Tag 133 bis 135 – Ambato

Lage von Ambato.

Am Mittwoch (22.02.2017) erreichten wir etwa 14:30 Uhr nach 2 Stunden Fahrt von Guaranda aus Ambato. Es war diesmal ein Highway mit etwas mehr Platz auf der Straße, was die Fahrt schon angenehmer machte. Kurz vor dem Ziel fragte mich Henny, warum wir eigentlich in diese Stadt wollten, aber ich wusste es auch nicht mehr.. Der Reiseführer widmete der Stadt eine ganze halbe Seite und bezeichnete diese als nicht touristisch, sondern als eine gewöhnliche ecuadorianische Stadt.. das war für uns Grund genug, 2 Nächte dort zu verbringen. 🙂

In der Stadt gab es auch keine Hostels oder etwas vergleichbares, sondern nur Business-Hotels. Eines davon hatte ein Angebot von 30 Dollar die Nacht mit Frühstück für uns beide zusammen. Das klang fair. Es wurde erwähnt, dass dieses Hotel 3 Sterne hat, aber nicht, dass es direkt an einer vierspurigen Hauptstraße liegt. Unser Zimmer in der 6. Etage – ohne Aufzug bei 2550 Metern ü.n.N – war zwar groß, aber der Lichtschalter im Bad war defekt und sowohl das Licht als auch der Lüfter liefen die vollen 2 Tage durch. Das sind also 3 Sterne in Ecuador. 😉  Aber ansonsten war es dort schon ganz gemütlich, nur eben ziemlich ziemlich laut durch die Straße.

Auf dem Weg zum Hotel kamen wir auch an einem Trabbi vorbei. Die Autos aus Pappe sind eben unkaputtbar. Leider fanden wir ihn nicht wieder für ein Foto, aber er wird bestimmt noch eine Weile dort oder in der Umgebung fahren. 🙂

Nach dem Check-In gingen wir erstmal los in Richtung Zentrum. Wir kamen bei einem Kolumbianer vorbei und entschieden uns ein verspätetes Mittagessen zu uns zu nehmen. Während wir dort saßen und aßen, fand auch gerade eine Lebensmittelkontrolle statt. Zwei Kontrollöre waren im Lokal und zwei bewaffnete Polizisten beobachteten von draußen die Lage – da hat wohl mal jemand schlechte Erfahrungen gemacht. 🙂  Am Ende der Kontrolle musste der Kolumbianer ein „Rauchen-Verboten-Schild“ aufhängen. Das geschah dann auch gleich in ausgedruckter Papierform. Wenn die keine anderen Probleme haben, haben die quasi keine. 🙂  Nach dem Mittag bestellten wir dort noch einen Kaffee, da wir während der Kontrolle die Worte „cafe pasado“ gehört hatten und uns das Hoffnung machte. Wir wurden auch nicht enttäuscht und bekamen einen richtigen kolumbianischen Kaffee mit einem süsslichen Nussaroma. Ein richtig richtig toller Kaffee! 🙂

Im Zentrum stellten wir fest, dass der Reiseführer nicht zu viel versprochen hatte. Auf dem Hauptplatz gab es einen elektrischen Touristenführer, bei dem man sogar die Anzeige auf Englisch umstellen konnte – nur ohne Effekt. 🙂  Und alles, was dort gezeigt wurde, war außerhalb der Stadt. Lediglich die „Fiesta de Frutos y Floras“ (das Früchte- und Blumenfest) war erwähnenswert für die Stadt direkt. Auf dem Rückweg gingen wir noch durch zwei typische Märkte – alles wie überall. Wir kauften auch ein paar Weintrauben und vergaßen, dass es ein Importprodukt ist. Somit bezahlten wir 4 Dollar für knapp 1kg Lehrgeld und waren echt baff, zumal die Weintrauben Kerne hatten.. 😉

Wieder im Hotel stellten wir fest, dass das nächste Geräte Auflösungserscheinungen hatte. Die Objektivverriegelung bei Henny seiner Kamera hing fest. Nur mit viel Geduld und beim 20. oder 30. Versuch konnte man das Objektiv losdrehen. Wir gingen in einen kleinen Elektroladen, welcher am Schaufenster hängen hatte, dass sie Kameras und andere Sachen reparieren. Dort ließ sich das Objektiv leider partout nicht lösen.. Zurück im Hotel brachte eine Google-Suche auch nur Worst-Case Szenarien zum Vorschein, z.B. Aufsägen der Kamera oder des Objektivs, wenn es gar nicht mehr geht. Das waren schlechte Nachrichten die wir nicht lesen wollten und die die Stimmung drückten. Wir probierten es quasi den ganzen Abend und irgendwann gelang es mir dann noch mal das Objektiv zu lösen. Das klebten wir hinten einfach ab da wir keinen Deckel dafür hatten. Für den Body hatten wir zum Glück durch meine neue Kamera einen Verschluss und damit wollten am nächsten Tag noch mal in dem Laden unser Glück versuchen.

Eine weitere Erkenntnis war das sehr sehr schlechte Internet. Da am nächsten Tag meine Mama Geburtstag hatte, wollte ich sie natürlich unbedingt anrufen und so schaute Henny mal genauer was da los war. Wir empfingen das WLAN von 3 Etagen und alle 3 Geräte waren mit dem Standardpasswort verstehen. So konnte Henny die Kanäle sinnvoller einstellen und dadurch war das Internet stabil genug für Facetime und Skype. Als er einmal dabei war hat er auch gleich das Admin-Passwort auf unserer Etage geändert – Lernen durch Schmerz.. 😉

