Tag 77 – Tag 8 auf See – Südgeorgien: Stromness Habour & Grytviken

Zweiter Tag Südgeorgien.

Robert Browning, as quoted on Ernest Shackleton’s grave : I hold that a man should strive to the uttermost for his life’s set prize.

Über Nacht ging es dann weiter bis nach Stromness Harbour. Um 6:00 Uhr war allgemeines Wecken und um 6:30 Uhr ging es für uns dann an Land. Unser Ziel war weniger Stromness Harbour selbst. Eigentlich ging es darum in den Fußspuren von Shackleton, seinem Kapitän sowie seinem 2. Offizier zu laufen.

..Nachdem ihr Schiff in der Antarktis im Packeis zerbarst, machten sich 6 der insgesamt 14 Männer nach der Überwinterung in einem kleinen Schiff auf dem Südpolarmeer auf nach Südgeorgien, um Hilfe zu holen. Das Schiff strandete Mitte Mai 1916 auf der unbewohnten Seite der Insel und so starteten die 3 die noch ein wenig Kraft hatten zur anderen Seite der Insel. An die 30 Stunden irrten sie auf der unerkundeten Insel mit den Inlandgletschern umher bis sie kurz vor ihrem Ziel waren. Eine Pause von 30 Minuten war geplant bevor es die letzten Kilometer zur Walfangstation geht. Zwei Männer schliefen sofort ein aber Shackleton hielt stand und widersetzte sind dem erholsamen Schlaf, der hier den sicheren Tod bedeutet hätte. Nach 5 Minuten weckte er seine Männer und sagte die halbe Stunde sei um. Dann ging es durch das Eiswasser des Wasserfalls nach unten und das Flussbett entlang zur Zivilisation, von der sie 1,5 Jahre vorher aufgebrochen waren..)

Wir starteten von der anderen Seite aus: ausgeschlafen, gut genährt und in Spezialoutdoorklamotten im antarktischen Sommer. (Das Wellnessprogramm kostet extra, deswegen lasse ich es hier außen vor). Nicht mal ansatzweise vergleichbar also.

Die Ruinen der alten Walfangstation stehen noch an der Küste, dürfen aber nicht betreten werden. Der Strand selbst war wieder bevölkert von Seebären. Unser Ziel – der Wasserfall – lag ca. 2 km im Inneren der Insel und der Weg dahin verlief durch und entlang des Flussbettes. Immer wieder mal während der Wanderung waren auch kleine Vögel (Seeschwalbe) im Sturzflug auf uns zu beobachten. Ihre Art uns mitzuteilen, dass wir zu Nahe an ihrem Nest entlang gingen.

Am Wasserfalls selbst darf man den Hang nicht hochgehen, da dort gerade ein Re-Naturierungsprojekt läuft. (..Europäer haben auf der Insel Rentiere als Fleischlieferant angesiedelt. Ohne natürliche Feinde hatten diese sich gut vermehrt und u.a. das Tussok-Gras weggefressen, was einheimische Vögel zum Nisten brauchen. Deswegen wurden erst in den letzten Jahre alle Rentiere abgeschossen, um die Insel den ursprünglichen Bewohnern wieder zu gehen..)

Zeit also sich hinzusetzen und der Entdecker und Abenteurer zu gedenken bevor es wieder zurück zum Anlandungspunkt geht.

Die Landgänge selbst finden immer in 2 mal 2 Gruppen statt. Zwei Gruppen mit je rund 50 Menschen gehen an Land während die anderen 2 Gruppen mit den Zodiacs an der Küste entlang fahren. Nach dem Frühstück wurde deswegen getauscht und wir sind an der Küste entlang gefahren. Eine Bucht weiter ist die Ruine der größten Walfang-Station auf Südgeorgien, Leith Harbour. Wir hatten das Glück dass unser Zodiac-Fahrer an diesem Tag Woody war, der Historiker auf dem Schiff. Er konnte also noch eine ganze Menge erklären und erzählen.

