Tag 97 bis Tag 101 – Punta Arenas –  Es tut so gut…

Am Dienstag hieß es dann wieder Bus fahren. Zurück nach Punta Arenas. Dort hatten wir uns eine Ferienwohnung rausgesucht, in der jeder ein eigenes Zimmer hatte. Das war mal wieder notwendig. In Puerto Natales selbst hatten wir so eine Unterkunft nicht gefunden und das meiste war auch teurer sodass es trotz Busfahrkosten (7000 Peso pro Person pro Strecke) günstiger war nach Punta Arenas zu fahren.

Da der Bus erst 12:30 Uhr los fuhr hatten wir genug Zeit in Ruhe zu frühstücken und alles zusammenzupacken. Ich brauchte auch deutlich länger zum packen, da meine beiden Rucksäcke kurz vorm reißen waren wegen Übergepäck. 🙂

Die 3 1/4 Stunden Busfahrt von Puerto Natales nach Punta Arenas vergingen wieder wie im Flug, obwohl wir die Strecke schon kannten. Die Landschaft wechselt von einer halbwegs bewaldeten Landschaft in eine kaum bewachsene Graslandschaft, Tiere gibt es die ganze Zeit über. Und gefühlt sieht die Strecke jedesmal anders aus, einfach wegen dem Himmel.

In Punta Arenas sind wir dann erst einmal zu unserer Airbnb-Unterkunft gelaufen. Der erste Kilometer verlief noch flach durch das Zentrum aber in der Zielstraße angekommen stellten wir fest, dass es 8 Blöcke bergauf ging. Mit vollem Gepäck (welches deutliches Übergewicht hat) alles andere als toll. In Kombination mit dem patagonischen Wind und der Sonne eine ganz schöne Schinderei. Zum Glück war dann das Haus gut zu finden. Der „Wachhhund“ bellte uns an und durch ein Fenster winkte ein kleiner Junge dass wir rein kommen sollen. Als wir das Gartentor öffneten, hörte der Hund auf zu bellen, schnaubte und ging. Er hat bestimmt andere Qualitäten als ein Wachhund zu sein. 😉

Die Besitzerin gab uns einen Schlüssel für das dritte und letzte Haus auf dem Streifengrundstück. Und dieses Haus war großartig. Neu eingerichtet und voll ausgestattet. Jeder hatte sein eigenes Schlafzimmer und es gab ein Wohnzimmer mit 2 Sofas und einer Küche mit Essecke. Perfekt zum entspannen.

Unser erste Weg führte zu zwei kleinen Tante-Emma-Läden in der Querstraße. Dort bekamen wir alles für Spaghetti Carbonara. Den restlichen Tag nutzte  jeder für sich auf seinem eigenen Sofa – und das tat richtig gut. 🙂 Am Abend hat uns der Besitzer Juan noch einen Stadtplan und ein paar Flyer vorbei gebracht. Ein echt toller Service. So konnte ich auch gleich noch nach Pfeffer fragen, denn eine Carbonara ohne Pfeffer geht nicht und wir hatten leider keinen. Gab es dann auch sofort. Er oder seine Frau arbeiten vermutlich beim regionalen Gesundheitsministerium, jedenfalls besaßen unsere Kaffeetassen die passenden Aufdrucke: meine bewarb ein Nichtraucher-Programm (fast einen Monat schon 🙂 ) und Henny seine erinnerte an Sonnenschutz. 🙂   Hätte nicht besser sein können. Auch die Nacht in einem Bett mit einer neuen Matratze tat richtig gut..

Am Mittwoch, dem 17. Januar, packten wir nach dem Frühstück erstmal alle Sachen zusammen auf einen Haufen die wir demnächst hier nicht mehr brauchen werden. Dabei wollten wir unter anderem folgendes in Sicherheit bringen: die dicken Jacken aus der Antarktis, warme Kleidung die wir ab demnächst länger nicht mehr brauchen, Henny seinen Poncho, meine 2 T-Shirts aus der Antarktis (ein normales und eines vom Polar Plunge), meine 2 voll geschriebenen Reisetagebücher, allgemeine Bücher und Landkarten sowie ein paar Mitbringsel.. Dabei stellten wir auch ziemlich schnell fest, dass das auch zu viel ist für ein Paket. Es würden also eher zwei werden. Danach sind wir ins Zentrum gelaufen um uns 2 große Kartons zu organisieren. Als erstes ging es in einen Supermarkt. Dort gab es auch große Kartons, allerdings war in scheinbar allen schon mal etwas geschimmelt. Wir nahmen von dort nur einen kleineren Karton mit der noch gut aussah und gingen dann von Geschäft zu Geschäft um zu fragen, ob sie 2 große leere Kartons für uns haben. Die Blicke waren schon ziemlich lustig, aber was will man machen.. In der Post selbst gab es nur kleinere Kartons und ich habe es eh nicht eingesehen Geld für Pappe zu bezahlen. Im 5. oder 6. Laden, eine Drogerie, ist eine Verkäuferin dann extra in das Lager, um uns erst einen und dann noch einen zweiten Karton zu holen. Das war echt toll. Mit viel Pappe und einem Essenseinkauf stiegen wir in ein Collectivo, die 1,5€ waren es Wert nicht wieder alles den Berg hoch tragen zu müssen. Die Kartons waren auch optimal, wir haben alles reinbekommen, was weg sollte und brauchten kein Füllmaterial. Die Kleidung war auch Polsterung genug. Leider hat eine Rolle Klebeband nicht gereicht, weil wir die Kanten der Kartons auch noch mit der Pappe des kleinen Kartons verstärkt hatten. Aber weiteres Klebeband können wir ja unten in der Stadt kaufen.