In der Nacht war es ziemlich laut im Zimmer, da die Straße zu jeder Tageszeit sehr ausgelastet war. Somit waren wir auch gleich ganz früh beim Frühstück und danach rief ich meine Mama an. Kaum hatte ich sie am Telefon, verabschiedete sich Henny mit seiner Kamera – er wollte wohl lieber alleine in den Elektroladen um seine eventuell schlechte Laune nicht an mir auszulassen.. Der Mann im Laden löste ein paar Schrauben am Bajonett-Verschluss (während er kaute) und versuchte dann den Metallring mit einem Buttermesser heraus zu hebeln. Das ganze war erfolglos und so sagte er nur zu Henny, dass die Kamera tot ist. Dann ging es zu einem empfohlenen Einkaufszentrum, aber dort gab es nur Kühlschränke und Fernseher und so kaufte Henny stattdessen lieber einen Schraubenzieher auf dem Rückweg um es selbst auch noch einmal zu versuchen. Beim Anschauen von Videos stellten wir fest, dass man zum Öffnen des Gehäuses hinten anfangen muss und auch eine abgewinkelte Pinzette braucht – das war der Moment indem Henny dann wieder aufhörte. Henny fragte „das Internet“ sowie meinen Bruder und einen anderen Freund und danach gingen wir los um WD40 zu kaufen und fanden auch tatsächlich in einem Laden für Lager verschiedener Größen das Wundermittel. 🙂

Um eine ruhige Hand zu bekommen, mussten wir erst mal etwas essen. Am Vortag hatten wir einen Cubaner entdeckt – das Essen war zwar nicht kubanisch, aber es schmeckte und wir konnten ein paar Zahnstocher für die Reparatur einstecken. Den Kaffee danach gab es wieder beim Kolumbianer..

Da braucht man starke Nerven und ruhige Hände.

Im Hotel probierten wir das auch gleich: die Zahnstocher-Spitze mit WD40 einsprühen und damit eine kleine Menge in das Gehäuse einbringen. Es hat funktioniert, die Verriegelung arbeitet wie am ersten Tag. 🙂 Und auch wenn die Kamera schon längst ihren Zenit überschritten hat und es nur eine Frage der Zeit ist, es ist toll dass wieder alles geht, gerade weil wir hier schlecht Ersatz bekommen würden..

Am Nachmittag wollten wir noch ein paar Fotos von der Stadt machen, aber gerade als wir vor die Tür traten, fing es an zu regnen und eine große dunkle Wolke ließ keinen Grund für Zuversicht. Also wieder ins Hotelzimmer und weiter am Blog arbeiten. Erst gegen 17:00 Uhr klarte der Himmel auf und wir konnten noch mal raus. Der Park in der Nähe erwies sich zwar als Betonwüste, bot trotzdem ein paar Motive.

Zum Abendessen gab es wieder Salami und Käse aus Salinas. Und auch wenn wir jetzt Salami und Käse haben die schmecken, hier gibt es nur süße Kuchenbrötchen und das passt irgendwie auch nicht zusammen. Aber Ananas und Bananen gibt es ja auch noch.

Da uns das ecuadorianische Bier nicht so geschmeckt hat entschieden wir uns zur Feier des Tages beim Kolumbianer ein Bier zu kaufen. Das war deutlich besser als das ecuadorianische, aber ich werde trotzdem kein weiteres kaufen. 😉

Die Nacht war dann auf Grund des Lärms wieder weniger erholsam und so waren wir schon um kurz nach 8 Uhr beim Frühstück – um uns herum Schlipsträger. 🙂  Da der Check-Out bis 12 Uhr war und unser nächstes Ziel Quito nur 2 1/2 Stunden entfernt war, blieben wir noch bis kurz nach 11 Uhr auf dem Zimmer. Dann ging es die 10 Minuten zu Fuß zum Busterminal und dort ging es auch wieder direkt weiter..

Tag 132 und 133 – Das Bergdorf Salinas

 

Lage von Salinas.

Durch Zufall entdeckten wir in unserem aktuellen Reiseführer einen kleinen Absatz zum Bergdorf Salinas. Das Dorf selbst liegt auf 3550m Höhe eingebettet in eine grandiose Landschaft und ist außerdem in ganz Ecuador bekannt für seine Schokoladen-, Käse- und Wurstspezialitäten. Das klang so, als müsste man da mal hin. 🙂 Die üblichen Reiseportale wie Hostelworld oder Booking.com kannten den Ort nicht, aber im Reiseführer stand die Mailadresse einer kleinen Pension. Die hatten wir schon zwei Tage vorher angeschrieben und auch gleich eine Antwort bekommen – wir sollen einfach vorbei kommen, die haben Platz..

Pünktlich 11:30 Uhr startete auch unser Bus nach Guaranda, der Hauptstadt der Provinz Bolívar (von dort fahren dann Busse weiter ins 35 km entfernte Dorf Salinas). Auf den ersten paar Kilometern lief im Bus schreckliche elektronische Musik – wir glauben dass das zumindest zum Teil eine Erklärung für die Fahrweise ist…

Eine Stunde später überquerten wir, erst im Niesel- und dann im Schneeregen, einen Pass auf knapp 4400 Meter Höhe. Oben auf dem Pass gab es auch ganz viele Vicuñas zu sehen. Die Bergabfahrt selbst war dann wieder, naja, sagen wir ecuadorianisch. Ich hab Spanischvokabeln wiederholt und neue Lektionen von Babbel gemacht, da ich nicht aus dem Fenster schauen wollen – was echt selten vorkommt. 😉

Ganz schön weit oben.

