Tag 44 – 46 Bariloche, Sieben Seen und Dinge, die nicht sein müssen

Um 10 Uhr am Mittwoch, dem 23. November, standen wir dann vor der Mietwagenfirma und konnten auf Deutsch, Englisch und Spanisch den Papierkram erledigen. Anschließend ging es noch zum zweiten Hostel. Dort gab es leider nirgends einen freien Parkplatz, also hielt Henny auf der zweispurigen Straße in der zweiten Reihe und ich erledigte unseren Check-In. Glücklicherweise war ein Angestellter des Hostels auch so nett, mit zum Auto runter zu kommen und beim Tragen der Rucksäcke zu helfen. Während dessen durfte Henny sich durch das geöffnete Fenster wohl so allerlei argentinische Schimpfwörter anhören, verstanden hat er wohl nur „stupido“.

Mit den Tagesrucksäcken ausgerüstet ging es dann auf die Fahrt, zu erst in Richtung Villa La Angostura, wo die 7 Seen Straße bzw. die Ruta 40, beginnt. Dort haben wir noch fix etwas gegessen und dann bin ich weiter gefahren. Die Strecke ist, wie es so schön heißt, landschaftlich sehr reizvoll (trifft es nicht im Geringsten, schaut einfach in die Fotos, die mehr sagen, als die Worte hier). Bei jedem der Seen gibt es einen Aussichtspunkt, und Teil der Strecke ist auch ein Wasserfall. Irgendwann holten wir die GoPro von mir raus und Henny fing an, mit gestreckten Arm aus dem Seitenfenster heraus, die Strecke ein wenig zu filmen und auch den einen oder anderen Kommentar über meinen Fahrstil zu hinterlassen 😉

 

Panorama vom Lago Correntoso
Panorama vom Lago Correntoso

Am See 5 und See 6 der Tour sind wir etwas länger geblieben, da man dort direkt an das Ufer konnte und wir uns so ein wenig mit dem kalten Wasser abkühlen konnten. Am Ende der offiziellen Strecke, in San Martín de los Andes, haben wir nur kurz etwas zu trinken gekauft und uns dann auf den Rückweg gemacht. Die ersten 20 km wieder die gleiche Straße entlang, auf der wir gekommen sind, doch dann sind wir auf die Ruta 63 entlang des Sees Meliquina abgebogen. Diese Strecke wurde uns auch im ersten Hostel empfohlen. Die Ruta 63 sind über 60km Schotterpiste, durch eine Art Steppenlandschaft und vorbei an skurrilen Felsformationen. Das war Grund genug für Henny, noch ein wenig mit der GoPro zu filmen während ich fahre. Da Henny die GoPro nicht finden konnte, hielt ich an und wir durchsuchten quasi das komplette Auto. Doch die GoPro war nicht zu finden. Da vermuteten wir noch, dass sie ihm beim Aussteigen an einem der Aussichtspunkte irgendwie mit aus dem Auto gefallen ist. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich echt froh bin, ihm keinen einzigen dummen Spruch gedrückt zu haben deswegen.. Die leicht gedrückte Stimmung konnte aber die super Aussichten entlang der „Straße“ nur kurz in den Hintergrund stellen. Vom Pass „Paso Córdoba“ gab es dann einer fantastische Aussicht über die Landschaft, durch die wir vorher fast eine Stunde gelang gefahren sind.

Da der Weg über die Ruta 63 länger gedauert hat als wir angenommen hatten und es kurz vor Sonnenuntergang war, entschieden wir uns, die zweite Schotterpiste – Ruta 65 entlang des Lago Traful – nicht mehr zu fahren.  Also ging es zurück Richtung Bariloche, aber nicht, ohne noch kurz an einer Hängebrücke über den Rio Limay anzuhalten und Henny drüber gehen zu lassen. Das ging sogar richtig gut, vielleicht hat er am Ende der Reise keine Höhenangst mehr. 😉