Am Abend konnten wir dann noch Wäsche waschen (war nach dem Besuch im Nationalpark auch echt notwendig 😉 ). Im Haus war auch Platz genug, die Wäsche aufzuhängen um den Trockner zu vermeiden. Zwischen zwei Stühlen haben wir unsere Wäscheleine gespannt und die Stühle mit den Paketen beschwert. 🙂

Am nächsten Vormittag ging es dann Richtung Post, mit dem Collectivo natürlich. Mein Paket war nicht nur groß und unhandlich sondern auch schwer. Und voll mit stinkender Kleidung. 🙂

Im Schreibwarengeschäft war zusätzliches Klebeband schnell gekauft und bei der Post war auch nicht so viel los. Als wir gerade noch das zweite Paket verkleben wollten, wies uns die Securitydame darauf hin, dass man Paket unverschlossen zum Schalter bringt. Außerdem sollten wir eine Nummer ziehen. Das mit dem unverschlossen kannten wir aus Valparaiso nicht. Nach kurzem Zögern haben wir deswegen weiter gemacht mit dem verkleben.

Die beiden fertigen Pakete.

Dann waren wir auch schon an der Reihe mit unserer Nummer 71. Zu erst mussten wir einen Zettel mit einer Inhaltsliste, Absender- und Empfänger sowie Grund des Exports ausfüllen. Das kannten wir schon und waren mit der spanischen Übersetzung aller Dinge in den Kartons vorbereitet. Vorbildlich sozusagen. Als wir die beiden Zettel abgegeben hatten, beratschlagte der Mitarbeiter sich kurz mit seiner Kollegin, markierte auf beiden Listen die Kühlschrank-Magnete und sagte uns, dass die raus müssen. Prima. Er drückte uns ein Cuttermesser, Schere und Klebeband in die Hand und schickte uns zum zweiten Mal weg. Als wir mit neu gepackten und verklebten Kartons zurück beim Schalter waren, übernahm seine Kollegin die weitere Bearbeitung.

8,14 Kilo weniger Übergewicht. 🙂

Und diese Frau hat unseren Respekt. In eine Intranet-Anwendung musste sie nicht nur die Stückliste samt geschätztem Wert abtippen, nein, es gab auch zu wenig Zeilen dafür und sie musste unsere Angaben sinnvoll zusammenfassen. Die Anwendung war auch nicht die schnellste und ziemlich oft konnten wir einem Ladebalken zuschauen. Das alles hat sie mit einer stoischen Ruhe gemacht, wir wären längst durchgedreht. Beim Wiegen der Pakete zeigte sich auch, dass ich mit einem Paketgewicht von 8,1 Kilo zwei Kilo mehr Übergewicht hatte als Henny. 🙂

Da sie meines nur kurz auf der Waage hatte fragte ich sie, ob sie es noch mal wiegen könnte für ein Foto. Hat die liebe Frau auch noch mit sich machen lassen. Fand ich wirklich total lieb von ihr. Ich hätte ihr auch gern Trinkgeld gegeben aber nachher fällt das noch unter Bestechung und das geht ja auch nicht. 😉 Jedenfalls waren wir nach 2 Stunden in der Post froh, dass alles geklappt hatte. Das tat echt gut das Zeug los zu sein. Mittlerweile war auch die Nummer 93 an der Reihe, das sagt alles, oder? 🙂

Im Supermarkt gab es dann noch einen Broiler, der fürs Mittag- und Abendessen reichte. Es war aber immer noch was über und so gab es für die Straßenhunde am Abend ein Essen bestehend aus Hühnchen, Schweinefleisch (2 Tage alte Reste) und trockenem Brötchenstückchen. Der erste Hund war zwar erst zurückhaltend, aber hat dann doch gefressen. Fuchur hätte nur 10 Sekunden für alles gebraucht und mich danach angeschaut ob ich noch mehr habe..

Gesunde Drinks im El Living.

Am Donnerstag Mittag ging es zurück nach Puerto Natales, da es keine direkten Busverbindungen von Punta Arenas nach El Calafate gibt. Den späten Nachmittag und Abend verbrachten wir in einem Café im Zentrum (El Living), welches uns Angela und Christina empfohlen hatten und welches ich auch nur empfehlen kann. Bei vegetarischem Essen (das selbst Henny ohne Murren und Knurren gegessen hat) und einheimischem Bier schrieb ich im Tagebuch und Henny beschäftigte sich mit 3 Jahre alten Zeitschriften über Computerkram.

Am Freitag, 20. Januar, klingelte um 6 Uhr dann der Wecker und Dreiviertel acht startete der Bus Richtung Argentinien, El Calafate – unser wohl vorerst letzter Aufenthalt dort..

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