In Guaranda wurden wir am Marktplatz abgesetzt und fragten jemanden, wie es zum Busterminal geht. Der Beschreibung folgten wie 2 Blöcke, bis uns aus einem Bus heraus jemand fragte, wo wir hinwollen – ich sagte Salinas, aber da konnte er uns nicht helfen. Dafür hat ein ca. Zwanzigjähriger das Gespräch mitbekommen. Busse fahren wohl nicht so viele am Tag, aber dafür jede Menge „Sammeltaxis“. Diese starten vom Marktplatz aus, also lotste er uns wieder dahin und kam sogar noch einen Block mit. Am Marktplatz entdeckten wir dann auch einen Pickup auf dessen Plane „Salinas“ stand. Wir fragten den Fahrer und der deutete uns an hinten auf die Ladefläche aufzusteigen. Hihi, das klingt nach Spaß. 🙂
Es sah auch spektakulär aus wie Henny mit seinen 1,85m auf die Ladefläche kletterte um das Gepäck entgegen zu nehmen und sich dann auf die Bank zu setzen, die für Menschen mit 1,50m Körpergröße gebaut waren. Die vier Schulkinder, die schon auf der Ladefläche saßen, schauten uns auch an und tuschelten. 🙂 Kaum war ich auch drauf und hatte mich durch den Gepäckberg zu einem Sitzplatz gekämpft, ging es auch los. Am Ortsausgang stieg dann noch eine Mutter mit ihrem Jungen zu und beide setzten sich auf die Klappe der Ladefläche und aßen ihr Essen weiter, die Mutter hielt noch einen Kuchen fest – wir hatten mit Festhalten von uns und unserem Gepäck genug zu tun. 😉

Irgendwann waren alle ausgestiegen. Dem Fahrer signalisierte man übrigens entweder durch Klopfen an den Fahrerraum oder durch Pfeifen dass man aussteigen wollte. Aber wir wollte ja sowieso bis zum Ende fahren, also machten wir uns erstmal breit bis erst zwei kleine Mädchen und dann noch eine Frau mit zwei Eimern zustieg. Nach knapp mehr als 30 Minuten war dann Salinas erreicht. Die Fahrt hatte 2 Dollar für uns beide gekostet gekostet und ich bin mir nicht sicher ob wir nicht für 4 Personen bezahlt haben, da unsere Rucksäcke den Platz von mindestens 2 Personen blockierten. Ich hätte Verständnis. So oder so, viel Spaß für wenig Geld. 🙂

Mit dem Gepäck gingen wir zum Hostel und dort konnten wir auch gleich in ein Zimmer einchecken. Vom Balkon auf 3570m aus hatten wir eine super Sicht über das kleine Dorf und auf die Berge, zumindest soweit es der Nebel zuließ. 🙂 Wir nahmen unsere Kameras und gingen direkt zum Marktplatz, auf dem die Vorbereitungen für den Karneval liefen. Eigentlich lief nur ohrenbetäubende Musik und ein paar Menschen spielten auf dem Platz Volleyball. Also holten wir uns erstmal einen Fleischspieß vom Grill und kaum hatten wir den in der Hand, fing es an zu regnen. Wir stellten uns zu den Einheimischen unter. Nur ein paar Jugendliche auf dem Marktplatz juckte das Wetter nicht, die spielten weiter Volleyball oder besprühten sich gegenseitig mit Schaum.
Das nächste Ziel war der lokale Fleisch- & Käseladen, für den das Dorf bekannt ist. Wir durften 4 Sorten Käse testen und eine Sorte Schinken. Alles schmeckte nach etwas 🙂 Die Salami durften wir nicht probiert – kauften wir dann nach Geruch trotzdem, zusammen mit einem Pfund Käse. Die Salami war tatsächlich die beste Wurst in ganz Südamerika – für Thüringischer Verhältnisse Mittelmaß aber für hier echt toll. 🙂

Wir gingen dann noch zur Markthalle um Hühnchen mit Pommes und Salat von einer Oma zu kaufen und dann zurück zum Marktplatz wo der Fasching startete. Jedenfalls hatten die Leute aufgehört Volleyball zu spielen und viele Menschen waren da und Kinder besprühten sich mit Schaum aus der Dose. Da so richtig aber noch nichts los war und es immer noch tröpfelte, ging es zurück zum Hostel.
Kaum im Hostel angekommen schüttete es draußen auch wie aus Eimern. Wir entschieden uns nicht noch mal raus zu gehen, sondern stattdessen den Abend vor dem Kamin zu verbringen. 🙂

Am nächsten Morgen, Mittwoch den 22.02.2017 hatte es zum Glück aufgehört mit regnen und wir konnten nach dem Frühstück noch auf einen kleinen Berg 100 Meter oberhalb des Dorfes gehen – auf 3630 Metern ging es langsamer voran, aber wir kamen trotzdem an und hatten eine tolle Aussicht. 🙂

Bei Salinas in den Anden in Ecuador.

Wieder unten im Dorf ging es noch mal zum Dorfladen, um noch eine Salami zu kaufen. Kurz nach 11 Uhr saßen wir wieder im Sammeltaxi/Pickup und es ging zurück nach Guaranda, von wo aus 12:30 Uhr unser Bus nach Ambato startete. Das Busterminal hatten wir nach 10 Minuten durch die Stadt auch gefunden. 😉

Tag 128 bis 132  – Guayaquil und Riobamba

Die Busfahrt von Montañita nach Guayaquil kostete 6 Dollar pro Person und war nach 3 Stunden vorbei. Diesmal war der Bus voll mit Touristen (in dem Bus von Guayaquil nach Puerto Lòpez waren wir die einzigen Weißgesichter 😉 ) und fuhr die meiste Zeit über eine vierspurige Bundesstraße. Die Klimaanlage lief, die Fenster blieben geschlossen und fliegende Händler gab es auch keine.. Wer sich lieber unter das einheimische Volk mischen will, sollte also eher über Jipijapa fahren..

In Guayaquil checkten wir so gegen 14 Uhr in unser Hostel ein und der Rezeptionist bot uns ein kostenloses Upgrade an, welches wir natürlich auch annahmen. 🙂  Das Zimmer war auch groß und verfügte sogar über eine Küchenzeile. Die Küche hatte zwar abgesehen von einem Reiskocher keine Ausstattung, aber wir haben ja Becher und Besteck bei uns im Gepäck.

Wir nutzen den restlichen Nachmittag um in verschiedenen Läden noch nach einer italienischen Kaffeemaschine zu suchen. In einem Laden ähnlich einem IKEA fanden wir auch so ein Teil. Leider stand nur noch eine da und die war unvollständig. 🙁

Wir waren total genervt von der Stadt und den Einkaufszentren, der Lautstärke und dem Lärm sowie der Hitze und der schlechten Luft. Also entschieden uns, es sein zu lassen und waren gegen 18 Uhr zurück in der Unterkunft. Außer Spesen nix gewesen. 😉

Lage von Riobamba.

