Weihnachten im Süd-Atlantik – 24. und 25.12.2016  – Tag 74/75 – Tag 5 und 6 auf dem Atlantik

Herman Melville: Give me this glorious ocean life, this salt-sea life, this briny, foamy life, when the sea neighs and snorts, and you breathe the very breath that the great whales respire!  Let me roll around the globe, let me rock upon the sea; let me race and pant out my life, with an eternal breeze astern, and an endless sea before.

Position am 24.12. (gegen 08:00 Uhr): 52“33,2’ S, 49“ 56,5’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 831 Meilen
Geschwindigkeit: 11,3 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 25 Knoten Südwest
Außentemperatur: 7 Grad C

Weihnachten startete für uns mit einem allgemeinen Weckruf um 07:45 Uhr, warum auch immer. Den Tag verbrachten wir vollständig auf See in Richtung Süd-Ost und ohne Ausflüge hätte man uns eigentlich auch ausschlafen lassen können. Aber so verpassten wir wenigstens nicht das Frühstück. Der Speisesaal war wieder ziemlich leer und so gab es ein leckeres frisch zubereitetes Omelette mit allem und extra viel Käse ohne langes warten für mich. 🙂

Den Vortrag am Vormittag zu den Vögeln des Südmeeres haben wir geschwänzt. Dazu hatten wir schon einiges gehört und irgendwann bringt man die Informationen nur noch durcheinander.

Stattdessen sortierte Henny Fotos und ich schrieb in meinem Reisetagebuch das erlebte der letzten Tage nieder. Nach etwa einer Stunde intensiv konzentrieren einigermaßen gerade zu schreiben wurde mir auch ein wenig flau im Magen. Ich wollte zur Ärztin um mir ein paar Pillen gegen die Seekrankheit geben zu lassen. Henny wollte mit und gleich nach Mullbinden für die Waden fragen da wir von den Gummistiefeln Abschürfungen an diesen haben. Nach ein paar Minuten kam sie dann mit den Tabletten und Pflastern zurück. Zwar nicht ganz dass was wir wollten aber so wird unser Pflastervorrat aufgestockt und das ist super, in der Tasche habe ich noch Platz. 🙂

Nach der Konsultation der Ärztin gingen wir noch zu einem Vortrag über Schnee und Eis. Wir kamen zwar zu spät aber das was ich hörte fand ich trotzdem interessant gemacht.

Zum Mittagessen gab es Ente, zwar ohne Klöße, Soße und Rotkohl aber trotzdem großartig. Mich hätte es auch nicht gewundert den Tag in einem ungeheizten Hostel zu verbringen und Brötchen zu essen. (Deswegen gab es extra kurz vor der Abreise aus Deutschland noch einmal Ente und Klöße bei meinem Bruderherz und seiner Frau. :-)) Nach dem Mittagessen haben wir auch mit unseren Familien telefoniert. Ein Guthaben von 60 Minuten (oder weniger, je nachdem in welches Land die Verbindung geht) hatte 20 US-Dollar gekostet. Die Satelitenverbindung war leider nicht ganz so gut, aber besser als nichts. Die Karte mit der Pin für das Telefon war allerdings schwer lesbar. Keine Ahnung warum es bei Henny funktioniert hat aber als ich es bei meiner Familie probierte kam immer nur dass die PIN ungültig ist. Ein kurzer Besuch an der Rezeption hat zum Glück Abhilfe geschaffen. Die schrieben mir die PIN noch einmal auf und danach bin ich auch durchgekommen. Das Guthaben sollte sogar für einen weiteren Anruf zu Neujahr reichen. 🙂

Ab 14:00 Uhr gab es dann eine Pflichtveranstaltung zur Bio-Sicherheit auf Südgeorgien in Form eines ca. 60 Minuten langen Videos. Gefühlt war der halbe Raum kurz vorm Einschlafen; die Anti-Seekrankheits-Pillen machen nämlich auch müde. So wurde etwa bei der Hälfte des Videos die Pausetaste gedrückt und alle sollten mal aufstehen und sich strecken.

Im Anschluss an das Video ging es zur Biosecurity-Reinigung. Das bedeutet, dass alle Sachen, die wir mit an Land nehmen wollten, vorher gereinigt werden sollten. Dafür gab es sogenannte Staubsaugerstationen, an welchen das Personal unsere Habseligkeiten absaugte. Dazu zählten: die Gummistiefel, Hose, Jacke, Mütze, Handschuhe und Rucksack. Wir hatten eine gründliche Reinigung erwartet, also mindestens das die Rucksäcke, die wir schon seit über zwei Monaten quasi täglich im Einsatz haben, ausgesaugt werden.  Ehrlich gesagt hatte ich darauf spekuliert und war dann ziemlich enttäuscht als alles nur mit „fine“ kommentiert wurde. Alles bis auf meine ausgeliehenen Handschuhe. Ziemlich seltsam. Gerade nach diesem Video hätten wir mehr erwartet.

