Tag 59 – 70 Ushuaia

Während wir am Busterminal warteten, konnten wir beobachten , wie 2 Französinnen zwei große Kartons Breitbildfernsehern aus einem Auto zum Terminal schleppten. Auf den Kartons waren auch Gepäckaufkleber von einer Fluggesellschaft, die Kartons hatten also augenscheinlich auch schon eine längere Reise hinter sich. Als sie die Kartons für die Busfahrt nach Ushuaia aufgeben wollten, hieß es nur dies sei nicht möglich, da in den Bussen (es war ein Standard Linienbus und kein großer) nur Platz für Koffer wäre. Keine Ahnung was der Preis war, aber sowohl die 2 Damen mit ihrem normalen Gepäck als auch die 2 großen Kartons fuhren mit dem Bus mit.
Pünktlich 8:30 Uhr startete der Bus von Punta Arenas (Chile) nach Ushuaia auf Feuerland (die argentinische Seite). Die Fahrt sollte 12 Stunden dauern und kostete 35.000 Peso pro Person. Gegen 11 Uhr war dann auch der Fährplatz über die Magellanstraße erreicht. Dort mussten wir ca. 30 Minuten auf die Fähre warten und konnten in der Zeit zusehen, wie der erste Versuch der Fähre anzulanden fehlgeschlagen ist. War wohl ziemlich viel Wind und ziemlich viel Seegang. Im zweiten Anlauf hat es dann aber geklappt und alle Passagiere und Fahrzeuge von Feuerland verließen die Fähre. Die ersten Reihe Autos schaffte es auch noch auf das Schiff, bevor dieses erstmal wieder weg fuhr um erneut anzulegen. Dann konnten auch die restlichen Fahrzeuge drauf, während die Passagiere zu Fuß auf das Schiff gehen sollten.

Während der Überfahrt (ca. 3/4 Stunde) waren wir dann wieder an Deck. Anfangs leider noch ziemlich weit hinten in einer engen Stelle ohne wirklich freie Sicht auf die See. Von Zeit zu Zeit kamen ganz schön große Wellen und die Gischt ist bis zum Passagierdeck hochgeschlagen. Dabei sind auch immer einige Leute und deren Kameras nass geworden (unsere waren im Bus, genauso wie unsere Jacken). Irgendwann hörten wir im „schönsten“ Schwäbisch: „des isches nich wert!“ und eine Frau verließ Ihren Platz mit guter Aussicht, sodass ich Nachrutschen konnte. Ich hab dann mal über 14 Minuten ein Video laufen lassen um ein 2:30 Minuten Timelaps-Video aufzunehmen. Mir war es das Wert. 🙂 Das Ergebnis sehr ihr hier:

Auf Feuerland angekommen waren etwa die ersten 5 km asphaltierte Straße und der Rest der Strecke bis zur argentinischen Grenze eine Schotterpiste – quer durch die Pampa. Drei Stunden kein Baum, nur Wiese, ein paar Sträucher sowie Schafe und Rinder. Gegen 16 Uhr erreichten wir den Grenzübertritt. Henny bekommt immer noch an jeder Grenze Puls weil ich mal wieder meinen Pass suche. Echt erstaunlich dass er trotz der vielen Reisen nicht ruhiger wird. 🙂 Es war zum Glück wieder so entspannt wie bei der ersten Einreise nach Argentinien. Unsere 1,5 km Äpfel durften wir auch behalten.
Danach ging es auf der Ruta 3, wieder asphaltiert, weiter nach Ushuaia. Bei Tolhuin gab es noch eine kurze Pause zum Tanken und Beine vertreten, dann ging es hinauf auf den Pass und über die Berge. Sofort wurde es kälter im Bus und die Scheiben beschlugen, dafür wurden wir belohnt mit einer wunderschönen Aussicht auf den Lago Escondido.

