Tag 88 bis Tag 91 – Ushuaia Teil 2: Nach der Antarktis sind wir in einem Loch

Von der Antarktis zurück auf südamerikanischem Festland verabschiedeten wir uns von der Expeditionscrew und allen die so noch auf dem Schiff anzutreffen waren. Die Crew selbst stand draußen vor dem Schiff und wartete bis alle Gäste verschwunden waren. Da wir mit die letzten waren, war auch genug Zeit jedem einzelnen noch mal die Hand zu geben und speziell für Woody verlagerte ich mein Gepäck so, dass ich ihn zum Abschied noch umarmen konnte. Das musste einfach sein. 🙂

Beim argentinischen Zoll im Hafenbereich angekommen hatten die gefühlt keine Lust zu arbeiten. Wir legten unsere Sachen auf das Gepäckband obwohl niemand auf den Bildschirm schaute.. und konnten auch direkt weiter gehen. 🙂

Kurz danach, aber noch im Hafengelände, saß Dennis mit jemandem auf der Bank. Er hatte ein paar Stunden frei und Landgang bevor die Ocean Diamond heute Abend wieder startete und da in der Stadt alles geschlossen hatte bzw zu teuer war machte er sich gar nicht erst die Mühe in die Stadt zu gehen. Wir umarmten uns auch noch mal und dann ging es für uns weiter.

Unser erster Weg auf dem Festland ging zu Freestyle-Travel, damit wir die ausgeliehenen Hosen und Handschuhe zurück bringen konnten. Diese passten schon gar nicht mehr in unsere 4 Rucksäcke und Henny trug sie in einem Stoffbeutel zusätzlich zum normalen Gepäck. Wir hatten also ein deutlich spürbares Platzproblem. 🙂

Bei Freestyle mit Gabriel.

Im Reisebüro von Gabriel und Sarah angekommen, bedankten wir ich uns erstmal dass wir das Geld gegen diese Reise bei den zweien tauschen durften. 🙂 Wir wollten auch noch ein Foto mit Gabriel, das musste einfach sein. 🙂

Dort trafen wir auch auf die anderen Backpacker, die dort Last Minute gebucht hatten. Eigentlich alle holten erst einmal ihr Handy raus und gingen nach fast 3 Wochen zum ersten Mal wieder online. Das war schon lustig wie still es im Raum war trotz der vielen Menschen. 😉

Da es noch früh am Tag war, haben wir auch unsere nächste AirBNB-Unterkunft angeschrieben, um zu erfahren, wann wir kommen können. Kam zum Glück auch schnell eine Antwort: ab 12 Uhr. Wir haben dann noch einen Kaffee bei Freestyle getrunken, geschaut wie wir genau zur nächsten Unterkunft kommen, Adressen mit Stefanie, Angela und Christina ausgetauscht und uns für den nächsten Tag um 11 Uhr mit den Dreien in der Stadt verabredet. Dann ging es für uns mit dem Linienbus los.

Vollbepackt im Bus.

Die Fahrt durch Ushuaia und die Randbezirke war erschreckend. Nach 3 Wochen im Herzen der Natur sahen wir wieder überall den menschlichen Einfluss, vor allem Müll am Straßenrand und auch jeder private Garten stand voll mit Schrott der vor sich hin rostete..

Die Adresse unserer nächsten Schlafgelegenheit hatten wir auch bald gefunden. Wir standen vor einer Art Neubau-Block, nur dass an den Klingelschildern keine Namen standen, sondern nur die Nummern der Wohnungen. Irgendwie hatte unser Gastgeber aber registriert das wir da sind und kam uns entgegen.

Die Wohnung selbst war im Erdgeschoss und ziemlich trostlos eingerichtet: ein Sofa für 2, ein Esstisch mit 2 Stühlen, nebeneinander und Sofa sowie Stühle ausgerichtet mit Blick auf die Glotze. Außerdem eine Küche, in der z.b. auch nur zwei flache  und zwei tiefe Teller waren. An den Wänden war kaum ein Bild. Ein leerer Raum wirkt sympathischer da man diesen gestalten kann, aber diese Wohnung saugte uns quasi die Lebensenergie aus. Deutlich übertrieben natürlich, aber ich glaube so kann man verstehen wie wir uns dort fühlten.

