Tag 121 bis 124 – Guayaquil in Ecuador

Nach ein wenig mehr als 5 Stunden Flug erreichten wir Mittwochnacht Guayaquil in Ecuador. Zwischen Chile und Ecuador liegen 2 Stunden Zeitverschiebung (jetzt also 6 Stunden zu Deutschland) und wir waren 01:00 Uhr Ortszeit ganz schön müde, denn im Flieger war an schlafen auch nicht zu denken. Zum Glück lief am Flughafen alles super. Nach 10 Minuten hatten wir schon unser Gepäck, so schnell wie nirgendwo vorher. Die Grenzpolizistin sah den Stempel von den Osterinseln in meinem Pass und fing an diesen zu streicheln und ihrer Kollegin zu zeigen. Dann stellte sie mir ein paar Fragen und ich bekam den nächsten Stempel und konnte gehen. Henny musste mehr Fragen beantworten, aber es ging trotzdem alles stressfrei.
Mit dem Besitzer unserer nächsten Unterkunft hatten wir abgemacht, dass wir vom Flughafen abgeholt werden. Das hat auch super geklappt und mit gerade einmal 15 Minuten Verspätung war er für hiesige Verhältnisse pünktlich. 😉

Während des Wartens gingen wir schon mal vor die Tür des Flughafengebäudes, auch um zu gucken ob er vielleicht dort steht.

Der erste Eindruck von Guayaquil: boar, alter Schwede, ist das tropisch. Etwa 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von nahezu 100%. Hier wachsen also Bananen, Kakao und andere leckere Früchte die weltweit exportiert werden – die Tiere die es hier gibt erwähne ich jetzt mal nicht. 🙂

Bei der Fahrt durch die Stadt waren wir überrascht wie modern es hier ist, das hatten wir so nicht erwartet. Unsere Unterkunft war dann auch schnell erreicht und wir waren wieder total überrascht: ein richtig großes Zimmer mit Aquarium, Klimaanlage und eigenem Bad. Fußboden aus Marmor und Echtholzmöbel im Kolonialstil. Für 30€ pro Nacht für uns beide zusammen. Vor dem Zimmer ein großer Wohnraum und eine riesige Küche, komplett ausgestattet. Wahnsinn. Auf der Tempurmatratze konnten wir auch richtig gut schlafen und sind am Donnerstag, dem 9.2., erst gegen 11 Uhr aufgestanden und haben dann auch erst angefangen über Ecuador zu lesen – Vorbereitung wird überschätzt. 😉  Das der US-Dollar das einzige offizielle Zahlungsmittel ist, wussten wir bis zu dem Zeitpunkt nicht (mein Reiseführer ist auch von 1995, da war das noch nicht so 🙂 ). Auch nicht was man in und um Guayaquil machen kann.

Da in unserem Zimmer eine Filterkaffeemaschine stand, begaben wir uns in der Küche direkt auf die Suche nach richtigem  gemahlenen Kaffee und es gab auch welchen..Hach.. 🙂

Gegen 13 Uhr gingen wir zur nahe gelegenen Mall del Son, welche jedem deutschen Einkaufszentrum gerecht werden würde. Wir wollten Geld abheben und einen Stromadapter kaufen (unser Universaladapter ist beim Wohnen mit Verrückten in Punta Arenas abgebrannt). Im vierten oder fünften Laden sind wir auch fündig geworden.

Hinter dem Einkaufszentrum gab es ein kleines Restaurant – Mittagessen für 2.50 Dollar. Dort saßen wir mit einer 94 alten Violinenspielerin am Tisch, die uns das Hühnchen empfahl. Ich habe es auch genommen und Henny nahm das andere Gericht mit Meeresfrüchten. Dazu gab es eine undefinierbare Suppe (Mais, Kartoffel, Kürbis und irgendein Teig) und eine eisgekühlte selbstgemachte Limonade. Das war auch wirklich alles super  lecker und total gut gewürzt.

Gut gestärkt ging es dann mit dem Taxi ins Zentrum. Mit dem Bus ist es wohl kompliziert und das Taxi ist auch günstig. Bei der Kathedrale sind wir ausgestiegen und der Park davor war die nächste Überraschung. Überall in dem Park laufen und liegen Leguane und in einem kleinen Tümpel sind Schildkröten – willkommen in Ecuador 🙂

Unser eigentliches Ziel war die Touristeninformation. Nach einigem hin-und-her (wir wurden von Polizisten in verschiedene Richtungen geschickt) haben wir sie dann doch in der ersten Etage des Rathauses gefunden. Die Angestellte gab uns einen Stadtplan und ein paar Tipps – zu erst auf spanisch und dann auf englisch.