Bei der Passfahrt hofften wir, dass es vorher mal einen Fahrerwechsel gab. Es ging teilweise direkt neben der Straße richtig steil nach unten.
Gegen 20:00 Uhr sind wir dann in der südlichsten Stadt der Welt angekommen. Während wir noch auf unser Gepäck warteten und uns orientierten, konnten wir die 2 Französinnen sehen, wie sie sich bemühten ein Taxi zu finden, in welches auch die großen Kartons reinpassen. Ich bin mir sicher die haben die letzten paar Meter auch noch geschafft und kann nur sagen: Respekt. Von Frankreich bis nach Feuerland ist ja schon ein weiterer Weg. Das muss man schon wollen..
Für Ushuaia haben wir die 4 Übernachtungen bei AirBNB gebucht, da auch die Hostels hier mit 70-80€ die Nacht sehr teuer sind. Nach etwa 20 Minuten zu Fuß sind wir am Haus von Carmen angekommen. Wir hatten auch Glück dass Sie gerade am Fenster stand, denn das Haus hatte keine Hausnummer und wir waren unsicher, ob wir richtig sind. Sie machte die Tür auf, begrüßte uns, und ließ uns herein. Nachdem Sie uns alles gezeigt hatte gingen wir noch mal schnell in die Stadt um etwa zum Abendessen zu kaufen. Leider war der erste Supermarkt schon zu, aber in einem kleinen Tante-Emma Laden sind wir dann doch noch fündig geworden.
Am späten Abend hatten wir den Eindruck, dass aus dem Nachbarzimmer Clueso sowie deutsche Stimmen zu hören sind. Irgendwie seltsam, am Ende der Welt. 🙂

