Wenn ich schon mal hier bin

Tag 79 – Tag 10 auf See – Südgeorgien: Cooper Bay & Drygalski Fjord

Vierter Tag Südgeorgien.

John Steinbeck: A journey is a person in itself, no two are alike. And all plans, safeguards, policies, and coercion are fruitless. We find after years of struggle that we do not take a trip; a trip takes us.

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 54″ 41,7′ S – 35″ 41,2′ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1440 Meilen
Geschwindigkeit: 10,1 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 10 bis 15 Knoten West
Außentemperatur: 2 Grad C

Am Donnerstag wurden wir erst 7:00 Uhr geweckt. Über Nacht sind wir nach Cooper Bay gefahren und dort wollten wir ein wenig mit den Zodiacs die Umgebung erkunden. Auf die ging es dann auch um 9 Uhr – nach dem Frühstück diesmal.

Cooper Bay ist unterteilt in einige kleine Buchten und in denen gab es noch einmal Goldschopfpinguine, Zügelpinguine und Seebären zu sehen. Außerdem auch einige Paare Rußalbatrosse sowie den Singvogel South Georgia Pipit. Unser Fahrer war wieder Woody und er hat an einer unglaublich genialen Stelle – an der Pinguine das Wasser verlassen und betreten haben – sehr lange versucht die Position zu halten. Das war zwar zum Ärger der anderen Zodiacs aber für uns hätte es nicht besser sein können. 🙂

Das Wetter während der Fahrt hat sich auch ständig geändert, sodass wir während der 90 Minuten quasi einmal alles hatten: Am Anfang war es relativ windstill mit blauem Himmel, dann hat es richtig angefangen zu schneien mit schönen großen Schneeflocken und am Ende war zwar noch viel Wind da aber die Wolkendecke ist aufgebrochen. Einfach toll. 🙂

Ab 13:00 Uhr ging es dann zum Abschluss des Besuches von Südgeorgien in den Drygalski Fjord. Und auch dafür fehlen mir eigentlich die Worte, aber glücklicherweise gibt es ein Timelapse (mehr als 11.000 Fotos), welches Henny seinen Rechner bei der Erstellung mehrere Stunden lahm gelegt hat. 🙂

Hier war das Wetter ebenfalls anfangs sehr windig und durch starken Schneefall sowie Nebel geprägt, sodass man das Fjord-Gebirge mit bis zu 1000 Meter Höhe kaum gesehen hat. Glück hatten wir auch hier wieder mit dem Wetter, denn während der Fahrt zum Gletscher hörte es auf zu schneien und klarte auch ein wenig auf. Und der Kapitän hat das Schiff bis auf 200 Meter an den Gletscher heran manövriert und gleichzeitig den Bug freigegeben, sodass die meisten der Passagiere vorne am Schiff die großartige Landschaft bewundern konnten. Dazu wurde noch heiße Schokolade serviert. Einfach unbeschreiblich schön. Ich wusste dass diese Reise der Wahnsinn wird, aber vieles hätte ich nicht mal im Traum gewagt zu hoffen.

Shane, der Expitionsleiter, hat uns dann zum Recap erzählt dass es auch Kapitäne gibt, die schon eine Meile vorher das Schiff zum stehen bringen. Wir hatten also echt viel Glück mit dem russischen Kapitän. 🙂

Ab ca. 15:00 Uhr hatten wir dann den Fjord wieder verlassen. Vor uns lagen nun weitere 2 1/2 Tage offene See bis zur Elefanten-Insel an der Nordspitze der Antarktis-Halbinsel. Um 16:00 Uhr sind wir dann noch zu einem Vortrag zur Geologie der Falkland Inseln und von Südgeorgien gegangen. Henny verließ nach etwa 30 Minuten den Raum, ich ging eine viertel Stunde später. Das Thema war einfach zu trocken für einen solchen Tag. Da war es wichtiger das Reisetagebuch mit den neuen Eindrücken zu füllen und Fotos zu sortieren und zu bearbeiten bevor es wieder zum Abendessen ging.

