Tag 71 – Tag 2 auf See in Richtung Falkland Inseln

In der Lobby der Ocean Diamond hing eine Karte, auf welcher die zurückgelegte Route dokumentiert wurde. Außerdem gab es dort einen täglichen Bericht von der Brücke, der jeweils ca. 08:00 Uhr erstellt wurde. Für den ersten Tag auf See hieß es:

Position (gegen 08:00 Uhr): 53 „ 21,8’ S, 63“ 17,1’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 231 Meilen
Geschwindigkeit: 12 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung:15 Knoten West
Außentemperatur: 8 Grad C

Bei den Aushängen mit dem Tagesprogramm stand auch jeden Tag ein Zitat, das einen Zusammenhang mit der See oder der Region, in der das Schiff sich gerade befand, hatte:

Oliver Wendell Holmes: I find the greatest thing in this world is not so much where we stand as is which direction we are moving. To reach the port of heaven, we must sail sometimes with the wind and sometimes against it, but we must sail, and not drift, nor lie at anchor.

Den ersten richtigen Tag auf See verbrachten wir auch ohne Sicht auf Land in Richtung Falklandinseln. Obwohl keine Fahrten mit den Zodiacs und keine Landgänge (wie auch wenn keines zu sehen ist) anstanden, war der Tag gut ausgefüllt.

Um 7:45 Uhr gab es an diesem Morgen einen allgemeinen Weckruf über das Bordsprechsystem. Das war jeden Tag der Fall, nur zu unterschiedlichen Zeiten. Zu dieser Gelegenheit wurde unsere aktuelle Position sowie die Zeit, ab der es Frühstück gibt, durchgegeben. Ab 08:00 Uhr war dann das Frühstücksbuffet an diesem Morgen geöffnet. Für uns gab es frisches Obst, Muesli und !!! dunkle !!! Brötchen. Gebratenen Speck, Blackpudding, Orangenmarmelade und die anderen englischen Frühstücks-Absurditäten brauchen wir nicht 🙂

Ab 9 Uhr gab es dann einen super Vortrag zu der Tierwelt, bzw. besser der Vogelwelt auf den Falkland-Inseln und Südgeorgien. Auf den Insel gibt es vier verschiedene Arten von Pinguinen, zwei Arten von Albatrossen und noch scheinbar unzählig viele andere Vögel. 

Bevor wir zu einem zweiten Vortrag „Capturing the Experience“ gegangen sind, haben wir noch unsere Gummistiefel für die Tour abgeholt – diese sind für die Schlauchboot-Landungen absolute Pflicht, genauso wie die gelben Parkas und eine wasserdichte Hose. 

Der Vortrag zur Photographie war ganz gut, hat sich allerdings eher an Anfänger gerichtet und für die wird die eine Stunde wohl zu kurz gewesen sein. Es ging zur einen Hälfte um die Technik – also wie Lichtempfindlichkeit, Blende und Belichtungszeit zusammenspielen – und die zweite Hälfte um Bildgestaltung. Wir hatten aber den Eindruck, dass ein Großteil der Passagiere sich extra für die Reise eine Kamera mit Telezoom bis 600mm Brennweite gekauft, allerdings vorher damit nicht fotografiert hatte. Lustig anzusehen war es dann aber schon, wie manche mit extrem wackelndem Teleobjektiv auf einem zusätzlich schaukelnden Schiff versucht haben, die Vögel um unser Schiff herum zu fotografieren 🙂
Ich weiß es klingt gemein, aber wir hatten unseren Spaß und es ist niemand über Bord gegangen.

Nach dem Mittagessen ging es dann mit einem Pflichtvortrag weiter: „Landing Guidelines & Zodiac Safety Briefing“. Uns wurde erklärt, wie man in die Schlauchboote (Zodiacs) ein- und aussteigt und wie man sich auf Land zu verhalten hat. Um dazu nur einige Punkte zu nennen:

– Nichts mitnehmen, außer Fotos (also keine Steine usw.)
– Nichts hinterlassen, außer Fußabdrücke (Müll mitnehmen usw.)
– mind. 5 Meter Abstand zu den Tieren halten, außen diese kommen auf einen zu
– den Tieren, vor allem den Pinguinen, „Vorfahrt“ gewähren, wenn diese auf dem Weg vom Wasser zu den Nestern sind
– für die Falklandinseln: auf den markierten Wegen bleiben, da Teile der Inseln immer noch vermient sind

Nach dem Vortrag mussten wir uns dann noch in eine der vier Landungsgruppen eintragen. Wir haben einfach Gruppe eins genommen – die Reihenfolge wird bei jedem Landgang sowieso getauscht. 

Am Nachmittag gab es dann noch einen Vortrag zur Geschichte der Falklandinseln: von der Entdeckung, über die Verwendung als Station für Walfänger und als Ausgangspunkt zur Erforschung der Antarktis, bis zum Krieg 1982 zwischen Argentinien und UK bis zur heutigen Zeit.

Vor dem Abendessen fand dann noch das tägliche Expedition Recap & Briefing statt – eine kurze Zusammenfassung des Tages und einen Ausblick auf den kommenden Tag. Direkt im Anschuss wurde uns im Rahmen des Captain’s Welcome Cocktail auch noch die eigentliche Crew des Schiffes vorgestellt. Um das kurz zusammenzufassen: Gefahren und gewartet wird das Schiff von Russen (was gibt es besseres, die kennen sich mit den Bedingungen im Eis aus und bekommen alles wieder ganz), der Chefkoch ist aus Österreich, das Restaurantpersonal ist zum Teil aus Russland und zum Teil aus Südamerika, der Zimmerservice wird von Phillipinos dominiert und wie schon geschrieben, die Expeditionscrew sind Australier und Kanadier. 

Der 21.12.2016 war auch der längste Tag des Jahres auf der Südhalbkugel und so war nach dem Abendessen noch genug Zeit für den zweiten Sonnenuntergang auf See. Das Wetter hatte auch mitgespielt. Nur jetzt auf offener See war der Seegang doch deutlicher spürbar. Auch in der Kabine hat es ganz schön geknarzt und geschaukelt. Wir haben es aber trotzdem gut verkraftet.

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