Tag 86 bis 88 – 17. bis 19. Tag auf See: Auf der Drakestraße nach Ushuaia

Ernest Shackleton, paraphrasing Robert Service’s poem ‘Call of the Wild’: “In memories we were rich. We had pierced the veneer of outside things. We had suffered, starved and triumphed, groveled yet grasped at glory, grown bigger in the bigness of the whole. We had seen God in his splendor, heard the text that nature renders. We had reached the naked soul of man…”

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 60“ 44’ S; 63“ 51,9’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 2891 Meilen
Geschwindigkeit: 10,6 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 25 Knoten Nordwest
Außentemperatur: 5 Grad C

Den vorletzte Tag unserer Antarktisreise und damit der erste Tag in der Drake-Passage zwischen Feuerland und der antarktischen Halbinsel haben wir für das Sortieren von Fotos genutzt. Der Seegang war ganz ordentlich und wir mussten beim Laufen aufpassen, nicht irgendwo dagegen zu fallen. Einen Teil des Tages haben wir auch im Club verbracht – wer weiß schon, wann es wieder so „guten“ Kaffee gibt und vor allem die frisch gebackenen Plätzchen jeden Tag. 🙂  Zum Mittag gab es Wiener Schnitzel, welche uns so gut geschmeckt haben, dass wir sie quasi ohne Beilage verspeisten. Die haben wir dann auch Steffi empfohlen – eine Mitreisenden aus Deutschland. Am Abend hat sie gemeint, dass die gar nicht so gut waren und hat das auf unsere „Entzugserscheinungen“ geschoben. Das gleiche muss auch für den Kaffee gelten.. offenbar sind unsere Ansprüche schon gut nach unten gegangen. Vor dem Abendessen gab es noch eine Wohltätigkeitsauktion und die war relativ absurd. Das Geld ging an zwei Organisationen, den South Georgia Heritage Trust und einem Projekt, welches jedes Jahr die Pinguine in der verschiedenen Kolonien zählt um damit Rückschlüsse auf die Veränderung des Ökosystems zu ermöglichen (dafür werden u.a. Kameras in den Kolonien installiert, die regelmäßig ein Foto schießen). Zu Ersteigern gab es Gletscherwasser (also aufgetautes Eis – hatten wir gratis und frisch 😉 ), diverse Bilder zum Teil von der Crew gemalt oder „verschönert“ aber richtig absurd wurde es bei der Flagge vom Schiff bzw. eher vom Tourenanbieter Quark. Die Flagge hing bis zum Vormittag des Tages noch am Bug des Schiffes und war schon leicht ramponiert.. Und am Ende hat jemand diese Flagge für 5600 US-Dollar ersteigert… Für uns nicht verständlich. Die Patenschaft für eine ganze Pinguin-Kolonie für ein Jahr (inkl- T-Shirt und „Zertifikat“) hat nicht einmal 700 US Dollar eingebracht – hätten wir die Kohle gehabt, hätten wir darauf mitgeboten weil das in unserer Augen sinnvoller war als ein Fetzen Stoff.. Das beste an der Auktion für uns waren die drei Gläser Sekt auf Kosten des Hauses. 😉

T.S. Eliot: We shall not cease from exploration, and we and of all our exploring will be to arrive where we started, and know the place from the first time.

Woody mit Fan.

Der letzte richtige Seetag war dann eher ereignislos. Wir haben weiter die tausenden von Fotos sortiert und noch die Annehmlichkeiten unseres schwimmenden Hotels genossen. Außerdem waren wir auf einem Vortrag bzw. einer Infoveranstaltung zu den möglichen Trips in die Arktis, das hat Lust auf mehr gemacht. Und auch da ist häufig/fast immer Woody mit dabei, d.h. wir werden ihn dort irgendwann wiedersehen – sobald wir wieder Geld haben. 😉

Am Nachmittag wurden wir dann noch informiert, wie am nächsten Tag der Checkout läuft – offenbar haben einige Menschen ihren Kopf nicht mit auf die Reise genommen. 😉  Dann haben wir noch die Gummistiefel zurückgegeben und es gab ein letztes Recap, welches wieder richtig gut gemacht war. Nur die Fotos, die den Fotowettbewerb gewonnen haben, waren nicht nach unserem Geschmack. In der Auswahl waren z.B. so viele überwältigende Naturfotos und in der Kategorie Landschaft hat ein Foto von verrosteten Wal-Öl-Tanks gewonnen, ziemlich absurd. Das Reisevideo, welches dann am späten Abend noch gezeigt wurde, war dafür um so besser. Das war eine schöne Zusammenfassung. Am Abend standen wir dann noch über 1 1/2 Stunden auf Deck und haben zugeschaut, wie das Land immer näher kam, ein echt komisches Gefühl nach so vielen Tagen auf See. Und es hat uns da schon ein wenig melancholisch gemacht.

Dennis mit Fan.

Beim Abendessen verabschiedeten wir uns schon mal von Dennis, da er beim Frühstück keinen Dienst im Speisesaal hat. Sollte ich ihn irgendwann mal wieder sehen (die Welt ist ) werde ich ihn zum Essen einladen, als Dank für die schönen Stunden auf dem Schiff. 🙂  Seine Herzlichkeit und sein Lachen werde ich vermissen. Einfach diese Lebensfreude, die vielen Menschen fehlt.

 

Über Nacht fuhren wir durch den Beagle-Kanal wieder nach Ushuaia. Die Ocean Diamond wurde dort am Hafen gegen 06:00 Uhr vertaut.. Unser Reise war nach rund 3300 Seemeilen vorbei. Kurz nach 8 Uhr und dem letzten Frühstück an Board waren wir dann wieder auf dem Festland. Die meisten anderen Passagiere waren schon mit den Busses weggefahren (zum Flughafen usw.) und wir konnten uns in Ruhe von der Crew verabschieden. Wobei wir nicht Good Bye sagten, sondern see you. 

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