Tag 78 – Tag 9 auf See – Südgeorgien: St. Andrews Bay & Gold Harbour

Dritter Tag Südgeorgien.

Rachel Carson ‘The Sense of Wonder’: Those who dwell among the beauties and mysteries of the earth are never alone or weary of life. Those who contemplate the beauty of the earth find reserves of strength that will endure as long as life lasts.

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 54″ 26,3′ S – 36″ 10,5′ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1397 Meilen
Geschwindigkeit: 10,1 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 10 Knoten Südost
Außentemperatur: 2 Grad C

Am Mittwoch, dem 28.12.2016, wiederholte sich das Spiel vom Vortag. Um 5:45 Uhr wurden wir von Shane seiner Stimme geweckt. Das Schiff war bereits in St. Andrew’s Bay gestrandet. Das ist mit 100.000 Brutpaaren die größte Königspinguin-Kolonie der Insel. Während es schneite starteten gegen 6:30 Uhr die ersten Zodiacs. Wir hatten 30 Minuten mehr Zeit, da unsere Gruppe an diesem Tag mit dem Zodiac-Crusing anfing und die anderen Gruppen erst an Land gebracht wurden. Schon bei der Fahrt entlang des Strandes konnte man den unzähligen See-Elefanten zuschauen, die sich durch den Sand bewegten und sich auch im Gegenseitigen Kräftemessen übten. Mit 6000 Kühen befindet sich hier auch die größte See-Elefanten Ansammlung der Insel. Die ca. 1 1/2 Stunden Zodiac-Fahrt mit Vladimir, der auch Fotos macht und ein Auge für Motive hat, war für uns großartig. Er hat an entsprechenden Stellen angehalten und das Zodiac so geparkt dass wir freie Sicht hatten. Allerdings hatten wir diesmal das Boot mit zwei verwöhnten Kindern erwischt und das Mädel konnte nicht mal eine Minute die Klappe halten und die Umgebung auf sich wirken lassen. Henny meinte ein paar mal es dauert nicht mehr lange und einer fliegt ins Wasser – ich hätte ihn nicht aufgehalten. 😉

Südgeorgien – St. Andrew’s Bay.

Da wir auch entsprechend vor den Landgängern zurück auf dem Schiff waren, waren die Omelette-Stationen leer und so gab es zum Frühstück dann mal ein Omlette. Außerdem gab es Kaffee bzw. für mich heiße Schokolade, frisches Obst und Salamibrötchen – was braucht man mehr. 🙂

Danach ging es dann für uns – immer noch bei Schnee – an Land. 🙂 Perfekt, genauso muss das hier sein im Sommer. Die Pinguin-Kolonie ist über eine weite Ebene verteilt, welche auch noch von einem Fluss durchzogen wird. Diesen durften wir allerdings nicht durchqueren. An der Seite der Kolonie, die für uns nicht zugänglich war, befindet sich der Cook Gletscher, den wir schon vom Wasser aus gesehen hatten (noch vor 30 Jahren war die Abbruchkante des Gletschers direkt an der Bucht, mittlerweile hat sie sich deutlich ins Landesinnere verschoben). Auf dem Rückweg zum Zodiac begegneten wir dann auch einem kleinen, dafür aber sehr garstigen Seebären. Normalerweise macht man sich groß und ist laut wenn die auf einen zukommen und die Tiere lassen ab – nicht aber dieser Kollege. Auch das Zusammenschlagen von Steinen, um Lärm zu erzeugen, hat nicht geholfen. Erst nach zwei Minuten hat der Kleine von uns abgelassen. Angst hatten wir schon, denn er ist bis auf weniger als einen Meter an uns heran gekommen gewesen und die Zähne sahen schon so aus, als würden die problemlos durch Hosen und Schuhe durchgehen. Ich glaub wenn ich da alleine gestanden hätte, hätte ich jetzt irgendwo seinen Zahnabdruck von dem. So ist es glücklicherweise für uns beide gut gegangen und als er das Interesse an uns verlor fingen wir erleichtert und voller Adrenalin an zu lachen. Ich glaube vor diesem Geräusch hatte er mehr Angst als vor den zusammenschlagenden Steinen. 🙂