Der Samstag, 10.12.2016, startete mit einem grandiosen Frühstück. Frisch zubereiteter Obstsalat, Hörnchen, Toast, Marmelade, Dulce de Leche, Butter, Wurst und Käse, Müsli, Gebäck. Außerdem frischen Saft, Kaffee, Tee, Trinkyoghurt. Alles war da und ich wusste gar nicht was ich nehmen soll bei der Auswahl. Außerdem auch zwei andere Deutsche auf Reisen, wir hatten uns also nicht geirrt.
Gut gestärkt sind wir dann in die Innenstadt gegangen. Wir wollten nach Möglichkeiten suchen, wie wir zur Antarktis kommen können. Ziemlich schnell haben wir auch ein Reisebüro gefunden, an dessen Schaufenster etwas mit Antarktis stand. Dort gab man uns zu verstehen, dass es keine Reisen mehr ab Ushuaia gibt, sondern nur noch freie Plätze auf dem Schiff ab Punta Arenas. Das fanden wir echt merkwürdig, denn im Hafen standen eindeutig „Kreuzfahrtschiffe“ und die Saison hat gerade erst angefangen. Auf dem Weg zur Touristeninformation sind wir noch an einem zweiten Reisebüro vorbeigekommen. Auch da gab es einen Aushang mit Last-Minutes Deals – ab Ushuaia. Die Damen vom ersten Büro hatten uns also belogen, trotz mehrmaligem Nachfragen. Leider war dieses Büro gerade geschlossen und so haben wir nur ein Foto von den Angeboten gemacht. 17 Uhr sollte diese Agentur wieder Öffnen. In der Touristeninformation selbst gab man uns als erstes einen kostenlosen Stadtplan und versorgte uns dann mit Infos zum Nationalpark und dem Zug „Tren Fin Del Mundo“, über welchen ich schon vorher gelesen hatte und sehr gern mit fahren würde. Außerdem gab Sie uns noch eine Empfehlung für zwei weitere Reisebüros wegen der Antarktis. Dorthin sind wir dann auch, nachdem wir für die nächsten 4 Tage Essen in einem richtigen Supermarkt eingekauft hatten, gegangen. Das erste Büro war auch eine Enttäuschung. Man wollte uns einen Flug ab Punta Arenas zur Antarktis und dann 6 Tage auf See verkaufen. Für ein anderes Schiff konnte die Verfügbarkeit nicht geprüft werden und wir hätten erst mal Zahlungsinformationen hinterlegen sollen. Außerdem wurden wir die ganze Zeit fragend angeschaut, also fragend in dem Sinne, ob wir uns die Reise überhaupt leisten können. Als ob wir sonst dahin gehen würden. Bisher haben wir noch jede Rechnung bezahlt.
Dafür war dann die zweite Empfehlung ein Volltreffer. Bei Freestyle hat man uns von der ersten Sekunde an – trotz unseres Erscheinungsbildes nach 2 Monaten Reisen – Ernst genommen. Wir haben eine längere Präsentation zu den verschiedenen Optionen bekommen: 10 Tage ab Ushuaia, 6 Tage mit Flug ab Punta Arenas oder 19 Tage ab Ushuaia.
Die Zehntages-Tour war dieselbe Tour wie in dem Reisebüro, welches erst ab 17 Uhr wieder geöffnet hatte. Für mich stand eigentlich schon fest dass ich die 19 Tage nehmen würde, aber ich fragte erstmal Henny nach seiner Meinung. Er wollte sich auch noch das Angebot der anderen Agentur anhören und das schien mir vernünftig. Also entschieden wir uns, dort um 17:00 Uhr noch einmal hinzugehen, um einen Vergleich zu haben. Die Zeit bis dahin haben wir dann genutzt, um noch mehr Infos über die Touren zu sammeln und auch schon mal mit dem Reisebüro, welches sich so gut um uns gekümmert hat, ein paar Mails auszutauschen und weitere Fragen zu stellen.
Als wir kurz nach 17 Uhr wieder in der Stadt waren, mussten wir ca. 20 Minuten auf einen freien Mitarbeiter im Reisebüro warten. Wir hörten uns die Angebote an und hatten dabei aber unabhängig voneinander den gleichen Gedanken: eigentlich ist es egal, was die uns jetzt sagen, wir wollen die lange 19-Tages-Tour machen. Das haben wir aber erst beim Verlassen festgestellt. 🙂
Also ging es dann nochmal zu Freestyle-Ushuaia um die Tour zu buchen. Die hatten allerdings geschlossen. Aber das war auch kein Problem. In unserer Unterkunft haben wir eine Vorabreservierung mit denen per Mail besprochen und für den Sonntag um 10 Uhr einen Termin ausgemacht. Da wollten wir zwar eigentlich mit dem Zug in den Nationalpark zum wandern fahren, aber hey, für die Antarktis verschiebe ich so einiges. 🙂
Am Abend wollten wir dann noch Steaks in der Küche von Carmen braten, zusammen mit Mischgemüse und Kartoffelbrei. Verständlicherweise fand sie dass nicht so gut, weil die Küche zum Wohnzimmer hin offen war und selbst kein Fenster hatte. Sie gab uns dann aber einen großen Topf mit Deckel, in welchem wir das Steak braten konnten. Ging auch und war auch lecker.

Panorama von Ushuaia.

