Tag 53 – 56 Mit der Navimag-Fähre durch die patagonischen Fjorde – eine Reise über 2000km in Richtung Süden, von Puerto Montt nach Puerto Natales

Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns in Ruhe von den Damen des Hauses, für welche wir schon fast mit zur Einrichtung gehörten. 😉

Gegen 10 Uhr ging es dann vollbeladen die circa 2 km zum Check-In der Fähre. Dieser war von 9 – 13 Uhr an einem Hotel direkt am Wasser vorgesehen. Obwohl der Weg dorthin die meiste Zeit am Wasser verlief, konnten wir die Fähre nicht sehen. Beim Check-In teilte man uns dann mit, dass es mit dem Bus zum größeren Hafen außerhalb der Stadt geht. Klang auch logisch. Wir sollten den ersten Bus (insgesamt fuhren zwei) nehmen und uns 12:45 Uhr wieder dort einfinden. Für den Bus haben wir auch jeder einen großen gelben Aufkleber auf die Brust gedrückt bekommen, auf dem dies stand..

Wir hatten also noch rund 2 Stunden Zeit, die wir genutzt haben, um einen „Kaffee“ zu trinken und um neue Schuhe für mich zu suchen, da bei meinen Halbschuhen die Sohle im inneren gebrochen ist. Fündig geworden sind wir leider nicht, aber ich habe ja noch meine Wanderschuhe.

Pünktlich dreiviertel eins waren wir dann wieder beim Check-In, zusammen mit circa 40 anderen Personen, aber es war noch kein Bus zu sehen. Der Mitarbeiter von Navimag wurde auch immer nervöser, für uns vollkommen unverständlich. Als wäre es hier üblich, pünktlich zu kommen.. maximal wegen der Touristen. 🙂

Die Navimag-Fähre im Hafen von Puerto Natales.
Die Navimag-Fähre im Hafen von Puerto Natales.

Mit etwa einer Stunde Verspätung kam dann der Bus und 15 Minuten später waren wir auch an der Fähre, welche gerade noch beladen wurde. 

Nachdem wir unsere Kabine (mit 2 Doppelstockbetten und Fenster) bezogen hatten, sind wir einmal durch das Schiff gelaufen. Im oberen Deck gab es eine Bar (ohne Alkohol, da seit ein paar Jahren komplett verboten) und eine Art Sonnendeck. 

Im Deck darunter war der Speisesaal und die Brücke (auf die wir leider nicht durften – ich war mal so frei und habe gefragt). Darunter wiederum befand sich das Deck mit den Kabinen. Der Rest vom Schiff war Laderaum und nicht zugänglich. Das Schiff ist ursprünglich auf der Nordsee unterwegs gewesen und wurde glaube 1998 von den Niederlanden nach Chile gebracht.

Nach einer kurzen Sicherheitsunterweisung ging es dann 17 Uhr endlich los. Vor uns lagen 3 Nächte und 4 Tage auf See, davon 16 Stunden direkt auf dem Pazifik und die restliche Zeit durch die Fjorde Patagoniens. Grund genug Henny noch mal zu sagen, was er rufen muss, wenn er einen Rettungsring haben will, sollte er über Bord gehen. 🙂

Insgesamt waren wir vielleicht 100 Passagiere an Bord. Vor dem Abendessen am Freitag gab es in der Bar noch eine Präsentation der Route, erst auf Spanisch und dann auf Englisch.

Von Puerto Montt geht es durch den Golf von Ancud und dann östlich an Chiloe vorbei bis zum Golf von Corcovado (Freitag Nacht). Über den Canal Moraleda und Canal Ninualaq erreicht man den Pazifik (früher Samstag Nachmittag bis zum Sonntag Vormittag). Nach dem Golf von Penas (auf welchem es auch noch schön schunkelt) geht es dann wieder in die Fjorde, durch den Canal Messier, vorbei an Cotopaxi (einem Wrack) und durch den Canal Wide bis nach Puerto Edén (ebenfalls Sonntag Nachmittag). Die restliche Strecke bis Puerto Natales geht es durch den Canal Unión, Paso Sóbenes (Montag 8 Uhr) – die südlichlichste Stelle dieser Route – durch den Santa María Canal und auch durch Angostura White (Montag 11 Uhr) – mit 80 Meter Breite die schmalste Stelle.