Am Landepunkt der Zodiacs hatten wir dann noch unseren Spaß mit den See-Elefanten. Die Jungtiere hatten sich über die Ausrüstung der Crew hergemacht. Total neugierig haben die sich auf alles gestürzt und erstmal beschnuppert um es dann später umzuschubsen. Wir haben dann Henny seine GoPro in den Sand gestellt und auch die wurde alsbald beschnuppert. Das war wirklich total süß. Solche großen Kulleraugen. 🙂

Während der Mittagszeit ging es weiter nach Gold Harbour, dort sind wir 15:30 Uhr angekommen. Eine halbe Stunde später ging es für die erste Gruppe auf die Zodiacs – an Land zu einer weiteren Königspinguin-Kolonie. Wir sind erst einmal mit der zweiten Gruppe 90 Minuten mit dem Zodiac entlang der Bucht gefahren. Unser Fahrer war Jens aus Schweden. W fragten ihn, ob wir zum nahe treibenden Eisberg fahren können, worauf er meinte, dass ist zu weit weg und zu gefährlich. Andere Zodiacs sind aber bis dahin gefahren. Das war ein wenig schade.

Südgeorgien – Gold Harbour.

Danach ging es dann direkt an Land und nicht wie davor üblich gewesen erst an Bord. An Land waren wir noch mal eine Stunde – genügend Zeit um Fotos von den Pinguinen, See-Elefanten und der grandiosen Landschaft mit einem riesigen Gletscher (Bertrab-Gletscher) im Hintergrund zu machen.

Kaum wieder am Schiff angekommen, gab es auch Abendessen, das wir mit den beiden Schweizern Angela und Christa verbracht haben. Die beiden sind auch längere Zeit unterwegs und haben auch schon in Argentinien ihre Erfahrungen gesammelt. Wir hatten uns eine Menge zu erzählen. 🙂

Tag 77 – Tag 8 auf See – Südgeorgien: Stromness Habour & Grytviken

Zweiter Tag Südgeorgien.

Robert Browning, as quoted on Ernest Shackleton’s grave : I hold that a man should strive to the uttermost for his life’s set prize.

Über Nacht ging es dann weiter bis nach Stromness Harbour. Um 6:00 Uhr war allgemeines Wecken und um 6:30 Uhr ging es für uns dann an Land. Unser Ziel war weniger Stromness Harbour selbst. Eigentlich ging es darum in den Fußspuren von Shackleton, seinem Kapitän sowie seinem 2. Offizier zu laufen.

..Nachdem ihr Schiff in der Antarktis im Packeis zerbarst, machten sich 6 der insgesamt 14 Männer nach der Überwinterung in einem kleinen Schiff auf dem Südpolarmeer auf nach Südgeorgien, um Hilfe zu holen. Das Schiff strandete Mitte Mai 1916 auf der unbewohnten Seite der Insel und so starteten die 3 die noch ein wenig Kraft hatten zur anderen Seite der Insel. An die 30 Stunden irrten sie auf der unerkundeten Insel mit den Inlandgletschern umher bis sie kurz vor ihrem Ziel waren. Eine Pause von 30 Minuten war geplant bevor es die letzten Kilometer zur Walfangstation geht. Zwei Männer schliefen sofort ein aber Shackleton hielt stand und widersetzte sind dem erholsamen Schlaf, der hier den sicheren Tod bedeutet hätte. Nach 5 Minuten weckte er seine Männer und sagte die halbe Stunde sei um. Dann ging es durch das Eiswasser des Wasserfalls nach unten und das Flussbett entlang zur Zivilisation, von der sie 1,5 Jahre vorher aufgebrochen waren..)

Wir starteten von der anderen Seite aus: ausgeschlafen, gut genährt und in Spezialoutdoorklamotten im antarktischen Sommer. (Das Wellnessprogramm kostet extra, deswegen lasse ich es hier außen vor). Nicht mal ansatzweise vergleichbar also.