Um kurz nach 10 Uhr waren wir dann am Sonntag auch im Büro von Gabriel, um die Tour zur Antarktis final zu buchen und zu bezahlen. Wir haben auch jeder ein Halstuch und insgesamt eine Broschüre zur Tierwelt, die uns während der Reise erwartet, bekommen. Um Streit zu vermeiden fragte ich gleich mal ob wir noch eine zweite Broschüre bekommen könnten. Die bekamen wir auch sofort und somit sind wir beide glücklich. 🙂 Einen Tag vor Abreise bekommen wir von ihm auch noch eine wasserfeste Hose sowie Handschuhe. Über den Preis dürfen wir leider nicht reden, weil wir ein NDA unterschrieben haben und als Strafe – wenn wir es doch machen und das rauskommt – müssten wir den vollen Katalogpreis hinlegen. Dann müsste ich wohl gleich wieder arbeiten gehen und „des isches nich wert“. 🙂
Mit einem unbeschreiblichen Gefühl der Vorfreude ging es dann zurück zu Carmen ihrem Haus. Die Reise sollte in 9 Tagen starten. Also schauten wir nach Möglichkeiten, wie wir bis dahin die Zeit auf Feuerland am besten nutzen könnten. Eine zwischenzeitliche Rückfahrt auf das Festland haben wir ausgeschlossen, denn das würde noch einmal 12 Stunden Hin- und 12 Stunden Rückfahrtszeit bedeuten. Ein paar Tage in Puerto Williams, ein chilenisches Dorf auf Kap Horn, kommt leider nicht in Frage, denn eine einzelne Überfahrt – dauert nur 30 Minuten – kostet pro Person 120 US-Dollar.
Auf Feuerland gibt es noch zwei weitere Städte. Diese sind aber erstens schwer mit einem Bus erreichbar und die Zimmerpreise dort fangen im dreistelligen Bereich an. Das kommt also auch nicht in Frage. Auch die Preise für Mietwagen sind in Ushuaia unverschämt. Die Kategorie Kleinwagen gibt es ab 80 € pro Tag, eine Limousine (in welcher man auch schlafen könnte) ab 120 € pro Tag. Von Allrad-Autos brauch ich dann nichts mehr schreiben..
Also entschieden wir uns in Ushuaia zu bleiben. Da das Zimmer bei Carmen für die nächsten Tage ausgebucht war suchten wir eine andere Unterkunft über AirBNB und fanden eine kleine Wohnung etwas außerhalb in der Nähe des Waldes. Mit der Besitzerin Karina vereinbarten wir, dass Sie uns zwei Tage später um 14 Uhr bei Carmen abholt.
Nachdem das geklärt war nutzen wir den Nachmittag für die Buchungen für die Zeit bis zu den Osterinseln (Ende Januar). Die geplante Route durch Torres del Paine mussten wir jetzt auch mal wieder ändern. Dazu gehören vor allem die gebuchten Campingplätze und die Reservierung bei Erratic Rock in Puerto Natales. Von einigen Campingplätzen haben wir bisher (auch eine Woche später) noch keine Antwort erhalten, aber das wird auch irgendwie werden. Weiterhin sind noch ein paar Tage eingeplant für El Calafate, um zum Perito Moreno Gletscher zu gehen. Für Buenos Aires und den Park mit dem versteinerten Wald (Parque Nacional Bosques Petrificados de Jaramillo) bleibt uns wohl keine Zeit mehr, aber ist auch kein Tag verschenkt und man kann einfach nicht alles haben. Die restlichen Überlandbusse sowie ein Flug von Punta Arenas nach Santiago sind ebenfalls gebucht.
Die ganze Planung sowie Wäsche waschen und kochen hat eigentlich auch den Rest des Tages in Anspruch genommen. Ich überlegte auch eine Weile wie ich am besten meine Hose reparieren könnte. Nach 11 Jahren ist nun doch der Stoff etwas dünn geworden. Im Normalfall hätte ich die Hose einfach meiner Mama gegeben, aber bei den Versandpreisen war das auch keine Option. 😉 Also fragte ich Carmen, da Sie auch eine Nähmaschine hat. Circa eine Stunde später hatte ich meine Hose geflickt und gebügelt zurück. 🙂

Für Montag, den 12. Dezember, hatten wir eigentlich den Nationalpark auf dem Schirm gehabt. Allerdings machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn bei einer Mischung aus Schnee und Regen bei 2-3 Grad muss das auch nicht sein. So entschieden wir uns stattdessen in die Stadt zu gehen. Henny wollte eh noch eine lange Unterhose für die Antarktis und auch wenn die Preise eine Frechheit sind, fanden wir eine passende und das ist die Hauptsache. Danach ging es zum historischen Museum Feuerland (Museum Tematica Ushuaia). Da wir Rabattkärtchen hatten kostete der Eintritt 320 argentinische Peso für uns beide und das war es auch Wert. Das Museum ist wirklich toll gemacht. Es gibt einen interessanten Audioguide und man erfährt viel über die ersten Siedler (vor 10.000 Jahren) der Insel, ebenso über die Zeit der Eroberer, FritzRoy und Charles Darwin. Und auch über die Endurance-Expedition der Antarktis von der Polarlegende Ernest Shackleton, wenn es auch sehr kompakt zusammengefasst war, das wesentliche war dabei. Leider wurde das Wetter während wir im Museum waren nicht besser. Es hatte sich so richtig schön eingeregnet, in Kombination mit dem hier herrschenden Wind nicht so gemütlich. Aber so ist das eben, wenn sowohl der Pazifik als auch der Atlantik um die Ecke sind, ein Gebirge direkt vor der Haustür und die Antarktis nur noch 1000 km weit weg ist. 🙂
Wir gingen noch mal einkaufen für die nächsten Tage und die restliche Zeit verbrachten wir bei Carmen. Ich habe das Reisetagebuch weitergeschrieben (nur noch 17 Tage Rückstand, dass schaffe ich auch noch^^) und Henny hat die letzte Folge der Anstalt geschaut.

