Tag 57 – 59 Punta Arenas und die Pinguinkolonie auf der Isla Magdalena

Am Mittwoch, dem 7. Dezember, ging es dann von Puerto Natales nach Punta Arenas. Die Fahrt dauerte etwa 3 Stunden und ging die meiste Zeit durch die Pampa Patagoniens. Diese Landschaft ist eine Welt für sich. Man hat eine kilometerweite Fernsicht, keine Zivilisation, alles ist mit Gras bewachsen an denen man Strauße, Lamas und Alpakas und hin und wieder Schafe sehen kann. Die wenigen Bäume die es dort gibt sind echt arm dran, denn der Wind peitscht quasi immer an ihnen und lässt sie schräg wachsen.

Kurz vor Ende der Strecke verläuft die Straße auch parallel zur Magellanstraße – das Ende von Festland-Südamerika ist erreicht. 🙂

In Punta Arenas selbst ging es erst einmal in unser Hostel „Residencial Bulnes“. Der Weg dahin war ein wenig verwirrend. Das Hostel hatte die Hausnummer 0440 und wie eigentlich überall in Südamerika sind die Straßen auch hier in Blöcke aufgeteilt. Am Anfang der Straße waren die Blöcke mit den Hausnummern von 300 bis 399 und von 200 bis 299, die Nummern waren also absteigend. Etwas eigenartig. Nach dem Block 1 bis 99 ging es dann glücklicherweise mit 01 bis 099 weiter und irgendwann – nach insgesamt über 3 km – kam der Block mit 0400 bis 0499; unser Hostel war erreicht. Wir klingelten ein paar Mal bis uns irgendwann eine Aushilfe die Tür geöffnet hat. Nach einer kurzen Absprache mit der Chefin zeigte Sie uns dann unser Zimmer. Unsere Fragen – ob wir die Küche mitbenutzen dürfen und mit welchem Collectivo man vom Zentrum zurück zum Hostel kommt – musste sie dann auch erst von der Chefin beantworten lassen. Am nächsten Tag haben wir die junge Frau auch nicht mehr gesehen..

Von Punta Arenas aus wollten wir zu der Pinguinkolonie auf der Isla Magdalena inmitten der Magellanstraße. Um herauszufinden wie man am besten dorthin kommt, suchten wir nach der Touristeninformation. Die war natürlich nur zwei Straßen vom Busterminal entfernt.. Hätten wir auch gleich hingehen können, hätten wir uns mal vorher informiert. 🙂

Aber Bewegung schadet ja nicht und so sind wir gleich wieder los zur Info. Dort erklärte man uns zwei Möglichkeiten: Entweder morgens 7 Uhr mit einem Katamaran für 62.000 Peso oder 16 Uhr mit einem normalen Schiff für 40.000 Peso (~55€). Wir entschieden uns für die zweite Option und gingen noch zum Büro des Veranstalters, um gleich die Tickets zu kaufen. Ich weiß zwar immer noch nicht, warum es 15 Minuten dauert, 2 Papierzettel und ein paar Dinge im PC einzutippen aber letztendlich hatten wir die Tickets für das Schiff in der Hand. Außerdem hatte sich die Abfahrtszeit von 16 Uhr auf 15 Uhr geändert.

Wir gingen noch kurz Lebensmittel kaufen und wieder im Hostel fingen wir auch direkt an zu kochen. Beim Kochen ist uns schon aufgefallen, dass verhältnismäßig viele sehr alte Menschen in dem „Hostel“ waren. Jedenfalls kam mal eine alte Frau in die Küche, murmelte etwas, schnitt eine Zwiebel klein und ging wieder – ohne die Zwiebel – und kam auch in der kommenden Stunde nicht wieder.

Das Resultat des Elektroheizers.
Das Resultat des Elektroheizers.