Am Freitag, dem 17.02.2017, frühstückten wir in Ruhe eine Ananas und ein Marmeladenbrötchen, bevor wir uns zum Busterminal begaben. Dort verkauften uns um 10:30 Uhr zwei offensichtlich genervte junge Frauen (wir hielten sie von ihren Smartphones ab) Bustickets nach Riobamba für den Bus um 10:30 Uhr… Im Laufschritt ging es dann in die zweite Etage zum Parkplatz 81, wo glücklicherweise auch noch der Bus stand.. Die folgenden 5 Stunden Fahrt waren nervenaufreibend. 

 

Die Fahrweise der Busfahrer ist im Flachland teilweise schon furchtbar, aber bei den Andenpässen hört der Spaß auf. Bergauf und Bergab wurden andere Busse und LKW’s überholt. Ohne Sicht, sei es durch Kurven oder durch Nebel, auf 3600 Meter Höhe. Das macht man einfach nicht.

Bremsen – Gas gegeben – bremsen – mehr bremsen – Gas geben um voll in die Kurven zu gehen, hinter denen es hunderte Meter Berg ab geht. Und das alles bei Regen in einem uralten Bus und keine Leitblanken zwischen der Straße und dem Abgrund. Adrenalin pur.

Während der Fahrt kam es auch fast noch zu einen Aufstand im Bus. Durch den starken Regen hatte es einen Erdrutsch gegeben und so fehlten ein paar Hundert Meter Straße. Dort waren Baufahrzeuge damit beschäftigt die Straße wieder freizuschaufeln und wir mussten warten. Als wir dann noch von einem anderen Bus beim warten überholt wurden, riefen viele „vamos“ und wurden teilweise sehr sehr ungemütlich. Die hatten bestimmt noch einen furchtbar wichtigen Termin und mussten irgendwo PÜNKTLiCH ankommen. 😉

Zum Glück war irgendwann dann auch Riobamba erreicht. Mit einem Taxi ging es zur Unterkunft und dort wurden wir echt überrascht. Wir hatten ein ganz luxuriöses Apartment für uns, wobei wir das gar nicht so gebucht hatten. Zwei Zimmer, ein eigenes Bad und eine vollausgestattete Küche (Kaffeemaschine und Saftmixer waren auch da). Und das allerbeste: eine richtige Bettdecke (und nicht nur ein Lacken und Mollidecken)!! Perfecto. Der erste Eindruck war auch, dass Riobamba deutlich leiser ist als Guayaquil. Außerdem war das Klima auf 2700 Meter angenehmer. Zwar hatten wir seit der Passüberquerung beide leichte Kopfschmerzen und Henny hatte wohl auch weniger Luft zum Atmen, aber wir machten alles etwas langsamer und dadurch ging es. Wir gingen jedenfalls erst einmal los um Milch für den Kaffee zu besorgen. Der nächste Laden, der Milch hatte, war keine 50m links von der Haustür entfernt, aber wir gingen nach rechts und so endete es schon in einer kleinen Stadtbesichtigung. Aber eine angenehme Stadt.

Nachdem die Kaffeesucht gestillt war ging es noch mal richtig los um das Zentrum zu erkunden. Wir kauften auch gleich nochmal Milch und Früchte für den Shaker und fanden durch Zufall auch einen Laden mit der so lange gesuchten Kaffeemaschine im Schaufenster – die wollten wir am nächsten Tag dann kaufen. 🙂  Da unser „Anwesen“ sehr zentral lag und Riobamba relativ übersichtlich ist, waren auch alle wichtigen Punkte zu Fuß zu erreichen. Abends gingen wir dann nur noch mal einen Block weiter, um für 5,25 Dollar für uns beide zusammen ein leckeres Abendessen zu bekommen. 🙂

Unser Reiseführer – wir haben jetzt einen aktuellen von 2015 – verriet uns, dass am Samstag auf einem der vielen Märkte der Stadt ganze Schweine gerillt werden. Das war dann auch am 18.02.2017 nach dem Frühstück (mit einem Erdbeermilchshake) unser erster Weg. Im Markt Merced gab es Obst und Gemüse (wir kauften Litschi, Brombeeren, Ananas, Papaya und Pitahayas 🙂 ), Fisch und Fleisch und in einem extra Bereich waren ca. 15 Stände, hinter denen jeweils 2 Frauen um mögliche Kunden für ihre Schweinestücke warben. Kaum hatten wir diesen extra Bereich betreten, wurden wir von vielen Seiten angewunken und angesprochen. Das war uns schon ein wenig unangenehm, aber wir gingen zu dem einen Stand. Dort probierten wir erst ein Stück und teilten uns dann eine Portion Mote (Mais) mit gegrillten Schweinefleisch. Über ein paar Umwege (wir wollten zur Touristeninfo aber die hatte schon geschlossen und ich suchte ein neues Reisetagebuch, konnte aber keines finden) ging es zurück zum Anwesen um das Obst wegzubringen. Bei unserer Unterkunft gab es auch eine Sprachschule und dort traf ich durch Zufall eine Mitschülerin aus der Sprachschule in Valparaiso von vor 4 Monaten wieder – die Welt ist klein. 🙂

Wir quatschten ein wenig miteinander und gingen dann wieder in die Stadt – zu insgesamt 3 Märkten. Der erste gemauert und überdacht und es gab eigentlich alle lokalen Produkte. Die eine ältere Dame hob gerade ein Tagebuch auf ihren Rücken und es sah für einen Moment so aus als würde sie hinterher fliegen. Ich wollte ihr helfen aber das war überflüssig – sie macht das bestimmt schon seit 90 Jahren und brauchte meine Hilfe nicht… Einfach Unglaublich was die alles tragen können..

Der nächste Markt war nur überdacht und dort wurden überwiegend verschiedene Getreidesorten verkauft, welche in Deutschland schon teilweise in Vergessenheit geraten sind. Außerdem gab es Honig – da musste ich einfach einen kleinen Napf mitnehmen – den kann man ja auch löffeln. 🙂  Davor gab es noch eine Kokosmilch und dann ging es zum Markt.