Als er uns dann auch noch erzählte, dass er und seine Freundin vor kurzem den Job verloren hatten, war das triste Bild perfekt. Die beiden Reisen auch gerne aber aktuell fehlt es eben an allen Enden. Wir waren im kompletten Kontrastprogramm zu den vorherigen 19 Tagen angekommen. Nicht nur, dass wir mit der Antarktis eines der besten Ziele hinter uns hatten und deswegen schon traurig waren, nein, wir sind auch am trostlosesten Ort gelandet, den wir uns für diesen Zeitpunkt vorstellen konnten.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, sind wir erst einmal in der Nachbarschaft einkaufen gegangen. Unser Gastgeber hatte einen kleinen Laden empfohlen, dort sollte auch die Wurst und der Käse gut sein… naja, war die nächste Enttäuschung.

Irgendwann habe ich es nicht mehr in der Wohnung ausgehalten und vorgeschlagen zurück in die Stadt zu fahren. Henny war damit einverstanden und wir schrieben noch die zwei Schweizerinnen an, doch da die Nachricht nicht zugestellt werden konnte, gingen wir dann einfach zur Bushaltestelle. Glücklicherweise mussten wir auch nicht lange dort warten. Auf dem Hinweg sind wir im Zentrum im Bus sitzen geblieben. Erst als der Bus rund 30 Minuten später wieder im Zentrum war, sind wir ausgestiegen. Bis dahin ist er durch andere Viertel von Ushuaia gefahren die wir noch nicht kannten. Einfach das unterwegs-sein und „sich bewegen“ hat gut getan und hat geholfen. Eigentlich war alles besser als in der Wohnung zu hocken.

Willkommen zurück in der Realität.

Unser erster Weg in der Stadt führte zu dem Café, in dem es die leckere heiße Schokolade gab. Aber auch die war diesmal gefühlt nicht so vollmundig. Danach sind wir noch durch die Stadt gelaufen, am Wasser entlang haben wir noch zwei von der Crew getroffen. Irgendwann sind wir auch Colin aus Neuseeland, der auch mit auf dem Schiff war, begegnet. Die feuchten Augen haben verraten, dass es ihm auch nicht so gut geht. Als wir dann auf dem Weg zum Supermarkt waren, standen die zwei Schweizerinnen auf ein mal vor uns. Sie hatten uns geantwortet, was wir aber nicht mehr gesehen hatten und sind dann auf gut Glück los (das Zentrum von Ushuaia besteht im Wesentlichen aus 2 Straßen von etwa 2km Länge). Wir sind dann einfach in ein Café gegangen und haben gut gegessen und etwas getrunken. Das hat uns richtig gut getan, denn wir konnten uns gerade nicht selbst aus dem Loch ziehen.. Angela und Christina: solltet ihr das hier lesen: DANKE! 🙂

Auf dem Rückweg mussten wir dann so 30 Minuten auf den Bus warten, aber wir hatten eh nichts mehr vor an dem Abend. Und auch wenn es gemein klingt, wir stellten erleichtert fest das unsere beiden Gastgeber nicht da waren. Wir wollten denen eigentlich aus dem Weg gehen und anders herum war es gefühlt auch so. So konnten wir uns in unser Zimmer zurück ziehen und Henny sortierte Fotos für Timelapse Videos und ich schrieb weiter im Reisetagebuch (auf dem Schiff war das ja meist nicht möglich und so fehlten doch wieder einige Tage..).

Am nächsten Tag, Sonntag 08.01.2017, sind wir dann nach dem Frühstück wieder in die Stadt und waren kurz vor 11 Uhr am vereinbarten Treffpunkt am Hafen. Im Café vom Vortag tranken wir dann mit den drei anderen noch ein paar Tassen Kaffee. Um 13 Uhr ist Stefanie zu ihrem Flug aufgebrochen und wir sind wohl so 14:30 Uhr los und haben uns verabschiedet. An der Bushaltestelle sind wir mit Absicht in die falsche Richtung eingestiegen um noch ein wenig unterwegs zu sein.