In unseren Zimmer stand ein kleiner Elektroheizer, sinnvollerweise mit europäischem Schuko-Stecker – der hier nirgends passt (nur die dünneren Eurostecker ohne Erdung passen in die Steckdosen). Wir haben aber einen Adapter mit und konnten so die Heizung an eine im Zimmer liegende Verteilerdose (als einziges Gerät) anschließen. Es wurde auch wärmer im Zimmer.. bis nach 20 Minuten eine Flamme aus dem Verteiler kam. Zum Glück waren wir im Zimmer und konnten die Verteilerleiste mit Kippschalter ausmachen. Unser Adapter hat nur ein paar Schmauchspuren, da die Flamme aus einem leeren Steckplatz am Ende der Leiste kam. Den Gestank durch das verschmorte Plastik und den angeschmorten Laminatboden haben wir bis zur Abreise nicht mehr aus dem Zimmer bekommen.

Am nächsten Morgen (Donnerstag) gab es auch beim Frühstück etwas Verwirrung. Gebucht hatten wir ohne Frühstück und hatten deswegen extra auch etwas eingekauft, aber man fragte uns mindestens 3 mal, ob wir Frühstück wollen. Haben wir immer verneint. Beim letzten Mal als die Frau mich fragte, schrie sie mich quasi an während ich schon am frühstücken war. Sie dachte wohl ich bin schwerhörig.. Aus dem Kühlschrank hat sich auch jemand unsere Milch genommen. Als wir einer älteren Dame das gesagt hatten, gab sie uns eine neue Packung – 1 Liter 0% Fett Milch.. weißes Wasser. Zusammen mit dem geschmacksneutralen Quinoa-Müsli ein nicht soooo ergiebiges Frühstück, aber wir hatten was im Magen..

Im Anschluss haben wir noch ein wenig Fotos und Blogbeiträge bearbeitet und beim 4. Anlauf war auch irgendwann ein Bad frei. Gegen 11:30 Uhr sind wir dann zum nahe gelegenen Friedhof, der sowohl im Reiseführer als auch bei TripAdvisor als Highlight der Stadt beschrieben wird. Naja, für uns am Ende ein Friedhof wie es ihn vermutlich in jeder größeren chilenischen Stadt gibt. Der in Valparaiso war vergleichbar aufgebaut, also mit Gruften und pompösen Gräbern. Im Anschluß gingen wir wieder in unsere Unterkunft, um noch etwas zum Mittag zu essen, bevor es dann auf die Insel zu den Pinguinen ging. Als wir in der Küche standen, kamen auf einmal 5 weitere Personen rein und somit war die ganze Küche blockiert. Die älteren, teilweise sehr verwirrten, Herrschaften kamen auch ohne Plan in die Küche, stellten sich einfach hin und machten nichts. Spätestens da wurde uns klar, dass das Hostel kein normales Hostel ist, sondern ein Altenheim oder eine Art betreutes Wohnen und die Zimmer, die gerade nicht in Verwendung sind, werden halt an Touristen vermietet. Das würde jedenfalls die ganzen skurrilen, teilweise verrückten, Situationen erklären – aber lustig war es schon auch irgendwie. 🙂

Vor der Schifffahrt sind wir noch zur Zona Franca gefahren , eine Art Freihafen/Duty Free Gewerbegebiet, kurz vor dem Hafen. Dort wollte ich nach anderen Schuhen schauen, nachdem in dem einen Paar die Sohle im Inneren gebrochen war. Einer der Läden in der Zone sah aus wie ein Thomas Phillips, nur deutlich größer. In diesen gingen wir als erstes, um ein Dreierset Büchsen (praktisch für unterwegs) sowie ein Küchenmesser mit Klingenschutz (aus Solingen!) für umgerechnet 6€ zu kaufen. Das Messer ist hier wirklich notwendig, denn mit den meisten Messern in den Hostels kann man nichts anfangen, sodass wir immer mit einem Schweizer Taschenmesser Kartoffeln schälen, Gemüse, Knoblauch und Zwiebel würfeln und Fleisch schneiden. Das tut irgendwann auch weh..