Wir schlenderten ein wenig den malecón entlang und kauften dort in einem alten Wagon (als Büro umfunktioniert) für den nächsten Tag ein Zugticket für den Tren de la Dulzura von Durán nach Bucay und zurück. Die Fahrt sollte 8 Stunden dauern und 30$ kosten.

Mit dem Taxi ging es dann wieder zurück zur Mall. Dort wollten wir noch Essen einkaufen und waren mal wieder überrascht. Die Preise sind total unterschiedlich und für mich nicht logisch. Lokales Obst ist günstig, deutlich günstiger als in Chile oder Deutschland. Alle Importprodukte dagegen sind so teuer, dass eigentlich unbezahlbar. Beispiel: eine Ananas kostet 70 Cent, 200g Gramm Butter fast 3 Euro. Das können wir uns bisher nur mit hohen Zollgebühren erklären.. Aber auch Reis ist ziemlich teuer mit 1$ pro Kilo und um so verwunderlicher waren die 2,50$ für ein Zwei-Gänge-Menü zum Mittag mit Getränk..

Wieder in der Unterkunft fragten wir unseren Vermieter noch, ob er uns für den nächsten Tag um 6:50 Uhr ein Taxi nach Duran bestellen kann. Hat auch wunderbar geklappt und um 7 Uhr war am Freitag morgen auch das Taxi da um uns nach Durán zu fahren.

Es regnete echt heftig und einige Straßen waren total vollgelaufen mit Wasser, aber eine halbe Stunde später erreichten wir den Bahnhof von Durán. Kurz nach 8 Uhr fuhr der Zug dann auch los.. Wow. Wahnsinn. Die Zugfahrt führte für 3 Stunden durch Bananen-, Ananas-, Kakao- und Reisfelder/Plantagen in Richtung der Anden. Durch den Regen leuchtete das Grün noch intensiver als so schon und so gab es mehr Grüntöne zu sehen als die Augen verarbeiten konnten. Außerdem jede Menge Tiere (vor allem Vögel) deren Namen ich nicht kenne und die Menschen, die mich im Regen draußen stehen sahen, wunken mir zu (dabei können sie sich wahrscheinlich niemals selber so eine Zugfahrt leisten) – abends hatte ich Muskelkater im Arm vom vielen Winken, denn wenn sich jemand die Mühe macht zu winken, winke ich auch zurück.

Ecuador – Tren de la Dulzura. Zwischen Yaguachi und Bucay.

In einem kurzen Moment der Unachtsamkeit klatschte mir auch ein Bananenwedel eine im Gesicht – ich fand’s lustig und für mich war die Fahrt einfach klasse. Henny saß während der ganzen Zeit leider im Wagon, da sein Fuß noch weh tat durch die entzündeten Mückenstiche. Da drinnen auch immer wieder Gewinnspiele gespielt worden war es für ihn eher wie eine Kaffeefahrt. Es kommt also darauf an wo man sich im Zug aufhält..

Auf dem Hinweg gab es in Yaguachi einen Zwischenhalt von 15 Minuten bevor es nach Bucay weiterging. In Bucay selbst hatten wir 90 Minuten Aufenthalt, in denen wir zuerst den Ort erkundeten und dann am Bahnhof 2 leckere Kaffee und einen Teller mit frittierten geschmacksneutralen Bananen bestellten (da konnte leider noch nicht mal mehr das Tütchen Salz helfen dass ich noch in meinem Rucksack hatte).

Auf dem Rückweg hielt der Zug dann im Milqgo. Diese Region ist besonders durch den Kakao geprägt. Nach einer kurzen Erklärung der Kakaoherstellung gab es das Endprodukt in Form eines Schoko-Sorbets. Hmmmmm… das war super lecker. 🙂

Pünktlich 17:30 Uhr war dann der Ausgangspunkt Durán wieder erreicht. Unsere Hoffnung, dass vor dem Bahnhof ein paar Taxis stehen, wurde leider enttäuscht, aber eine der Angestellten war so nett uns eins zu rufen. Der Taxifahrer war einer von der ganz schlimmen Sorte. Die Hauptverkehrsstraßen sind vermutlich 3 spurig je Richtung gebaut – wissen wir nicht genau da ohne Markierung. Man fährt also wo man gerade so hinpasst – auch 5 Autos nebeneinander. Ohne Blinker, aber dafür mit Hupe. Rote Ampeln waren auch nur eine Empfehlung, welche größtenteils ignoriert wurden. Es hätte auch nicht viel gefehlt und der hätte eine Frau umgefahren die gerade auf einem Zebrastreifen die Straße überquerte.. Wir sind gesund und munter angekommen und wissen das wir hier definitiv kein Auto mieten werden in der Stadt.