Endlich wieder in den Anden.

Auf dem Weg dahin liefen wir irgendwann durch eine Straße, in der gerade ca. 10 Busse parkten und es voll war mit Militär ausgestattet mit Gewehren und Nahkampfwaffen. Das war schon komisch und wir redeten uns ein, dass die nur zum Shoppen hier sind.

Auf einem Marktplatz vor einer der vielen Kirchen fand dann auch gerade der Wochenmarkt statt. Hätten wir uns nicht schon jeder mit einem Poncho eingedeckt, hätten wir hier einen gekauft. Es gab auf dem Markt alles an lokaler und traditioneller Kleidung und auch einfach nur Stände mit Stoffen. Ein paar Stände weiter konnte man sich dann direkt das gewünschte Nähen lassen.. Während wir dort lang liefen hörten wir auf einmal den Klang von Trommeln und mussten erstmal schauen was so los ist..

Das mit dem Militär klärte sich auch auf, denn als wir wieder zurück in unserem Anwesen waren, lernten wir auch die Besitzer kennen. Wolfgang ist aus Deutschland, seit 25 Jahren mit einer Ecuadorianerin verheiratet und lebt deswegen auch hier. Er erzählte uns, dass für die Präsidentschaftswahlen am nächsten Tag aktuell alles vorbereitet wird und diese Vorbereitungen werden eben hier so geschützt. Mathias hatte außerdem eine ganze Bananenstaude gekauft, da war ich schon neidisch. Ich möchte irgendwann auch mal eine besitzen, am besten eine mit den ganz kleinen Bananen, die sind besonders lecker. 🙂  Wir aßen also Bananen und unterhielten uns derweil über Rouladen und Bratwürste und andere leckere Sachen die es hier einfach nicht gibt bis wir sabberten – dann ging es zum Abendessen: Reis mit irgendwas – war auch gut. 🙂

Einen eigenen Shaker für Säfte. 🙂

Den Sonntag starteten wir gemütlich und nutzten die Zeit vor allem, um mit unseren Familien zu telefonieren. Außerdem quälten wir den Saftmixer. 🙂  Kurz nach 14 Uhr machten wir uns auf den Weg zu einen der kleinen „3$-Restaurants“, welches im Reiseführer erwähnt wird. Nach ein wenig mehr als einem Kilometer durch die Stadt wurden wir leider enttäuscht – das Lokal war zu. Durch die Mittagssonne, die auf der Höhe auch ganz schön stark ist, ging es dann zurück in Richtung Zentrum. Auf dem Weg kamen wir an einigen kleinen Restaurants vorbei, doch entweder sie waren total überfüllt oder sie sagten uns aus irgendeinem Grund nicht zu. Auch am Mercado Merced war Hochbetrieb und Schwein wollten wir auch nicht schon wieder.. Letztendlich ging es dann zu „Happy Pollo“ – einem Glücklichen Hühnchen kann man nicht widerstehen. Dort teilten wir uns eine Portion Huhn mit Pommes. Am Ende so etwas wie KFC nur deutlich deutlich besser. Danach ging es wieder in unser Anwesen, Fotos sortieren und ein wenig am Blog arbeiten und erst am Abend ging es erneut vor die Tür wegen Nahrungssuche. Zu unserer Überraschung war auf den Straßen nichts los – wir hatten angesichts der Präsidentschaftswahlen und der Militärpräsens am Vortag eine andere Erwartungshaltung. 🙂   Die Stadt wirkte um 20 Uhr allerdings quasi ausgestorben.

Für den Montag, 20.02.2017, hatten wir eigentlich den Besuch eines Fasching-Umzugs in Guaranda, ca. eine Stunde mit dem Bus entfernt, geplant. Genauer gesagt wollte Henny da unbedingt hin, denn da der Umzug 9 Uhr starten sollte, bedeutete das, dass 7:30 Uhr der Wecker klingelt und ich bin nicht so ein Faschingsfan. Umso glücklicher war ich dann, dass Henny nicht aufstehen wollte als der Wecker klingelte. 😉  Da sich 2 Stunden später die Fahrt auch nicht mehr lohnte, nutzten wir den Vormittag um Henny seine Haare mit einer stumpfen Küchenschere auf der Dachterrasse mit Blick auf Chimborazo zu schneiden. 🙂

Gegen Mittag versuchten wir dann nochmal unser Glück bei der Touristeninfo, denn wir wollten in Erfahrung bringen, wie man am besten zur Laguna de Colta kommt. Ein junger Franzose, der dort gerade arbeitete, verwies uns an einen Tourenanbieter eine Querstraße weiter. Da diesmal die leider geschlossen hatten hielten wir einfach ein Taxi an und fragten, wie viel eine Fahrt zur Lagune kosten sollte. Acht Dollar fanden wir für die halbe Stunde Fahrt mehr als ok.

Die Laguna de Colta liegt auf 3300 Meter Höhe und dient vermutlich eher Einheimischen für einen kurzen Wochenendausflug. Jedenfalls waren wir die einzigen Besucher – aber es gab einen Wachmann, der die 1,20 Dollar Eintritt kassierte. Von der Lagune hat man bei guten Wetter eine schöne Sicht auf den Chimborazo, den höchsten Berg Ecuadors welcher auch auf dem Wappen abgebildet ist, aber wir hatten nicht das richtige Wetter dafür, denn es war bewölkt und tröpfelte auch ein wenig.

Nach einer Stunde sind wir dann zurück an die Hauptstraße, wo wir direkt einen Bus anhalten konnten welcher uns beide für 1 Dollar nach Riobamba mitgenommen hat. Hand raus und schreien wo man hin will – mittlerweile habe ich es raus. 🙂  Henny sprang als erster auf und kaum war ich im Bus beschleunigte der Fahrer auch schon wieder. Ich konnte das Gleichgewicht halten, musste aber zuschauen, wie Henny auf eine Ecuadorianerin fiel. Zum Glück ist weder ihr noch Henny was passiert.