Kurz vor Bariloche fragte Henny mich dann wieviel Geld ich noch habe, da das zweite Hostel noch bezahlt werden musste. Erst sagt ich „Genug.“, dann schaute ich ins Portemonnaie und sagte „Gar nichts.“. Sowohl die argentinischen Peso als auch die 50 US-Dollar Reserve, die da noch drinnen waren, waren weg. Da haben wir realisiert, dass die GoPro nicht aus Versehen weg gekommen ist, sondern aus dem Auto gestohlen wurde. Scheiße. In Bariloche angekommen, an einer Tankstelle, haben wir dann auch in den Kofferraum geschaut, wo über die ganze Zeit hinweg unsere Rucksäcke lagen. Die Fototasche von mir war leicht geöffnet und es fehlten beide Objektive. Auch meine Jacke war nicht mehr da. Richtig Scheiße! Total fertig und aufgelöst sind wir Richtung Autovermietung um zu schauen, ob wir die Karre noch am gleichen Abend abgeben können. Dort war leider schon Feierabend. Wieder im Hostel schauten wir noch mal beide Rucksäcke durch, ob noch etwas fehlt. Aus Henny seinem Rucksack wurden noch Kopfhörer und aus einem Brustbeutel, auch im Rucksack gut verstaut, chilenische Peso geklaut. Im Auto lagen auch die ganze Zeit im Handschuhfach sein iPhone und sein Portemonnaie sowie in einer kleinen Tasche von mir auch mein iPhone. In Henny’s Rucksack befand sich außerdem sein MacBook Air, welches die wegräumen mussten, um an seinen Brustbeutel zu kommen. Das hat die Diebe nicht interessiert, die iPhones bekommt man ja eh nicht ohne Apples Hilfe zurückgesetzt. Zum Glück auch nicht interessiert hat die – mit Verlaub – Arschlöcher Henny seine Jacke. In der Größe kann die hier keiner gebrauchen und wir würden keine neue finden.. Zum Glück auch noch da sind unsere Pässe und Kreditkarten sowie meine Festplatte mit den bisher rund 7000 Fotos der Weltreise. Schade nur dass die die Speicherkarte der GoPro nicht auch zurückgelassen haben.

Aber hier die Verluste noch mal zusammengefasst:

  1. Outdoorjacke von Mammut, 300 Euro
  2. Objektiv Tamron AF 17-50mm 2,8 XR Di II, 310 Euro
  3. Objektiv Tamron AF 70-300mm 4-5.6 Di SP VC USD, 330 Euro
  4. 2 Hoya HD UV Filter, 60 Euro
  5. GoPro HERO4 Silver, 350 Euro
  6. 64GB Speicherkarte, 15 Euro
  7. Bose QuietComfort 20 Kopfhörer, 250 Euro
  8. 50 US-Dollar in Bar, 47 Euro
  9. für ca. 50 Euro chilenische Peso
  10. für ca. 50 Euro argentinische Peso

In Summe wurden wir also um mehr als 1700 Euro „erleichtert“.

Wir gehen davon aus, dass wir an einem der beiden Seen, an denen wir länger waren, beklaut wurden sind. Und das müssen Profis gewesen sein. Die haben nur Dinge mitgenommen, die man hier zu Geld machen kann und die schwer zurückverfolgbar sind. Außerdem waren 0,0 Einbruchsspuren am Auto, welches wir immer verschlossen hatten. Die Rucksäcke haben die Diebe auch wieder zu gemacht, genauso wie meine kleine Tasche.

Die Stimmung war am Boden und uns war schlecht. Nicht nur, dass die ganzen Sachen gefehlt haben sondern es wurde auch in unsere Privatsphäre eingedrungen. Wir waren echt schon viel unterwegs und sicherlich auch öfters mal leichtsinnig in der Dunkelheit durch Straßen unterwegs, die man besser meiden sollte und dann passiert das an einem so wunderschönen Tag. ZUM KOTZEN.