In Chile Autofahren – kein Stress. In Argentinien Autofahren – kein Stress. In Ecuador, Guayaquil Auto fahren – niemals..

Gut, Eis darf ich auf der Insel also essen. 🙂

Am letzten vollen Tag in Guayaquil ging es gegen 10 Uhr zu einer Brücke, welche die Stadt mit der Insel Santay verbindet. Die Insel ist ein Naturschutzgebiet und liegt mitten im Fluss Rio Guayas. Über die Brücke und auf die Insel darf man nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Wir entschieden uns fürs laufen. Die Brücke ist knapp 900 Meter lang und dann sind es 4 1/2 km bis nach Durán oder rund 2 km auf der Insel bis zu einem kleinen Dorf Ecoaldea. Die Wege auf der Insel führen immer über Stege und auch das Dorf selbst ist auf Stelzen gebaut – der Untergrund ist mehr oder weniger ein Moor.

Dort angekommen konnten wir auch ein paar Krokodile in einer Aufzuchtstation sehen. Das und die tolle Natur mit guter Luft und Stille machen die Insel zu einem schönen Ausflug.

Zurück ging es dann mit einem Wassertaxi, welches in Guayaquil unmittelbar vor dem Mercado Garaguay anhielt. Den Markt hatten wir garnicht auf dem Schirm, aber dort ist es toll und der hat sich echt gelohnt. Letztendlich ist das nur ein großer überdachter und umzäunter Platz und es gibt alles an lokalen Lebensmittel. Obst, Gemüse, Gewürze, Geflügel, Rind, Fisch, Krebse und Garnelen und noch vieles mehr. Eine Tolle Atmosphäre. Dort mussten wir dann auch Mittag essen: wieder eine Vorsuppe und Fisch (vermutlich Thunfisch mit einer komischen Mehl-Irgendwas Paste) mit Reis. War nicht ganz so toll, aber auch essbar,und direkt danach gab es noch einen Erdbeer-Brombeer-Milchshake, der war super. 🙂

Danach ging es zum Malecon. Am Anfang der 2 1/2 Kilometer langen Fußgängerzone direkt am Fluss ist ein riesengroßes Einkaufszentrum. Dort gingen wir durch – eigentlich nur wegen der Klimaanlage (draußen waren wieder 32 Grad und 70-80% Luftfeuchtigkeit..).

Durch Zufall standen wir irgendwann vor einem kleinen Elektroladen, der auch Reparaturen anbot. Dort erklärte ich Felix aus Kolumbien das Problem: Das Display von meinem iPhone funktionierte nicht mehr richtig. Schon vor Beginn der Reise reagierte es schwerfällig (ich hatte es gebraucht gekauft und das Display war schon kein originales mehr) nur jetzt reagierte es meist gar nicht mehr und manchmal machte es dafür etwas ohne das ich es berührte.. Das eigentliche Angebot waren 70$ zum Wechseln des gesamten Displays. Das war okay, denn für den Preis gibt’s auch kein Neues. Felix versuchte aber erst einmal was anderes: er baute das Display ab und reinigte alle Kontakte.

Felix repariert mein Smartphone.

Auf den ersten Blick sah es auch erfolgreich aus, denn das Handy zeigte keine Probleme mehr. Für diese 15 Minuten Arbeit wollte er 25 Dollar. Das war super, da gab es noch ein Küsschen von mir auf die Wange dazu. Wir gingen den Malecon weiter und mussten ca. 30 Minuten später feststellen, dass das Handy wieder rumspinnt. Also ging es zurück zu dem Laden und nun hieß es eine Stunde warten, damit das Display ganz getauscht werden konnte. Aber diese Stunde hat sich gelohnt, denn es funktioniert wieder (besser als jemals zuvor). Er wollte auch, dass wir nur die Differenz von 25 zu 70 Dollar bezahlen, dass war echt toll.

Danach gingen wir wieder den malecón entlang und gegen 18 Uhr erreichten wir dann auch den Hügel Cerro Santa Anna am Ende des Malecon. Der Hügel ist mit vielen bunten Häusern bebaut und nach 444 Treppenstufen gab es von dem Leuchtturm auf dem Hügel einen super Rundumblick kurz vor Sonnenuntergang.

Das letzte Ziel des Tages sollte eine Lichter- und Wassershow werden, von der wir angenommen hatten, sie wäre jeden Tag. Aber die Fuente Monumental war leider aus und so gar nicht monumental. Wir fragten einen Securitymann aber der hat uns nur auf den nächsten Tag verwiesen.

Am nächsten Tag sollte es für uns aber nach Puerto López gehen..

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