Am nächsten Vormittag haben wir dann noch einen Spaziergang über die Halbinsel an der Bahía Encerrada mit dem Flughafen von Ushuaia gemacht. Von dort hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt und die Berge. Auf einer Wiese sind wir auch einem Vater mit seiner Tochter begegnet, welche zwei ziemlich große Hunde im Schlepptau hatten. Diese waren am Anfang, als wir an den vier vorbeigelaufen sind, noch friedlich. Aber als wir praktisch schon vorbei waren, fingen sie an uns anzuknurren, zu bellen und wie wild hinter uns rumzuspringen. Das Herrchen hat dann aber zum Glück schnell eingegriffen und alles lief gut.
Mit Karina, von der zweiten AirBNB-Unterkunft in Ushuaia, waren wir um 14 Uhr verabredet. Um 14:30 Uhr schrieb Sie Henny eine Mail, dass sie draußen wartet. Wir waren die ganze Zeit schon draußen um die paar Sonnenstrahlen zu genießen, haben aber niemanden gesehen. Nach ein paar Mails hin und her und einer weiteren halben Stunde hatte sie uns dann letztendlich gefunden. Das Auto war auch schon mehrfach die Straße entlang gefahren, ich erinnerte mich an das Nummernschild. Wir packten unser Gepäck und unseren Einkauf ins Auto und Sie fuhr uns zu ihrem Haus. Dort haben wir eine Art Ferienwohnung mit gut ausgestatteter Küche und einem Holzofen. Wir haben es uns erst einmal gemütlich gemacht.
Gegen Abend fing Henny an zu kochen. Eigentlich war Chili-con-Carne geplant, aber es gab keine roten Bohnen im Supermarkt und so dachten wir eine Art Bauerneintopf ist auch gut. Am Ende ist es ein Hackfleisch-Kartoffel-Gemüse-Auflauf geworden. In Süß. In einem Streuer war Zucker statt Salz und Henny hat damit erstmal ordentlich das Hackfleisch gewürzt bevor ihm das aufgefallen ist. Da der gekaufte Käse auch wieder eine Enttäuschung war haben wir ihn zum Überbacken genommen, so fand er wenigstens auch eine Verwendung.
Später brachte uns Karina Salz und Brot fürs Frühstück wie gewünscht. Das Brot war 0%-Fett Zwieback. Zum Glück hatten wir noch Brötchen. 😉

Am Mittwoch (14.12.2016) sind wir von einem Sturm geweckt wurden. Auch in der Wohnung war es eisig kalt. Die ersten Versuche, den Holzofen anzumachen, sind auch gescheitert. Es gab nur einen großen Baumstumpf und vom Boden vor dem Haus konnten wir zwar ein paar kleine Zweige auflesen, aber das reichte natürlich nicht. Die Axt die neben dem Ofen stand war leider viel zu klein, um aus den großen Stücken vor dem Haus brauchbares Brennmaterial zu machen. Mein Opa oder mein Vati hätten es damit vielleicht auch hinbekommen, aber wir hatten keine Chance. Die Gasheizung haben wir auch nicht anbekommen, da die Zündung defekt war und wir dies nicht wussten. Also fragten wir die Besitzerin wie die Heizung angeht und ob Sie uns eine größere Axt geben könnte. Nach 90 Minuten Dauerbetrieb der Gasheizung (die man anmacht, indem man ein brennendes Streichholz in sie reinfallen lässt) und des Holzofens war es Sommer in unserer Wohnung und der Sturm konnte draußen machen, was er wollte. Das Wetter bleib den ganzen Tag so, aber dafür hatten wir Zeit zu schreiben und mein Reisetagebuch ist jetzt fast voll (nach nur ein wenig mehr als zwei Monaten).