Am Dienstag nutzen wir zum Frühstück noch einmal den Mixer für Pitahaya-Saft und nach einer langen Verabschiedung von unserer Gastgeberin waren wir 10:45 Uhr am Busterminal von Riobamba. Der erste Bus nach Guaranda, der uns angeboten wurde, sollte 14:30 Uhr fahren. Ein paar Schalter weiter startete einer 11:30 Uhr – das passte uns besser..
Ach ja, seit 2 Monaten Rauchfei – hier ist alles möglich. 😉

Tag 126 bis 128 – Montañita

Lage von Montañita.

Nach knapp einer Stunde Fahrzeit und 2,5 Dollar pro Person erreichte der Bus von Puerto Lopez dann Montañita. Der Ort  ist ebenfalls ziemlich klein und unter Surfern als Paradies bekannt durch die grandiosen Pazifikwellen.

Wir wurden mitten an der Hauptverkehrsstraße rausgelassen und unsere Navigationsapp kannte die Adresse von unserem Hostel nicht. Deswegen hielten wir ein Taxi an, welches uns 300m weiter wieder raus ließ.. 🙂

Unser Zimmer musste noch gereinigt werden und so stellten wir nur unser Gepäck ab und gingen erstmal ins Zentrum. Dieses besteht eigentlich nur aus Restaurants, Modeläden, Hostels und Bars. Auf den Straßen selbst stehen noch kleine Stände, an denen man Andenken kaufen kann sowie Hütten mit 1-2 Tischen davor, bei denen es Säfte, Toast, Omelettes, Obstsalat und Crêpes mit Nutella gibt. Der Rest der Straße ist überschwemmt mit jungen, leichtbekleideten Leuten – abwechselnd mit Surfbrett oder Bier in der Hand. So oder noch schlimmer ist es wohl auf Ibiza oder Malle, Orte die ich meide. Aber gut, jetzt wo wir schon mal hier sind machen wir das beste drauß.

Zum Glück gab es auch einen Comedor mit einem Mittagessen für 3€, welches auch wieder super lecker war.

Wieder zurück im Hostel konnten wir einchecken. Das Grundstück vom Hostel war sehr groß und so mussten wir 2 Minuten durch den Garten laufen – vorbei an einem See mit Leguanen und einer Wiese mit Gänsen – bis das Haus mit unserem Zimmer in der ersten Etage erreicht war.

Das Zimmer war im Vergleich zum Vorherigen richtig geräumig und vor dem Zimmer hingen 2 Hängematten für uns. Perfekt oder zumindest fast perfekt, denn es gab leider keine Moskitonetze über den Betten (Fotos auf Booking.com hatten das suggeriert) und wir waren mittlerweile zerstochen genug und waren es Leid. Nach einer kalten Dusche gingen wir deswegen zurück ins Zentrum um selbst eins zu kaufen. Im dritten Laden, in dem wir fragten, wurden wir nach oben geschickt in eine Wohnung. Dort war der Wohnraum umfunktioniert in einen Verkaufsraum (und nebenan war die Küche der Familie in der auch gerade gekocht wurde) mit Stoffen und Moskitonetzen. Einmal im Shoppingrausch suchten wir auch nach einer kleinen italienischen Kaffeemaschine für den Herd, aber auch als uns ein Einheimischer zu einem Laden geführt hatte, blieb die Suche erfolglos.Stattdessen sahen wir eine Wäscherei und brachten dort auch gleich noch unsere Wäsche vorbei. Diese sollte am nächsten Tag zur gleichen Zeit fertig sein – wie eigentlich überall bisher.

Steht’s bemüht. 🙂

Zurück im Hostel versuchten wir dann mit einer Wäscheleine das Moskitonetz aufzuhängen.. aber was soll ich sagen, so richtig wollte das nicht klappen. Henny brachte Erklärungen und Gründe warum es nicht funktioniert, ich würde sagen wir haben einfach andere Qualitäten – und die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. 🙂

Am Abend gingen wir noch mal ins Zentrum und fanden was ich befürchtet hatte – eine Partystadt. Jeder Laden versuchte seine Musik noch lauter als die anderen zu spielen und aus den Saftständen waren Coctailstände geworden: statt importierter Nutella gab es jetzt Importschnaps. Etwas Außerhalb des Troubels fanden wir aber eine Bar mit Livemusik. Der erste Künstler spielte Nirvana, The Doors und Bob Marley auf seiner Gitarre – kann also gar nicht besser sein. 🙂  Irgendwann checkten wir auch, dass die anderen 4-5 Gäste keine Gäste waren sondern auch Musiker die dann auf spanisch weiter machten mit Texten wie „Montags bekomme ich Depressionen“. Das war die richtige Bar für uns, auch wenn wir Montags keine Depressionen bekommen. Meist wissen wir nur welcher Monat gerade ist. 😉

In der Nacht zum Mittwoch konnte ich auch wieder beruhigter schlafen, denn ich hatte keine Kakerlaken gesehen – wahrscheinlich fressen die Leguane auf dem Grundstück alle die kommen wollen. Mein nächster Besuch im Kakerlaken verseuchten Gebiet wird wohl nur mit meinem privaten Leguan-Bodyguard sein. 🙂

Am Mittwoch überlegen wir jedenfalls beim Frühstück, was wir mit dem Tag anfangen wollten, denn geplant hatten wir bisher nichts und wir wollten auch zumindest einen halben Tag entspannen. Das einzige was in Frage kam waren die Wasserfälle „Dos Mangas“, welche sich jedoch bei genauerer Betrachtung als 5-6  stündige Wanderung herausstellten – war dann doch keine Option. 😉  Also nutzen wir den Tag komplett zum Entspannen.

Henny ging erstmal alleine zum Strand, denn mein Bikini war noch bei der Reinigung und was anderes von der weniger Kleidung in meinem Kleiderschrank wollte ich auch nicht einsauen mit dem Salzwasser. Stattdessen widmete ich mich erstmal dem Reisetagebuch und dann meinem Blog bis Henny etwa eine halbe Stunde später wieder kam – rote Fahnen sowie Wellen von 2 Meter Höhe inkl. einer starken Strömung waren wohl auch nicht so das Wahre – Surferparadies halt.