Die Ruinen der alten Walfangstation stehen noch an der Küste, dürfen aber nicht betreten werden. Der Strand selbst war wieder bevölkert von Seebären. Unser Ziel – der Wasserfall – lag ca. 2 km im Inneren der Insel und der Weg dahin verlief durch und entlang des Flussbettes. Immer wieder mal während der Wanderung waren auch kleine Vögel (Seeschwalbe) im Sturzflug auf uns zu beobachten. Ihre Art uns mitzuteilen, dass wir zu Nahe an ihrem Nest entlang gingen.

Am Wasserfalls selbst darf man den Hang nicht hochgehen, da dort gerade ein Re-Naturierungsprojekt läuft. (..Europäer haben auf der Insel Rentiere als Fleischlieferant angesiedelt. Ohne natürliche Feinde hatten diese sich gut vermehrt und u.a. das Tussok-Gras weggefressen, was einheimische Vögel zum Nisten brauchen. Deswegen wurden erst in den letzten Jahre alle Rentiere abgeschossen, um die Insel den ursprünglichen Bewohnern wieder zu gehen..)

Zeit also sich hinzusetzen und der Entdecker und Abenteurer zu gedenken bevor es wieder zurück zum Anlandungspunkt geht.

Die Landgänge selbst finden immer in 2 mal 2 Gruppen statt. Zwei Gruppen mit je rund 50 Menschen gehen an Land während die anderen 2 Gruppen mit den Zodiacs an der Küste entlang fahren. Nach dem Frühstück wurde deswegen getauscht und wir sind an der Küste entlang gefahren. Eine Bucht weiter ist die Ruine der größten Walfang-Station auf Südgeorgien, Leith Harbour. Wir hatten das Glück dass unser Zodiac-Fahrer an diesem Tag Woody war, der Historiker auf dem Schiff. Er konnte also noch eine ganze Menge erklären und erzählen.

Um 12 Uhr ging es dann für rund 2,5 Stunden weiter in Richtung King Edward Point bzw. Grytviken. Die Bucht ist heute noch bewohnt – durch Forscher, einige Angestellte der Regierung und die Betreiber des Museum in der alten Walfangstation. Nach dem das Schiff geankert wurde, kam auch erst ein Vertreter der Regierung an Bord um einerseits alle Pässe für die „Einreise“ abzustempeln (das ist wohl eher ein Tourigag) und um andererseits die Biosecurity-Maßnahmen an Bord zu überprüfen. Danach gab es noch einen Vortrag vom South Georgia Heritage Trust, eines gemeinnützigen Vereins, der seit 5 Jahren damit beschäftigt ist, die Insel von eingeschleppten Ratten zu befreien. Sie sind schon weit gekommen und haben die Insel auch quasi von Ratten befreit aber auch dass Monitoring der Maßnahme kostet Geld. Wenn es unsere Reisekasse erlaubt hätte, hätten wir auch die 145 USD für die Säuberung eines Hektars gespendet – aber das ist aktuell nicht drin. 75 USD spendeten wir und vielleicht mag ja einer von euch auch etwas geben. 😉

Anschließend ging es dann auf die Insel. Wir sind zu erst in das Museum bzw. besser gesagt, in den Museumsshop gegangen, um Postkarten zu kaufen (die u.a. als Spende an das Rattenprojekt gehen). Diese und auch schon fertige aus Patagonien haben wir dann in der Post abgegeben – betrieben von Royal Mail aus UK… die Karten gehen also erst nach UK und dann an ihren eigentlichen Bestimmungsort. Heißt für uns dass die Briefmarken echt günstig waren im Vergleich zu Südamerika. 🙂

