdicht-Test bestanden, da er einmal mitten im tiefen Schlamm gelandet ist – ich bin glücklicherweise immer auf den Grasbüscheln geblieben. Als das Moor hinter uns lag, waren es noch mal 10 Minuten durch Dünen bis zur Küste. Der Weg hatte sich wahrlich gelohnt.

Links und rechts vom Strand Steilküste mit grünen Wäldern und vor uns der Pazifik mir viel Wind und hohen Wellen. Weit und Breit kein Mensch. wir setzten uns erstmal hin und ließen das Panorama auf uns wirken. Irgendwann stand ich auf und lief ein wenig rum, fand einen anderen netten Platz und ließ mich dort nieder. Etwa 20 Minuten später kam Henny und meinte ich hätte ihm einen ganz schönen Schrecken eingejagt, da ich auf einmal weg war ohne ein Wort oder eine Spur von mir. Ich in der Zeit habe ich einfach nur das gesehen..

Eine Stunde später haben wir uns auf dem Rückweg gemacht, diesmal wieder durch die Dünen aber in Richtung Fluss, kurz an dem entlang und dann vorbei an einer Gruppe Pferde mit Jungtiere. Da wussten wir nicht ganz, ob wir einfach vorbei gehen können, aber die Pferde sind von alleine weggetrabt.

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Panorama vom Strand bei Chepu.

Wieder am Auto war es etwa 17 Uhr und wir entschieden uns, noch zu versuchen zur Muelle de las Almas zu fahren. Die liegt südlich von Castro, also erst mal wieder länger im Auto sitzen. Insgesamt sind wir nur 300 km gefahren, aber wir sind es beide nicht mehr gewohnt so lange ruhig im Auto zu sitzen.. Kurz vor Castro haben wir noch mal einen Fahrertausch gemacht . Auch der Weg zur Muelle de las Almas ist auf den letzten 15 km eine Schotterpiste mit steil ansteigenden Hängen. Das Auto musste wieder leiden. Wir wussten nicht genau wo wir hinmüssen, nur das der Steg südlich vom Nationalpark Chiloé ist. Zum Glück haben wir dann doch ein kleines Schild gefunden. Quasi kurz vorm Ziel angekommen, haben wir auf einer Art Farm noch mal nach dem Weg gefragt. Der gute Mann gab uns zu verstehen, dass man hier normalerweise parkt und dann noch 45 Minuten zu Fuß für eine Strecke braucht und es dafür jetzt zu spät ist, da es bald dunkel wird. Das klang logisch und so sind wir dann umgekehrt. Während des Rückwegs nach Castro setzte auch der Sonnenuntergang ein und tauchte den Himmel in richtig viele verschiedene Rottöne. Leider haben wir keine passende Stelle zum anhalten und Fotos machen gefunden aber es war trotzdem traumhaft.

Wieder im Hostel sind wir während des Kochens (Bratkartoffeln) noch mit zwei anderen Deutschen ins Gespräch gekommen. Die beiden kommen aus der Nähe von Meinigen, die Welt ist wirklich klein..

Am Freitag geht es dann mit einem Micro weiter nach Quellón, am Südende von Chiloé. Der nächste Nationalpark wartet auf uns..

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