Halb drei gingen wir in die Stadt, da Henny Hunger verspürte. Für ihn gab es eine Suppe und für mich einen der leckeren frischen Säfte. An diesem Stand erspähten wir Suchtis auch eine Filterkaffeemaschine und ich fragte ganz verlegen ob der ihr Kaffee aus dieser Maschine kommt.. Wenn wir „Café pasado“ (soviel wie „Kaffee veraltet“) bestellen schon.. kurze Zeit später hatten wir auch jeder eine Tasse schwarzes Glück auf dem Tisch stehen. 🙂

Die Wäsche war dann auch fertig, aber wir mussten trotzdem noch mal zurück zum Hostel, da ich den Abholschein vergessen hatte mitzunehmen. Aber so konnte ich auch gleich noch meine Kamera holen für ein paar Bilder des Ortes. Denn bisher hatte sich unsere Motivation mit Fotos machen hier in Grenzen gehalten..

Etwa 17 Uhr war es dann bewölkt. Ideales Wetter um noch mal zum Strand und Baden zu gehen. Nach einer halben Stunde im Wasser bei laut Henny noch stärkerer Strömung als am Vormittag und etlichen Nasenduschen gingen wir zurück zum Hostel. Das war vielleicht das letzte Mal Pazifikküste von dieser Seite – Auf dieser Reise versteht sich. 😉

Nach dem Duschen sortierten und bearbeiteten wir weiter Fotos und machten dabei folgende Erfahrung: es ist besser keine 2 Notebooks an der gleichen Steckdose mit einer Spannung von 110 Volt zu laden – es roch leicht verschmort und an den Kontakten des Adapters konnte man sich verbrennen. 120 Watt waren zu viel. 🙂

Am Donnerstag sollte es zurück nach Guayaquil gehen, als Zwischenhalt auf den Weg nach Riobamba. Wir wollten uns langsam an das Hochgebirge gewöhnen. Nach einem Frühstück am Stand mit der Kaffeemaschine 😉 bestehend aus Kaffee und einem leckeren Omelett ging es um 11 Uhr mit dem Bus los.

Tag 124 bis 126 – Puerto López

 

Lage von Puerto López.

Als nächstes sollte es an die Küste gehen. Also auf nach Puerto López, ein kleines Fischerdorf direkt am Pazifik.

Die Busfahrt von Guayaquil aus ging über Jipijapa (ausgesprochen Hippihappa 😀 ), dauerte 5 Stunden und kostete 5,5$ pro Person. Das Ticket kann man in Ecuador nicht online kaufen, sondern man muss zum Schalter. Das ist an sich auch total einfach, wenn man erstmal weiß wie und wo. Das Land wird (zumindest im Busterminal in Guayaquil ) in Regionen unterteilt und diese Regionen dann noch mal in Orte/Gemeinden und dafür gibt es dann Schalter. Wir mussten dann auch nur 10 Minuten auf dem Bus warten, das war super.

Während der Busfahrt nach Puerto López stiegen immer wieder fliegende Händler zu. Von einem kauften wir ein Stück Bananen-Maracuja-Irgendwas Kuchen. Der war richtig saftig und fruchtig und wäre der Verkäufer nicht schon weg gewesen, hätte ich auch noch einen kompletten Kuchen bei ihm gekauft. 🙂  Einem anderen kauften wir eine warme frittierte Bananenteig-Tasche mit Fischfüllung ab. Auch da waren wir uns nicht sicher, was so drinnen war – Hauptsache lecker und es war super lecker. 🙂

Der Bus selbst hatte keine Klimaanlage und da wir direkt hinter dem Fahrer saßen und sich da das Fenster öffnen ließ hielt ich während der Fahrt auch immer mal den Kopf raus – Aussicht und Fahrtwind genießen. 🙂  Der Fahrer hat mich dann auch im Seitenspiegel gesehen, gelacht und gewunken. 😉

Unser Bus erreichte dann 17:30 Uhr die Küstenstadt Puerto López.

Freiheit. 🙂

Mit einer Art Motorrikscha und insgesamt 4 Personen (einer sprang während der Fahrt noch vorne beim Fahrer auf) an Bord ging es dann in Richtung Zentrum zum Hostel Heidi. Das Hostel liegt direkt am Strand bzw. am Fischmarkt. Das Zimmer war klein, aber gut. Das Wasser in der Dusche hatte die Außentemperatur, es gab auch nur einen Wasserhahn, aber das war auch gut. Zum Abendessen versuchten wir erst einen Spieß mit gegrillten Würstchen und waren froh, erstmal nur einen gekauft zu haben. 😉

Am Strand gab es dann einen Obstsalat sowie frischen Saft mit Eiswürfeln und das war dann schon deutlich besser.

Als wir uns am Abend schlafen legen wollten, entdeckte ich jedoch eine ziemlich große Kakerlake, die sich unter dem Bett versteckte. Wir bewegten das Bett ein wenig hin und her und irgendwann krabbelte das Vieh flink unter der Tür durch. Über Nacht ließen wir dann das Licht an, denn ohne wollte ich nicht schlafen. Das Vieh war 4-5 cm groß und ich wollte nicht das er oder seine Freunde/Verwandten wieder kommen. Auch auf den Osterinseln gab es Kakerlaken, aber die hier in dem Ort bei dem Klima sind schon noch mal eine andere Nummer.. Zum Glück hatten wir noch Augenmasken aus einem der letzten Flugzeugaufenthalte..

Puerto López – Lokales Frühstück mit fritierter Banane.