Danach sind wir über das Walfang-Stationsgelände bis zu einem Aussichtspunkt ca. 100 Meter überhalb der Bucht gelaufen. Von diesem Punkt aus hatte man echt einen super Überblick. Wieder unten in der Bucht ging es noch zum Grab von Sir Ernest Shackleton. Dort konnten wir mit Jameson Whisky einen Toast auf den „Boss“ trinken. Woody (der Historiker) hielt eine Rede auf Shackleton und dann trank jeder einen Schluck für sich selbst und den Rest gab man dem Boss – auf das Grab gießen. Das hat Woody den ganzen Nachmittag über getan und wohl viel getrunken. 🙂 Aber an sich eine feine Sache, denn zu Lebzeiten wurde ihnen für ihren Mut und ihre Stärke kaum Ehre gebührt, da der erste Weltkrieg im Vordergrund stand.. Wenn also jemand einen Toast trinken will auf Shackleton und sein Crew mit ordentlichem Whisky – feel free. 😉

Die dann noch restlichen 60 Minuten auf Festland haben wir im Museum verbracht, diesmal um es uns wirklich anzuschauen. 

Das Wetter an diesem Tag war bis zum Abend echt großartig, viel Sonnenschein und blauer Himmel. Gegen 19:00 Uhr fing es an zu schneien. An Bord war eine Grillparty geplant, auf dem offenen Bereich von Deck 6 und Deck 7. Es war auch quasi alles schon vorbereitet – warmer Kakao, Salate und jede Menge Fleisch vom Holzkohlegrill! Fanden irgendwie nicht alle toll, aber wir haben uns mit den Tellern draußen hingesetzt, in dicker Jacke, bei Schneefall und Ausblick auf die Fjordlandschaft. Großartig. Hätte nicht besser sein können. 🙂 Der Chef des Servicepersonals, Alex aus Russland, hat sonst im Restaurant immer schon gute Laune und ein Lächeln im Gesicht. Draußen im Schnellfall bei um die 0 Grad war die Laune noch mal deutlich besser und er tanzte fast auf dem offenen Deck. 🙂 

Auch das kurze Recap, die Zusammenfassung des Tages und Ausblick auf den nächsten Tag, fand draußen während des Essens statt. Dabei ist auch ein „Bewohner“ der Insel zu Wort gekommen und hat noch ein paar andere Menschen von dort vorgestellt – unter anderem den Doktor, der auch der Postmann ist. 

Als Nachtisch gab es übrigens Eis mit heißen Heidelbeeren, mit Schneesturm 🙂

Tag 76 – Tag 7 auf See – Südgeorgien: Right Wale Bay & Salisbury Plain

WOW! 

Erster Tag Südgeorgien.

Captain James Cook, upon his discovery of South Georgia in 1775: The wild rocks raised their lofty summits till they were lost in the clouds and the valleys lay buried in ever-lasting snow.

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 54“ 00’ S, 37“ 40,7’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1286 Meilen
Geschwindigkeit: 11,05 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 15 Knoten West
Außentemperatur: 2 Grad C

Montag morgen 6:15 Uhr hallt der Weckruf durch die Ocean Diamond. Klingt fast nach schlechter Laune, aber ich sprang gut euphorisch aus dem Bett und schaute aus dem Fenster. 🙂 Über Nacht ist das Schiff an der Nord-West-Spitze von Südgeorgien angekommen. Schon von einiger Entfernung war die Insel traumhaft schön.

Eigentlich stand für 7:00 Uhr Elsehul auf dem Programm – mit den Zodiacs die wunderschöne Bucht erkunden. Diese liegt am äußerten Rand der Insel und dadurch sind dort die Wetterbedingungen eigentlich immer extrem – an diesem Tag hat der Wind und der damit einhergehende Wellengang die Fahrten mit den Zodiacs unmöglich gemacht. Der Kapitän und die Crew haben quasi die komplette Bucht nach einer ruhigeren Stelle abgesucht aber da war nichts zu machen. Somit wurde der Plan geändert und das Frühstück vorgezogen. Währenddessen ist das Schiff zur Right Wale Bay weitergefahren, denn man hatte die Hoffnung, dass dort die Bedingungen besser waren und Zodiac-Fahrten möglich wären.