 

 Zum Glück wurde der englische Vortrag während des Sonnenuntergangs über den Golf von Ancud unterbrochen. Einfach traumhaft, denn wir hatten auch Glück mit den Wolken. 🙂

 

Sonnenuntergang von der Fähre aus.
Sonnenuntergang von der Fähre aus.

Die erste Nacht an Bord war auch noch relativ ruhig, also kaum Seegang.

Der Samstag Vormittag blieb auch ruhig, allerdings regnete es immer mal wieder (in den Fjorden fällt durchschnittlich 9000 – 11000 mm Regen pro Jahr, zum Vergleich: Frankfurt 600mm, Hamburg 773mm, London: 830mm). Im noch ruhigem Fahrwasser haben wir uns den Vortag zur patagonischen Tierwelt angehört. 

Am Nachmittag erreichten wir dann die offene See und mit 4-5 Meter hohen Wellen wankte das Schiff schon ordentlich. An gerade Laufen war nicht mehr zu denken und festhalten war ein guter Plan 🙂 

Wir haben das Geschaukel aber gut überstanden und kein Fischfutter geliefert. In der Nacht konnte ich sehr gut schlafen, durch den Seegang wurde ich richtig müde und fühlte mich wohl behütet in den Schlaf geschaukelt.

Am Sonntag (04.12.16) ging es dann ab Morgens wieder durch die Fjorde und auch das Wetter war stabil. Vormittags gab es noch einen Vortrag zur patagonischen Fauna und am Nachmittag zum Nationalpark Torres del Paine. Am Nachmittag sind wir dann auch noch an einem alten Wrack vorbei (Baja Cotopaxi), welches seit 40 Jahren an der gleichen Stelle auf einem Felsen fest hängt. Außerdem hielt die Fähre noch in Puerto Edén, einer kleinen Siedlung, welche nur mit dem Schiff erreichbar ist. Das Dorf ist auch weit und breit das einzige besiedelte Stück Land in den Fjorden und die Fischer verkaufen ihr Fanggut direkt an die Schiffe die halten.

Am Montag ging es dann noch durch eine nur 80 Meter breite Stelle (die nur am höchsten oder tiefsten Punkt der Gezeiten durchquert werden darf und auch nur bei Tageslicht) und 13:30 Uhr erreichten wir Puerto Natales. Das Anlegemanöver dauerte rund 60 Minuten und so war unsere erste längere Schiffsfahrt um 14:30 Uhr nach 2000km zu Ende.

Den Großteil der Zeit an Board haben wir in der Bar/Lounge oder an Deck verbracht, um die wundervolle Landschaft der Fjorde zu genießen, immer wieder Wasserfälle an den Hängen zu sehen und ab und zu Seelöwen oder Delphine im Wasser zu beobachten. Die 4 Tage waren einfach großartig.

Und nun noch ein paar traurige Fakten: nach Norwegen ist Chile der zweitgrößte Lachsexporteur und versorgt hauptsächlich Japan, China und Australien mit Lachs. Da alle immer mehr wollen, gibt es entlang der Fjorde sehr viele Zuchtstationen. Wie es so üblich ist, werden die Lachse mit allem möglichen gemästet um möglichst schnell gewinnbringend verkauft zu werden. So bekommen sie auch viel Antibiotika, welches so in großen Mengen in den Kreislauf des Wassers gelangt. Man konnte auch beobachten, dass der Krill deutlich an Gewicht zugelegt hat, das Hauptnahrungsmittel der Wale. Seitdem gibt es zwar wieder mehr Wale zu beobachten, allerdings sind diese durch das viele Antibiotika geschädigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*