In einem anderen Laden fanden wir auch ziemlich schnell vernünftige Halbschuhe für mich. Der Einkauf hat sich also gelohnt.

Kurz vor 15 Uhr waren wir dann am Hafen um die dritte abweichende Uhrzeit für das Schiff zu erfahren: 15:30 Uhr sollte es losgehen. Ging es dann auch.

Mit ca. 150 anderen Menschen fuhren wir über die Magellanstraße zur Isla Magdalena. Das dauerte etwas mehr als 120 Minuten. Wir standen während der gesamten Zeit draußen um Vögel zu photographieren und Richtung Feuerland zu schauen. Für einen ganz kurzen Moment waren auch einmal Delphine und Seehunde zu sehen.

Southern Giant Petrel.
Southern Giant Petrel.

https://vimeo.com/195099294

Direkt beim Verlassen des Schiffs auf die Insel sieht man auch keine 2 Meter entfernt Pinguine. Großartig. Die Tiere stehen am Strand, vor ihren Höhlen – in denen gerade der Nachwuchs ist – oder laufen meist unbeeindruckt von den Menschen über die Insel. Über die Insel führt ein 1 km langer Rundweg, vorbei an einem Leuchtturm, für welchen man über eine Stunde braucht – einfach weil es so viel zu sehen gibt. Traumhaft. Die Pinguine teilen sich die Insel auch noch mit ein paar verschiedenen Vogelarten und leben friedlich zusammen.

Zeit für ein Selfie. :-)
Zeit für ein Selfie. 🙂

 

 

 

Nach 1 1/2 Stunden auf der Insel legte das Schiff auch schon wieder ab und wir waren gehen 21 Uhr zurück im Hafen. Da wir kaum noch etwas zu Essen hatten, gingen wir in die Bar 2 Häuser weiter, wo es die bisher beste Pizza in Südamerika gab. Wieder im Hostel wollten wir noch die Tupperbüchsen auswaschen und den restlichen Nudelsalat umfüllen… gefühlt standen auch 23:30 Uhr noch die gleichen Menschen in der Küche wie zur Mittagszeit. Kurz vor Mitternacht – als wir eigentlich schlafen wollten – hat jemand im Zimmer über uns angefangen auf den Fußboden zu Hämmern und stampfend von a nach b und wieder zurück zu laufen.. Nach einer halben Stunde hörte der Spuk aber auf.

Am nächsten Morgen (Freitag, den 09.12.) klingelte dann um 6:30 Uhr der Wecker, da wir vor der 12 Stunden Busfahrt nach Ushuaia in Ruhe Frühstücken und auch genug Zeit für den Weg zu Busterminal haben wollten. Nur die Küche war noch abgeschlossen, haben wir auch zum ersten Mal so erlebt. Henny ging dann erstmal duschen. Als er wieder kam, sagte er mir, dass zwei Fliesen von der Wand gekommen sind während er duschte. Aber bei ihm war alles in Ordnung..

Und auch 7:15 Uhr war noch nirgends jemand zu sehen der die Küche öffnen könnte. Ich teilte Henny mit, dass an einer anderen Tür (vermutlich zum Büro) ein Schlüssel steckte. Wir haben den dann an der Küchentür probiert und der hat auch gepasst. Für Frühstücken war es zwar nun zu spät, aber so konnten wir wenigstens die am Tag zuvor gekaufte und befüllte Box aus dem Kühlschrank holen.

Als wir auf die Straße gingen nieselte es und da Henny seine Regenjacke nicht griffbereit hatten, nahmen wir ein Taxi zum Terminal. Als wir dort 6-7 Minuten später ankamen, hatte der Regen (es wechselte von Nieselregen zu Regen) aufgehört. Willkommen in Patagonien. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*