Um 8:06 Uhr wurde der erste Eisberg während der Fahrt gesichtet. Wir sahen ihn auch, denn wir standen gerade auf bzw. besser gesagt neben der Brücke um die Insel und die vielen Seevögel bewundern zu können. Sehr oft sind auch Pinguine und Robben neben dem Schiff aufgetaucht. Ein absolutes Paradies. In der Right-Wale-Bay angekommen hatten wir dieses Mal Glück, denn das Wetter hat gepasst und die Zodiacfahrten in der Bucht waren möglich. Der Stand selbst war von Seebären mit Jungtieren, Robben und Pinguinen (Königspinguine, Goldschopfpinguine und Eselspinguine) sowie Vögeln (v.a. Schwarzbrauenalbatrose und Graukopfalbatrose, Blauaugenscharbe, Schneesturmvögel und Riesensturmvögel) bevölkert. Einfach unglaublich und unbeschreiblich schön. Das war aber nur der Vorgeschmack auf die kommenden Tage in Südgeorgien.

Während der Mittagszeit ist dann das Schiff weiter zur Salisbury Plain gefahren. Die Ebene liegt am südlichen Ende der Bay of Isles und beherbergt 60.000 Köngispinguin-Brutpaare, also rund 250.000 einzelne Tiere. Unglaublich. 1912, als die Insel von Walfängern benutzt wurde, lebten erst ca. 350 Brutpaare an dieser Stelle. Da sieht man wie der Mensch den Lebensraum anderer Lebewesen auf dieser Welt beeinflusst..

Bei Salisbury-Plain war auch ein Landgang geplant und das Wetter war auf unserer Seite. Mit den Zodiacs ging es wieder bis an den Strand und dann zu Fuß weiter am Rand der Kolonie entlang. Mitten durch gehen war nicht erlaubt da das für die Tiere zu viel Stress bedeutet, aber wir waren auch so mehr als nah genug. Wir durften uns nicht mehr als 5m nähern, aber viele von den Pinguinen waren so neugierig und kamen bis auf 1m oder weniger ran. 🙂

Salisbury Plain – Königspinguine.

Zusammen mit den Pinguinen leben dort auch viele Seebären. Bei denen soll man 10m Abstand halten und das macht man im Allgemeinen auch freiwillig. Die sind manchmal schon angriffslustig und wollen ihre Kräfte messen.

Salisbury Plain – Seebären.

Nach dem Landgang stand noch eine Zodic-Fahrt an. Da der Regen stärker wurde sind hier allerdings keine weiteren Fotos entstanden. Insgesamt kamen wir an dem Tag dennoch auf über 2500 Fotos. Und quasi jedes davon eine geniale Erinnerung. 🙂

Weihnachten im Süd-Atlantik – 24. und 25.12.2016  – Tag 74/75 – Tag 5 und 6 auf dem Atlantik

Herman Melville: Give me this glorious ocean life, this salt-sea life, this briny, foamy life, when the sea neighs and snorts, and you breathe the very breath that the great whales respire!  Let me roll around the globe, let me rock upon the sea; let me race and pant out my life, with an eternal breeze astern, and an endless sea before.

Position am 24.12. (gegen 08:00 Uhr): 52“33,2’ S, 49“ 56,5’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 831 Meilen
Geschwindigkeit: 11,3 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 25 Knoten Südwest
Außentemperatur: 7 Grad C

Weihnachten startete für uns mit einem allgemeinen Weckruf um 07:45 Uhr, warum auch immer. Den Tag verbrachten wir vollständig auf See in Richtung Süd-Ost und ohne Ausflüge hätte man uns eigentlich auch ausschlafen lassen können. Aber so verpassten wir wenigstens nicht das Frühstück. Der Speisesaal war wieder ziemlich leer und so gab es ein leckeres frisch zubereitetes Omelette mit allem und extra viel Käse ohne langes warten für mich. 🙂

Den Vortrag am Vormittag zu den Vögeln des Südmeeres haben wir geschwänzt. Dazu hatten wir schon einiges gehört und irgendwann bringt man die Informationen nur noch durcheinander.