Ein Zusammenfassung gab es an diesem Tag nicht, war ja auch nicht so viel passiert und der nächste Tag war auch ein reiner Seetag. 

Um 19:00 Uhr gab es dann Abendessen und im Unterschied zu den Abenden davor wurde das „Dessert“ ein Deck oberhalb im Club „serviert“. Das war eine tolle Überraschung, denn es gab ein riesengroßes Buffet mit Schokolade, Eis, Kuchen, Torten, Obst, Irish Coffee und .. – was es eben so im Schlaraffenland gibt. 🙂

Im Club selbst wurde dann durch einige jüdische Mitreisende das Hanukkah-Fest vorgestellt und in einer kleinen Zeremonie das erste Licht der Menorah angezündet. Bevor es dann zu den christlichen Weihnachtsliedern kam, haben wir uns aber verdrückt. 😉

Stattdessen gingen wir kurz in unsere Kabine um unsere Jacken zu holen und wollten dann noch mal auf das freie Deck. Auf dem Weg zum Deck lag doch tatsächlich eine Zigarette auf dem Teppichboden. Ich habe ihr aber widerstanden und sie nur aufgehoben und weggeschmissen. 🙂

Hamilton Wright Mabie: Blessed is the season which engages the whole world in a conspiracy of love.

Position am 25.12. (gegen 08:00 Uhr): 53“ 28,9’ S, 42“ 38,5’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1101 Meilen
Geschwindigkeit: 11,5 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 20,25 Nord
Außentemperatur: 2 Grad C

In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag (25.12.2016) war eine Zeitumstellung um Plus eine Stunde (von deutscher Zeit -4h auf deutsche Zeit -3h) und zum ersten mal seit Beginn der Expeditionsfahrt konnten wir etwas länger liegen bleiben, da der Weckruf erst um 9:30 durch das Schiff hallte. Mit eigentlich immer noch vollen Bäuchen sind wir zum Weihnachtsbruch gegangen. Weihnachten ist also nicht nur in Deutschland das Fest der Völlerei. 🙂 Ab 11 Uhr haben wir uns dann in die Lounge gesetzt und noch ein wenig Fotos bearbeitet und Texte geschrieben. Außerdem auch ein paar Postkarten, die wir in Südgeorgien abgeben wollten. Es gibt in Südgeorgien drei von der britischen Regierung eingesetzte Beamte und einer von denen betreibt nebenbei die Post. Obwohl die Insel nicht dauerhaft bewohnt ist, muss die Post schon funktionieren.

Eigentlich wollten wir am Nachmittag auch zu einer Präsentation zur Geologie der Falklandinseln und von Südgeorgien, aber die wurde verschoben – warum haben wir nicht verstanden. 😉

..Aber obwohl den meisten auf dem Schiff schlecht war gab es Nachmittags wieder Häppchen im Club. Mit Lachs und Salami auf Vollkornbrötchen. Importiert aus Deutschland, d.h. die Salami hatte Geschmack! Ein Paradies auf dem Weg ins Paradies! 🙂

Nach den Häppchen ging es zum Abendessen. An diesem Abend setzten wir uns zu Stan und Tess vom Team an den Tisch. Es gab dann noch eine Art Geschenk – ein Brauch aus der USA und wohl zum Teil auch aus UK – welches wir uns erstmal erklären lassen mussten. In einem Pappröllchen ist eine Überraschung und ein Art Weisheit wie in einem Glückskeks. Eigentlich soll man das Pappröllchen auch fest auseinander ziehen und dabei zündet auch eine kleine Zündschnur – haben wir aber bei den zwei Versuchen nicht hinbekommen. 🙂

In meinem Röllchem war eine kleine Schuhbürste (kann man bestimmt mal gebrauchen) und für Henny gab es 4 hölzerne Golfabschlagshalter – dafür erntete er erstmal meinen Spott. 🙂

An diesem Abend haben wir noch eines von Stan gelernt: an Weihnachten hat alles Null Kalorien. 🙂

Nach dem Abendessen gingen wir noch mal auf die Brücke. Wir wissen jetzt auch warum man auf der Ocean Diamond auf die Brücke gehen darf, denn unser russischer Kapitän Oleg Klaptenko hat es uns erklärt: Hier ist es zu kalt für Terrorismus. 🙂 In diesem Sinne friedliche Weihnachten für alle..

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