Der nächste Tag war vom Wetter her schon ein wenig besser, aber für den Nationalpark war es trotzdem nicht so passend. Deswegen sind wir gegen 12 Uhr mit dem Bus in die Stadt gefahren. Wir wollten zu einem Museum und ein paar Lebensmittel für die kommenden Tage einkaufen. Kaum hatten wir die Bushaltestelle erreicht, kam auch schon ein Bus und 10 Minuten später waren wir im Zentrum. Der Stadtplan war leider etwas verwirrend und so hat es etwas gedauert bis wir das Museum gefunden hatten. Doch auch dort: Touristenabzocke: 350 argentinische Peso (20 €) für ein Ticket. So groß und besonders wirkte das Museum auch nicht und deswegen haben wir dann doch seien lassen. Allerdings fand ich dort Gutscheine für eine kostenlose heiße Schokolade und so fragte ich Henny, ob ich ihn auf eben diese einladen darf. Dort kauften wir jeder noch einen Keks für circa 1,50 € pro Keks und in einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit von mir biss Henny die Hälfte von meinem ab. Das erste mal, dass er mir mein Essen weg aß.. und dann auch auch noch einen Schokoladenkeks. 🙁
Danach sind wir durch das Zentrum gelaufen und bepackt mit den Einkäufen für die nächsten Tage waren wir um kurz nach 17 Uhr wieder zurück in der Unterkunft. Wir haben dann noch ein paar Dokumentationen über unsere bevorstehende Schiffsreise geschaut. Die Vorfreude steigt 🙂

Der Freitag startete auch wieder mit relativ blauem Himmel und kaum Wind (eine Seltenheit hier 🙂 ). Das nutzten wir aus, damit ich Henny noch einmal die Haare schneiden konnte – auf dem Schiff ist das auch nicht so der Plan, deswegen lieber hier. Gleich am Anfang kam auch Fuchur (eine Hündin aus der Nachbarschaft, dessen Namen wir nicht kennen aber sie sieht so aus, wenn sie da liegt) zu uns. Sie war noch in der Nähe, weil sie kurz zuvor die Reste unseres Abendessens vom Vortag – Spaghetti Carbonara – vertilgt hatte. Nach ein paar Minuten war dann auch Olivia da, die Hündin des Hauses. Ab da wurde es für mich auch schwierig mit dem Haarschneiden. Das die Schere stumpf ist, ist eine Sache. Eine andere ist es, jemandem die Haare zu schneiden der seinen Kopf nicht ruhig hält. Und gerade Olivia wollte gekrault werden und sobald Henny aufgehört hat, hat sie ihn angestupst und traurig angeschaut. Irgendwie ging es aber doch. Danach, etwa gegen 13 Uhr, hat es leider wieder angefangen zu nieseln und der Himmel hat sich zugezogen. Also schrieb ich weiter im Reisetagebuch.