Den Montag (13.02.2017) starten wir mit einem lokalen Frühstück, bestehend aus: Instant Kaffee (warum nur ?!?), Rührei, Erdnusspaste und frittierter Banane ohne Füllung. Geschmeckt hat es nicht da insgesamt sehr trocken, aber es war sättigend. Danach ging es mit einem Motorrickscha zum Busterminal um von dort mit einem Bus die 6km nach Agua Blanca (weißes Wasser) zu fahren. Agua Blanca ist ein Dorf im Nationalpark Machalilla, in dem eine 2000 Jahre alte Kultur entdeckt wurde – also weit vor den Incas und co. Der Bus ließ uns und 4 ältere Kanadier an der Zufahrtsstraße zu dem Dorf raus.

Dort ist auch gleich eine Art Pförtnerhäuschen, bei dem pro Person 5 Dollar zu bezahlen sind. Der Pförtner hat uns auch kurzerhand alle sechs auf ein Ticket geschrieben um Papier zu sparen. Das ist ja schon mal eine gute Einstellung. Auf die Frage, ob es zum 5km entfernten Dorf ein Shuttlebus gibt, lächelte er nur: „no“. Also ging es zu Fuß die Schotterspiste entlang; in der Mittagssonne bei 30 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit ohne Schatten war das nicht sooo schön, ging aber natürlich auch ohne Probleme. Nach ca. einer Stunde war das Dorf auch erreicht und zum Glück gab es einen kleinen Laden, in dem man Wasser kaufen konnte . Unsere 2 Liter waren quasi leer. Die Kanadier (2 Ehepaare) kauften sich jeder eine Flasche Bier und tranken die aus. Respekt – ich wäre sofort umgefallen und hätte es wahrscheinlich noch nicht mal mehr auf die Hängematte 2m weiter geschafft. Neben dem kleinen Laden war außerdem eine Sitzecke im Schatten, wo wir alle erst mal entspannten und ins Gespräch kamen. Die 4 heißen Tess, Maureen, Wilhelm und Robert und sind für 5 Wochen in Ecuador, weil es in Kanada gerade so kalt ist 😉

Nachdem alle ausgetrunken hatten ging es in ein kleines Museum, in dem wir einen Guide (Milton) zur Seite gestellt bekamen. Das Museum ist zwar klein, aber sehr faszinierend. Es zeigt wie die im Schnitt 1,30m großen Menschen gelebt haben, was für Werkzeuge sie hatten und natürlich auch wie sie beerdigt wurden etc. Milton sprach ein sehr angenehmes und langsames Spanisch – alles was wir nicht verstanden war diesmal auf Grund mangelndes Vokabulars. Aber auch das hat er dann gemerkt und durch andere Wörter ersetzt. 🙂 Die vier Kanadier konnten quasi kein Spanisch und so übersetzten wir, was wir verstanden, ins Englische.

Nach dem Museum führte uns Milton zu einer Ruhestätte einer einstigen Familie des Dorfes. Die 3 Menschen wurden in Tongrüben bestattet, welche mit dem letzten El Niño freigelegt wurden. 

Im Anschluß ging es zu einem Aussichtspunkt mit einem super Blick auf den trockenen Tropenwald und auf die Baumwollbäume, bevor es schließlich zum schwefelhaltigen See ging. Es roch zwar ein wenig nach faulen Eiern, aber das Wasser war auch mit 25°C echt erfrischend und dazu gab es eine gratis Schlammpackung für eine jünger wirkende Haut oder sowas. 🙂

Agua Blanca – Aussicht auf den tropischen Trockenwald.

Nach einer Stunde an der Lagune ging es zurück zum Dorf. Dort fragten wir Milton, ob er 2 Taxis rufen kann, denn auf den Rückweg zu Fuß hatten die Kanadier und auch wir keine Lust. Glücklicherweise parkte gerade ein kleiner Lieferwagen aus und Milton fragte erst uns ob wir damit einverstanden wären und dann den Fahrer, ob er uns 6 bis zur Straße mitnehmen könnte. Das war natürlich auch kein Problem und vorne in der Fahrerkabine war noch Platz für 2 Personen. Tess und Maureen nahmen im Fahrerhaus Platz und wir kletterten auf die Ladefläche und setzten uns auf die ca. 20 Gasflaschen – was soll schon passieren. 🙂 Henny fühlte sich in der ersten Sekunde noch unwohl, aber dann machte auch ihm die Fahrt Spaß und die 2 Kanadier genossen ebenfalls den Fahrtwind. An der Hauptstraße ließ uns der Fahrer raus und keine 5 Minuten später kam auch ein Bus Richtung Puerto López vorbei. Die 4 Kanadier sind dann weiter nach Montañita gefahren – unserem nächsten Ziel noch etwas südlicher an der Küste.

Zurück in der Stadt brachten wir unsere Sachen ins Hostel und gingen dann auf einen kolumbianischen Kaffee (KEIN Nescafe!!) in die Stadt. Wir liefen so ein wenig durch die Stadt und als wir langsam Hunger bekamen, gingen wir ein paar Straßen von Strand weg und fanden ein Restaurant, bei dem es für 3 Dollar pro Person wieder richtig leckeres lokales Essen gab: Bohnen mit Reis (hat an Cuba erinnert, auch wenn in Cuba der Reisberg deutlich größer war), über Holzkohle gegrilltes Schwein oder Huhn mit frittierten Bananenscheiben und Salat – einfach aber großartig. Den Abend verbrachten wir dann auf der Terrasse im Hostel bis wir uns mit Festtagsbeleuchtung schlafen legten..

Den Dienstag Morgen starteten wir mit einer Ananas zum Frühstück, die leider noch nicht reif war und demnach auch nicht so geschmeckt hat. ( Henny meinte zwar noch was mit Zonezeiten, weil hier in Ecuador 3 Sorten Ananas angebaut werden und 2 für den Export bestimmt sind und wohl nur die eine hier bleibt die nicht schmeckt, aber ganz so ist es hier dann doch nicht – zumindest nicht bei der Ananas. 😉 )

Gegen 11 Uhr  waren wir am Busterminal und 11:15 Uhr fuhr schon der nächste Bus in Richtung Montañita. Ich frage mich langsam ob hier so viele Busse fahren oder ob wir bisher nur Glück hatten und zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. 🙂