Um 12 Uhr ging es dann für rund 2,5 Stunden weiter in Richtung King Edward Point bzw. Grytviken. Die Bucht ist heute noch bewohnt – durch Forscher, einige Angestellte der Regierung und die Betreiber des Museum in der alten Walfangstation. Nach dem das Schiff geankert wurde, kam auch erst ein Vertreter der Regierung an Bord um einerseits alle Pässe für die „Einreise“ abzustempeln (das ist wohl eher ein Tourigag) und um andererseits die Biosecurity-Maßnahmen an Bord zu überprüfen. Danach gab es noch einen Vortrag vom South Georgia Heritage Trust, eines gemeinnützigen Vereins, der seit 5 Jahren damit beschäftigt ist, die Insel von eingeschleppten Ratten zu befreien. Sie sind schon weit gekommen und haben die Insel auch quasi von Ratten befreit aber auch dass Monitoring der Maßnahme kostet Geld. Wenn es unsere Reisekasse erlaubt hätte, hätten wir auch die 145 USD für die Säuberung eines Hektars gespendet – aber das ist aktuell nicht drin. 75 USD spendeten wir und vielleicht mag ja einer von euch auch etwas geben. 😉

Anschließend ging es dann auf die Insel. Wir sind zu erst in das Museum bzw. besser gesagt, in den Museumsshop gegangen, um Postkarten zu kaufen (die u.a. als Spende an das Rattenprojekt gehen). Diese und auch schon fertige aus Patagonien haben wir dann in der Post abgegeben – betrieben von Royal Mail aus UK… die Karten gehen also erst nach UK und dann an ihren eigentlichen Bestimmungsort. Heißt für uns dass die Briefmarken echt günstig waren im Vergleich zu Südamerika. 🙂

Danach sind wir über das Walfang-Stationsgelände bis zu einem Aussichtspunkt ca. 100 Meter überhalb der Bucht gelaufen. Von diesem Punkt aus hatte man echt einen super Überblick. Wieder unten in der Bucht ging es noch zum Grab von Sir Ernest Shackleton. Dort konnten wir mit Jameson Whisky einen Toast auf den „Boss“ trinken. Woody (der Historiker) hielt eine Rede auf Shackleton und dann trank jeder einen Schluck für sich selbst und den Rest gab man dem Boss – auf das Grab gießen. Das hat Woody den ganzen Nachmittag über getan und wohl viel getrunken. 🙂 Aber an sich eine feine Sache, denn zu Lebzeiten wurde ihnen für ihren Mut und ihre Stärke kaum Ehre gebührt, da der erste Weltkrieg im Vordergrund stand.. Wenn also jemand einen Toast trinken will auf Shackleton und sein Crew mit ordentlichem Whisky – feel free. 😉

Die dann noch restlichen 60 Minuten auf Festland haben wir im Museum verbracht, diesmal um es uns wirklich anzuschauen. 

Das Wetter an diesem Tag war bis zum Abend echt großartig, viel Sonnenschein und blauer Himmel. Gegen 19:00 Uhr fing es an zu schneien. An Bord war eine Grillparty geplant, auf dem offenen Bereich von Deck 6 und Deck 7. Es war auch quasi alles schon vorbereitet – warmer Kakao, Salate und jede Menge Fleisch vom Holzkohlegrill! Fanden irgendwie nicht alle toll, aber wir haben uns mit den Tellern draußen hingesetzt, in dicker Jacke, bei Schneefall und Ausblick auf die Fjordlandschaft. Großartig. Hätte nicht besser sein können. 🙂 Der Chef des Servicepersonals, Alex aus Russland, hat sonst im Restaurant immer schon gute Laune und ein Lächeln im Gesicht. Draußen im Schnellfall bei um die 0 Grad war die Laune noch mal deutlich besser und er tanzte fast auf dem offenen Deck. 🙂 

Auch das kurze Recap, die Zusammenfassung des Tages und Ausblick auf den nächsten Tag, fand draußen während des Essens statt. Dabei ist auch ein „Bewohner“ der Insel zu Wort gekommen und hat noch ein paar andere Menschen von dort vorgestellt – unter anderem den Doktor, der auch der Postmann ist. 

Als Nachtisch gab es übrigens Eis mit heißen Heidelbeeren, mit Schneesturm 🙂

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2 thoughts on “Tag 77 – Tag 8 auf See – Südgeorgien: Stromness Habour & Grytviken

  • 24. Januar 2017 at 19:03
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    Ich werd die anderen beim nächsten Whisky-Abend an Shackleton erinnern – Ist immer gut wenn man nen Anlass findet 🙂

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    • 24. Januar 2017 at 19:35
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      Moin Martin, sehr gut, sozusagen eine Win-Win-Situation 🙂

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