Stattdessen sortierte Henny Fotos und ich schrieb in meinem Reisetagebuch das erlebte der letzten Tage nieder. Nach etwa einer Stunde intensiv konzentrieren einigermaßen gerade zu schreiben wurde mir auch ein wenig flau im Magen. Ich wollte zur Ärztin um mir ein paar Pillen gegen die Seekrankheit geben zu lassen. Henny wollte mit und gleich nach Mullbinden für die Waden fragen da wir von den Gummistiefeln Abschürfungen an diesen haben. Nach ein paar Minuten kam sie dann mit den Tabletten und Pflastern zurück. Zwar nicht ganz dass was wir wollten aber so wird unser Pflastervorrat aufgestockt und das ist super, in der Tasche habe ich noch Platz. 🙂

Nach der Konsultation der Ärztin gingen wir noch zu einem Vortrag über Schnee und Eis. Wir kamen zwar zu spät aber das was ich hörte fand ich trotzdem interessant gemacht.

Zum Mittagessen gab es Ente, zwar ohne Klöße, Soße und Rotkohl aber trotzdem großartig. Mich hätte es auch nicht gewundert den Tag in einem ungeheizten Hostel zu verbringen und Brötchen zu essen. (Deswegen gab es extra kurz vor der Abreise aus Deutschland noch einmal Ente und Klöße bei meinem Bruderherz und seiner Frau. :-)) Nach dem Mittagessen haben wir auch mit unseren Familien telefoniert. Ein Guthaben von 60 Minuten (oder weniger, je nachdem in welches Land die Verbindung geht) hatte 20 US-Dollar gekostet. Die Satelitenverbindung war leider nicht ganz so gut, aber besser als nichts. Die Karte mit der Pin für das Telefon war allerdings schwer lesbar. Keine Ahnung warum es bei Henny funktioniert hat aber als ich es bei meiner Familie probierte kam immer nur dass die PIN ungültig ist. Ein kurzer Besuch an der Rezeption hat zum Glück Abhilfe geschaffen. Die schrieben mir die PIN noch einmal auf und danach bin ich auch durchgekommen. Das Guthaben sollte sogar für einen weiteren Anruf zu Neujahr reichen. 🙂

Ab 14:00 Uhr gab es dann eine Pflichtveranstaltung zur Bio-Sicherheit auf Südgeorgien in Form eines ca. 60 Minuten langen Videos. Gefühlt war der halbe Raum kurz vorm Einschlafen; die Anti-Seekrankheits-Pillen machen nämlich auch müde. So wurde etwa bei der Hälfte des Videos die Pausetaste gedrückt und alle sollten mal aufstehen und sich strecken.

Im Anschluss an das Video ging es zur Biosecurity-Reinigung. Das bedeutet, dass alle Sachen, die wir mit an Land nehmen wollten, vorher gereinigt werden sollten. Dafür gab es sogenannte Staubsaugerstationen, an welchen das Personal unsere Habseligkeiten absaugte. Dazu zählten: die Gummistiefel, Hose, Jacke, Mütze, Handschuhe und Rucksack. Wir hatten eine gründliche Reinigung erwartet, also mindestens das die Rucksäcke, die wir schon seit über zwei Monaten quasi täglich im Einsatz haben, ausgesaugt werden.  Ehrlich gesagt hatte ich darauf spekuliert und war dann ziemlich enttäuscht als alles nur mit „fine“ kommentiert wurde. Alles bis auf meine ausgeliehenen Handschuhe. Ziemlich seltsam. Gerade nach diesem Video hätten wir mehr erwartet.

Ein Zusammenfassung gab es an diesem Tag nicht, war ja auch nicht so viel passiert und der nächste Tag war auch ein reiner Seetag. 

