Tag 91 und 92 – Auf nach Chile! :-)

Der Bus von Ushuaia nach Punta Arenas ist pünktlich losgefahren und war bis zum letzten Platz besetzt. Unsere Sitzplätze waren in der dritte Reihe, denn wir wollten so weit wie möglich von der Bordtoilette entfernt sitzen. Leider war mein Sitz defekt, die Lehne ließ sich nicht feststellen sondern gab beim Anlehnen nach und bei Schlaglöchern wackelte sie hin und her. Und das bei einer angesetzten Fahrt von 12 Stunden. Nicht so schön, aber Hauptsache es ging endlich los. Nach ca. 4 Stunden war dann auch die Grenze erreicht. Der Grenzübertritt war diesmal ganz easy. Auf der argentinischen Seite gab es nur einen Stempel in den Pass, Gepäck wollten die gar nicht sehen. Die chilenische Seite ging auch deutlich schneller als erwartet.

Haben beim letzten Grenzübertritt noch Hunde alle Gepäckstücke beschnüffelt, ging es diesmal nur durch ein Röntgengerät. An der Grenzstation war ein richtig starker Wind, mit Gepäck nicht so einfach. Gerade wenn man aus dem Bus aussteigt wird man schnell mal bei Seite gedrückt. Die Schutzhülle von meinem kleinen Rucksack hat sich auch gelöst und flog weg. Ich hab ihr nur hinterher geschaut, hinterher laufen wäre nutzlos gewesen.

An der chilenischen Grenze war auch ein kleiner Laden, in welchem wir erst einmal eine „Sahne Nuss“-Schokolade gekauft haben – die bisher beste in Südamerika. Und es macht auch einfach Spaß zu sagen „Dos Sahne Nuss, por favor“ und man wird verstanden. 😉

Selbst das Umleitungsschild hielt dem Sturm nicht stand.

Kurz hinter der Grenze hielt der Bus erneut, die Fahrer machten an einem kleinen Restaurant für 30 Minuten eine Pause. Tja, wir waren mit der Schokolade schon versorgt. Der Wind war auch immer noch krass, da hielt sich auch die Lust sich die Beine zu vertreten in Grenzen. Der Wind sollte sich in den nächsten 3 Stunden auf der Schotterpiste auch nicht ändern. Der Busfahrer hatte immer wieder mit Böen zu kämpfen und fuhr meistens ganz links, auf der Gegenverkehr-Seite, um Platz zum Reagieren zu haben. 

Gegen 17 Uhr erreichten wir die Fähre über die Magellanstraße bei der Bahia Azul. Nur der Fährverkehr war wegen des Windes eingestellt. Mit mehr als 10 wartenden Bussen, unzähligen Motorrädern sowie PKW’s und auch einigen Schafs-Transportern bildete sich ein Stau über mehrere Hunderte Meter, vierreihig.. Der Besitzer des kleinen Kaffees an der Anlegestelle hat bestimmt ein gutes Geschäft gemacht.

Die Magellanstraße – Wind ist nicht fotografierbar.

Erst nach rund 3 Stunden ging es weiter. Die Überfahrt war auch sehr abenteuerlich. Diesmal durfte sich kein Passagier an Deck aufhalten. Alle mussten in einen Aufenthaltsraum und von dort konnten wir den Seegang „auf Augenhöhe“ bestaunen.

Gefühlt war es der schlimmste Wellengang in den letzten 3 Monaten – obwohl wir auch schon die berühmt-berüchtigte Drake-Passage hinter uns hatten. Die Stille in dem Raum sprach auch für sich, ebenso eine blasse Gesichter uns gegenüber. Aber es ging alles gut. Kurz nach 23 Uhr sind wir in Punta Arenas angekommen, total übermüdet und fertig. Und mein Rücken hat mir auch gesagt dass er sich bei der nächsten längeren Busfahrt über eine Sitzlehne freuen würde. Mit dem Taxi sind wir dann nur noch in unser Hostel gefahren. Und das war großartig. Die Besitzerin war auch zu so später Zeit noch bei guter Laune, das Zimmer groß und mega warm geheizt, alles war sauber und die 2 Betten total bequem – echtes Bettzeug und kein Kort-Überzug für das Kopfkissen (wie die letzten Nächte in Ushuaia). Wir sind direkt schlafen gegangen und konnten auch super durchschlafen. Chile ist für uns angenehmer als Argentinien.

Am  Mittwoch, dem 11. Januar 2017, sind wir ohne Wecker kurz nach halb 9 Uhr aufgestanden und waren um 9 Uhr beim typisch chilenischen Frühstück: Brötchen, rote Marmelade, Schinken und Käse (die beide nach nichts schmecken), eine Art Stollen, Saft und Instant-Kaffee. Einfach, aber wir haben uns drüber gefreut. Gar nicht so sehr wegen dem Angebot, sondern wegen der Herzlichkeit der Gastgeberin. Das muss man einfach erlebt haben, dass kann ich nicht beschreiben.

Danach ging es mit vollem Gepäck in einem Taxi zur Zona Franca, dem Freihafen in Punta Arenas. Die beiden Geschäfte, von denen wir wussten das es Elektronik gibt, machten erst halb 11 auf und wir mussten 20 Minuten warten. Im ersten Laden sind wir auch fündig geworden: eine neue Kamera für mich. Canon EOS 600d inkl. Objektiv. Der Preis schien auch vernünftig. Dennoch ist Henny kurz in das andere Geschäft gegangen um Preise vergleichen. Dort gab es aber keine ähnlichen Modelle. In der Zwischenzeit hatte ich schon mal ein paar Grundeinstellungen der Kamera so wie ich sie will geändert. Meine neue Kamera und ich werden uns gut verstehen und eine Weltreise ohne Kamera geht unter keinen Umständen! 🙂

Henny wollte sich zwar an meiner Kamera „austoben“ und dagegen treten, aber das konnte ich nicht zulassen, da diese Kamera so viele schöne Momente für mich eingefangen hat. Da ich sie nicht im Laden lassen konnte – warum auch immer – legte ich sie behutsam in den nächsten Mülleimer. Meine Art mich von ihr zu verabschieden.. 😉

Direkt im Anschluss sind wir zum Busterminal gefahren. Es waren zwar noch 90 Minuten Zeit, aber noch mal durch die Stadt musste auch nicht sein. Wir hatten eh noch jede Menge zu tun mit Reisetagebuch schreiben und Fotos bearbeiten. Das geht auch wunderbar am Busterminal. Circa 12 Uhr, eine halbe Stunde vor der Abfahrt nach Puerto Natales, standen auch Christina und Angela vor uns. Eine schöne Überraschung! 🙂  Die beiden hatten zwei Tage zuvor eine bessere Fahrt von Ushuaia und waren jetzt ebenfalls auf dem Weg nach Puerto Natales.

Der Bus ist pünktlich gestartet und wir hatten gute Sitzplätze (voll Funktionsfähig) in der ersten Reihe – viel Platz und eine gute Sicht. Der gut gelaunte Busbegleiter, Pedro, hat auch seinen Teil zu einer guten Stimmung bei uns beigetragen. Mit einfachstem Spanisch – damit wir ihn auch verstehen – hat er Witze gerissen und uns so die Fahrzeit verkürzt. 🙂

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