Wir sind beide nicht in der Lage, unseren Gemütszustand an diesem Abend in Worte zu fassen. Kann sich sicherlich jeder vorstellen. Die Nacht war dann natürlich auch wieder nicht gut, uns ging einfach zu viel durch den Kopf. 

Am nächsten Morgen wurden wir von lauten Bauarbeiten im Nachbarzimmer geweckt. Im Haus war gerade das Wasser ausgefallen und irgendetwas musste repariert werden. 

Wir wussten immer noch nicht so richtig, was wir machen sollten. Eigentlich wollten wir an diesem Tag Bariloche in Richtung Villa Traful oder San Martin de los Andes verlassen. Also schauten wir noch fix nach Hostels und mussten feststellen, dass das hohe Preisniveau in Bariloche (in Vergleich zu Chile 20-30% teurer) dort noch mal übertroffen wird. Außerdem hielten wir 1-2 Tage Ruhe auch erst mal für einen guten Plan. Also buchten wir ein drittes Hostel in Bariloche. Nach dem Frühstück im Hostel und der Rückgabe des Autos (auch dort wurden keine Beschädigungen festgestellt…) ging es zu Fuß in das schönste der drei Hostels dort. Wir hatten ein großes Zimmer mit eigenem Bad und das Dach des Hauses ist als großer Aufenthaltsraum ausgebaut, inkl. einer schönen Sicht auf dem See. Außerdem ist die Küche super ausgestattet und auch das Frühstück war großartig, mit Müsli, Brötchen die wir aufbacken konnten, trinkbaren Kaffee und Pfannkuchen. Nach dem Check-In – wir wollten erstmal von Donnerstag Mittag (24.) bis Samstag (26.) bleiben – konnten wir endlich duschen. Danach haben wir für mich eine neue Jacke gekauft, da es in 8 Tagen auf die Fähre Richtung Süd-Patagonien geht und das Wetter dort deutlich kühler sein wird. Außerdem ging es noch zum Supermarkt um Essen für die nächsten zwei Tage einzukaufen. Aus Mangel an Ideen (unsere Köpf waren auch anderweitig beschäftigt) gab es wieder Spaghetti Bolognese. Am Nachmittag telefonierten wir erst einmal mit unserer Familie um vom Tag zuvor zu erzählen und uns Trost zu holen.

Aussicht vom Aufenthaltsraum im Hostel Las Moiras.
Aussicht vom Aufenthaltsraum im Hostel Las Moiras.

Den restlichen Donnerstag und auch eigentlich den ganzen Freitag blockierten wir dann eine Couch im Dachgeschoss (es verirrten sich nur wenige dahin, da im Erdgeschoss auch ein Aufenthaltsraum war) und lenkten uns ab mit der Bearbeitung von Fotos, der Pflege unsere Blogs (mit sehr sehr schlechtem Internet, Latency kills..) und der weiteren Reiseplanung.

Nach einer gründlichen Recherche verfestigte sich unser Bild, das Argentinien, gerade in der Region wo wir aktuell sind, sehr teuer ist. Die Nächte in den Hostels hätten uns mindestens 50 Euro gekostet, in Chile geht das für die Hälfte und weniger. Deswegen, und auch weil wir erst mal ein paar Tage Ruhe haben wollen, haben wir für den Samstag ein Busticket zurück nach Puerto Montt in Chile sowie dort auch das Hostel, in dem wir schon waren, gebucht. Der Schock sitzt schon noch, aber unsere Laune wird deutlich besser und wir können Witze über das Erlebte machen. Sicher wird das auch teilweise unser Verhalten in der nächsten Zeit beeinflussen.

Ach, am späten Freitagnachmittag hat Henny sich dann noch schnell ein paar neue Kopfhörer gekauft, 7-8 Stunden Busfahrt ohne Musik ist nicht drin. Es gab nur ein Paar zur Auswahl und wenn wir uns die Kabel anschauen, wird er wohl bald noch ein Paar brauchen. Sollten wir vorher noch mal ausgeraubt werden, darf er diese aber bestimmt behalten. 😉

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