Auch am Samstag, dem 17.12., bot sich uns das gleiche Bild wie die Tage davor. Auf kurze Momente von Sonnenschein folgten dunkle Wolken. Wir sind trotzdem mal eine kleine Runde durch die Siedlung oberhalb von Ushuaia gelaufen. Mit uns mitgekommen ist Fuchur und hat auf uns aufgepasst – und wir auf sie. In den Wiesen gibt es ziemlich viele Kletten und wir haben ihr beim Rausmachen aus dem langen zotteligen Fell geholfen. An einem Zeltplatz ist sie wegen zwei anderen Hunden dann nicht weitergelaufen und hat uns nur angeschaut und den Kopf wieder in die andere Richtung geneigt. Zuvor was das bei anderen Hunden kein Problem. Das haben wir dann so verstanden, dass wir den Weg besser nicht gehen. An einer anderen Stelle waren ebenfalls zwei große, frei rumlaufende Hunde und haben uns erst angeknurrt und dann die Zähne gefletscht. Fuchur ist zwischen uns und den anderen geblieben und hat angefangen die Hunde anzuknurren und zu bellen, bis wir ein ganzes Stück an denen vorbei waren. Wieder zurück bei unserer Wohnung hat sie sich über die Reste vom Mittagessen sowie den Zwieback gefreut.

Da auch am Sonntag das Wetter wieder sehr wechselhaft war, ließen wir den Sonntag Sonntag sein. Ich schrieb weiter in meinem Reisetagebuch und bin wieder auf dem aktuellen Stand. Wer hätte das gedacht. Das Buch ist jetzt quasi auch voll, die letzten Seiten werden genau bis zur Antarktis reichen. Ansonsten ist eigentlich nichts passiert. Ich entfernte Fuchur die Kletten aus dem Fell – einige waren schon fast wieder Erde, aber sie ließ es geduldig über sich ergehen. Auch die Packung Butterkekse verschlang sie hechelnd und wollte danach mehr. Das waren auch schon die Highlights. 😉

Am Montag, dem 19.12.2016, wollten wir nach dem Frühstück mit dem Bus in die Stadt. Den ganzen Weg zur Bushaltestelle, circa 1 km, wurden wir wieder von Fuchur begleitet. Als der Bus davon fuhr schaute sie uns nach. Im Zentrum selbst wollten wir noch mal zu FreeStyle Adventure, um uns eine Hose und Handschuhe für die Antarktis auszuleihen. Des Weiteren mussten wir noch ein wenig Essen einkaufen, denn wir hatten nichts mehr. Direkt als wir am Bezahlen waren ist mir eingefallen, dass ich für Fuchur noch Fleisch kaufen wollte. Also wartete Henny draußen während ich mich noch mal für weitere 25 Minuten an die Kasse stellte für das knappe Kilo Fleisch. Ich glaube insgesamt standen wir an dem Tag die meiste Zeit, die wir in der Stadt waren, an der Kasse an. 🙂
Wieder in der Unterkunft telefonierte ich noch mal mit meiner Familie, schrieb ein paar weitere Postkarten und diesen Blogbeitrag. Henny schaute sich eine Dokumentation über Brötchen an – warum auch immer..
Gegen Abend kochte ich für Fuchur noch Hühnchen mit Nudeln und Möhren und auch das alte Brot kam noch mit rein. Der große Berg war nach 5 Minuten verdrückt – eine richtige Fressmaschine. 🙂

Ja, so sieht es aus.. Morgen geht es dann los in die Antarktis. 🙂 Für alle die ich nicht persönlich angeschrieben habe: Ich wünsche frohe Weihnachten und einen guten Start ins Neue Jahr! 🙂

2 thoughts on “Tag 59 – 70 Ushuaia

  • 1. Januar 2017 at 22:35
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    Hallo Judith,

    habe Euer Schiff gefunden. Es ist jetzt Neujahr 22.30 Uhr. Ihr habt Elephant Island verlassen und seid mit südlichem Kurs unterwegs. Auf der antarktischen Halbinsel wird Euer Schiff hoffentlich wieder benamt. Auf offener See und auch in Süd Georgien war dies nicht der Fall. lg aus dem Harz.

    Wünsche Euch noch viele Eindrücke und Erlebnisse.

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    • 7. Januar 2017 at 16:49
      Permalink

      Hallo Papa, danke. Die Reise war einfach unbeschreiblich schön und wir konnten sogar in Elephant Island anlanden. Das war noch nie mit einem Expeditionsschiff möglich. Wahnsinn wie viel Glück wir hatten! 🙂

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