Um 16 Uhr waren wir wieder zurück und haben erst einmal unsere Familie angerufen. Das hat auch richtig gut getan!

Danach wollten wir noch ein wenig laufen und sind im Wohnviertel schnell am Ende angekommen. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite der nahen Hauptstraße war auch nur ein Gewerbegebiet. Wir haben uns dann dazu entschlossen Olivia und Fuchur zu besuchen 🙂 

Fuchur freut sich auch.
Fuchur freut sich auch. 

Der ca. 3 km lange Hinweg war mit ein wenig Nieselregen und Sonnenschein bis auf eine Brücke voll mit Löchern noch ok. Beide Hunde waren zum Glück auch da, wo wir gehofft hatten. Und sie haben uns natürlich auch gleich erkannt. Das war ein richtiges Highlight. 🙂

Nach 15 Minuten sind wir dann zurück – durch strömenden Regen. Fuchur hat uns den ganzen weiten Weg zurück begleitet, auch wenn wir das nicht wollten. Direkt an der Ruta 3 entlang mit viel Verkehr ist kein so guter Platz.. Wir gingen noch in einen Supermarkt einkaufen und als wir etwa 20 Minuten später wieder auf die Straße kamen war Fuchur noch da und begleitete uns zu unserer neuen Schlafgelegenheit. Am nächsten Morgen war sie zum Glück verschwunden. Das hat mir echt wahnsinnig Leid getan. War wohl nicht die beste Idee die beiden Hunden noch mal zu besuchen..

Am nächsten und letzten vollen Tag in Ushuaia sind wir auf jeden Fall wieder länger liegen geblieben und dann wieder mit dem Bus in die Stadt. Diesmal eine andere Linie, aber gleiches Spiel: erst einmal im Kreis fahren . Für 0,30 € ist das wohl auch mit einer der günstigsten Freizeitbeschäftigungen in Ushuaia und wir kennen dort jetzt wohl auch die meisten Straßen.

Auf den Nationalpark mit dem Zug und auf die Lagune Esmeralda hatten wir beide keine Lust zu dem Zeitpunkt – es wäre nur das Abhaken einer Checkliste gewesen und das ist ja auch nicht Sinn und Zweck der Reise.

Stattdessen gingen wir in ein Restaurant in der Stadt und haben erst mal etwas gegessen und dann unsere Notebooks ausgepackt um ein paar Beiträge auf die Blogs zu bekommen. Ich telefonierte auch noch mal mit meiner Familie, was mir auch wieder sehr gut tat..

Eine Lagebeschreibung von Ushuaia.

Gegen 17 Uhr – die Akkus waren leer – haben wir uns dann auf den Rückweg gemacht. Im Bus sitzen bleiben war diesmal nicht so clever. Der Fahrer ist bis zum Depot am Ende der Stadt gefahren und hatte dann Feierabend. Auf dem dann folgenden 20 Minuten hat der erste argentinische Kleintransporter-Fahrer einen Stinkefinger von Henny kassiert – Null Rücksicht genommen sodass wir die Wahl hatten überfahren zu werden oder bis zu den Waden in einer Pfütze zu stehen.

Da unsere beiden Gastgeber zu Hause waren, haben wir uns in unserem Zimmer aufgehalten, Tetrapack-Wein (der hier echt ok ist, wenn auch der in Chile noch deutlich besser ist) getrunken und Salamibrötchen gegessen.

Am Dienstag klingelte dann um 6 Uhr der Wecker und 10 nach 7 haben wir uns auf dem Weg gemacht (für die Linienbusse gibt es keinen Fahrplan). Nach 10 Minuten warten ging es dann mit dem Linienbus zum Busparkplatz.

Vor uns lagen 12 Stunden Busfahrt aus Argentinien (das Land in dem ich vorsichtig sein muss wegen meinem Nachnamen – was für ein Quatsch) zurück nach Punta Arenas in Chile.

Und auch wenn 12 Stunden Busfahrt nicht so lustig sind: wir haben uns darauf gefreut. zurück nach Chile klang ein Stück weit wie zurück nach Hause…

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