Um 19:00 Uhr gab es dann Abendessen und im Unterschied zu den Abenden davor wurde das „Dessert“ ein Deck oberhalb im Club „serviert“. Das war eine tolle Überraschung, denn es gab ein riesengroßes Buffet mit Schokolade, Eis, Kuchen, Torten, Obst, Irish Coffee und .. – was es eben so im Schlaraffenland gibt. 🙂

Im Club selbst wurde dann durch einige jüdische Mitreisende das Hanukkah-Fest vorgestellt und in einer kleinen Zeremonie das erste Licht der Menorah angezündet. Bevor es dann zu den christlichen Weihnachtsliedern kam, haben wir uns aber verdrückt. 😉

Stattdessen gingen wir kurz in unsere Kabine um unsere Jacken zu holen und wollten dann noch mal auf das freie Deck. Auf dem Weg zum Deck lag doch tatsächlich eine Zigarette auf dem Teppichboden. Ich habe ihr aber widerstanden und sie nur aufgehoben und weggeschmissen. 🙂

Hamilton Wright Mabie: Blessed is the season which engages the whole world in a conspiracy of love.

Position am 25.12. (gegen 08:00 Uhr): 53“ 28,9’ S, 42“ 38,5’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1101 Meilen
Geschwindigkeit: 11,5 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 20,25 Nord
Außentemperatur: 2 Grad C

In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag (25.12.2016) war eine Zeitumstellung um Plus eine Stunde (von deutscher Zeit -4h auf deutsche Zeit -3h) und zum ersten mal seit Beginn der Expeditionsfahrt konnten wir etwas länger liegen bleiben, da der Weckruf erst um 9:30 durch das Schiff hallte. Mit eigentlich immer noch vollen Bäuchen sind wir zum Weihnachtsbruch gegangen. Weihnachten ist also nicht nur in Deutschland das Fest der Völlerei. 🙂 Ab 11 Uhr haben wir uns dann in die Lounge gesetzt und noch ein wenig Fotos bearbeitet und Texte geschrieben. Außerdem auch ein paar Postkarten, die wir in Südgeorgien abgeben wollten. Es gibt in Südgeorgien drei von der britischen Regierung eingesetzte Beamte und einer von denen betreibt nebenbei die Post. Obwohl die Insel nicht dauerhaft bewohnt ist, muss die Post schon funktionieren.

Eigentlich wollten wir am Nachmittag auch zu einer Präsentation zur Geologie der Falklandinseln und von Südgeorgien, aber die wurde verschoben – warum haben wir nicht verstanden. 😉

..Aber obwohl den meisten auf dem Schiff schlecht war gab es Nachmittags wieder Häppchen im Club. Mit Lachs und Salami auf Vollkornbrötchen. Importiert aus Deutschland, d.h. die Salami hatte Geschmack! Ein Paradies auf dem Weg ins Paradies! 🙂

Nach den Häppchen ging es zum Abendessen. An diesem Abend setzten wir uns zu Stan und Tess vom Team an den Tisch. Es gab dann noch eine Art Geschenk – ein Brauch aus der USA und wohl zum Teil auch aus UK – welches wir uns erstmal erklären lassen mussten. In einem Pappröllchen ist eine Überraschung und ein Art Weisheit wie in einem Glückskeks. Eigentlich soll man das Pappröllchen auch fest auseinander ziehen und dabei zündet auch eine kleine Zündschnur – haben wir aber bei den zwei Versuchen nicht hinbekommen. 🙂

In meinem Röllchem war eine kleine Schuhbürste (kann man bestimmt mal gebrauchen) und für Henny gab es 4 hölzerne Golfabschlagshalter – dafür erntete er erstmal meinen Spott. 🙂

An diesem Abend haben wir noch eines von Stan gelernt: an Weihnachten hat alles Null Kalorien. 🙂

Nach dem Abendessen gingen wir noch mal auf die Brücke. Wir wissen jetzt auch warum man auf der Ocean Diamond auf die Brücke gehen darf, denn unser russischer Kapitän Oleg Klaptenko hat es uns erklärt: Hier ist es zu kalt für Terrorismus. 🙂 In diesem Sinne friedliche Weihnachten für alle..