Tag 128 bis 132  – Guayaquil und Riobamba

Die Busfahrt von Montañita nach Guayaquil kostete 6 Dollar pro Person und war nach 3 Stunden vorbei. Diesmal war der Bus voll mit Touristen (in dem Bus von Guayaquil nach Puerto Lòpez waren wir die einzigen Weißgesichter 😉 ) und fuhr die meiste Zeit über eine vierspurige Bundesstraße. Die Klimaanlage lief, die Fenster blieben geschlossen und fliegende Händler gab es auch keine.. Wer sich lieber unter das einheimische Volk mischen will, sollte also eher über Jipijapa fahren..

In Guayaquil checkten wir so gegen 14 Uhr in unser Hostel ein und der Rezeptionist bot uns ein kostenloses Upgrade an, welches wir natürlich auch annahmen. 🙂  Das Zimmer war auch groß und verfügte sogar über eine Küchenzeile. Die Küche hatte zwar abgesehen von einem Reiskocher keine Ausstattung, aber wir haben ja Becher und Besteck bei uns im Gepäck.

Wir nutzen den restlichen Nachmittag um in verschiedenen Läden noch nach einer italienischen Kaffeemaschine zu suchen. In einem Laden ähnlich einem IKEA fanden wir auch so ein Teil. Leider stand nur noch eine da und die war unvollständig. 🙁

Wir waren total genervt von der Stadt und den Einkaufszentren, der Lautstärke und dem Lärm sowie der Hitze und der schlechten Luft. Also entschieden uns, es sein zu lassen und waren gegen 18 Uhr zurück in der Unterkunft. Außer Spesen nix gewesen. 😉

Lage von Riobamba.

Am Freitag, dem 17.02.2017, frühstückten wir in Ruhe eine Ananas und ein Marmeladenbrötchen, bevor wir uns zum Busterminal begaben. Dort verkauften uns um 10:30 Uhr zwei offensichtlich genervte junge Frauen (wir hielten sie von ihren Smartphones ab) Bustickets nach Riobamba für den Bus um 10:30 Uhr… Im Laufschritt ging es dann in die zweite Etage zum Parkplatz 81, wo glücklicherweise auch noch der Bus stand.. Die folgenden 5 Stunden Fahrt waren nervenaufreibend. 

 

Die Fahrweise der Busfahrer ist im Flachland teilweise schon furchtbar, aber bei den Andenpässen hört der Spaß auf. Bergauf und Bergab wurden andere Busse und LKW’s überholt. Ohne Sicht, sei es durch Kurven oder durch Nebel, auf 3600 Meter Höhe. Das macht man einfach nicht.

Bremsen – Gas gegeben – bremsen – mehr bremsen – Gas geben um voll in die Kurven zu gehen, hinter denen es hunderte Meter Berg ab geht. Und das alles bei Regen in einem uralten Bus und keine Leitblanken zwischen der Straße und dem Abgrund. Adrenalin pur.

Während der Fahrt kam es auch fast noch zu einen Aufstand im Bus. Durch den starken Regen hatte es einen Erdrutsch gegeben und so fehlten ein paar Hundert Meter Straße. Dort waren Baufahrzeuge damit beschäftigt die Straße wieder freizuschaufeln und wir mussten warten. Als wir dann noch von einem anderen Bus beim warten überholt wurden, riefen viele „vamos“ und wurden teilweise sehr sehr ungemütlich. Die hatten bestimmt noch einen furchtbar wichtigen Termin und mussten irgendwo PÜNKTLiCH ankommen. 😉

Zum Glück war irgendwann dann auch Riobamba erreicht. Mit einem Taxi ging es zur Unterkunft und dort wurden wir echt überrascht. Wir hatten ein ganz luxuriöses Apartment für uns, wobei wir das gar nicht so gebucht hatten. Zwei Zimmer, ein eigenes Bad und eine vollausgestattete Küche (Kaffeemaschine und Saftmixer waren auch da). Und das allerbeste: eine richtige Bettdecke (und nicht nur ein Lacken und Mollidecken)!! Perfecto. Der erste Eindruck war auch, dass Riobamba deutlich leiser ist als Guayaquil. Außerdem war das Klima auf 2700 Meter angenehmer. Zwar hatten wir seit der Passüberquerung beide leichte Kopfschmerzen und Henny hatte wohl auch weniger Luft zum Atmen, aber wir machten alles etwas langsamer und dadurch ging es. Wir gingen jedenfalls erst einmal los um Milch für den Kaffee zu besorgen. Der nächste Laden, der Milch hatte, war keine 50m links von der Haustür entfernt, aber wir gingen nach rechts und so endete es schon in einer kleinen Stadtbesichtigung. Aber eine angenehme Stadt.

Nachdem die Kaffeesucht gestillt war ging es noch mal richtig los um das Zentrum zu erkunden. Wir kauften auch gleich nochmal Milch und Früchte für den Shaker und fanden durch Zufall auch einen Laden mit der so lange gesuchten Kaffeemaschine im Schaufenster – die wollten wir am nächsten Tag dann kaufen. 🙂  Da unser „Anwesen“ sehr zentral lag und Riobamba relativ übersichtlich ist, waren auch alle wichtigen Punkte zu Fuß zu erreichen. Abends gingen wir dann nur noch mal einen Block weiter, um für 5,25 Dollar für uns beide zusammen ein leckeres Abendessen zu bekommen. 🙂

Unser Reiseführer – wir haben jetzt einen aktuellen von 2015 – verriet uns, dass am Samstag auf einem der vielen Märkte der Stadt ganze Schweine gerillt werden. Das war dann auch am 18.02.2017 nach dem Frühstück (mit einem Erdbeermilchshake) unser erster Weg. Im Markt Merced gab es Obst und Gemüse (wir kauften Litschi, Brombeeren, Ananas, Papaya und Pitahayas 🙂 ), Fisch und Fleisch und in einem extra Bereich waren ca. 15 Stände, hinter denen jeweils 2 Frauen um mögliche Kunden für ihre Schweinestücke warben. Kaum hatten wir diesen extra Bereich betreten, wurden wir von vielen Seiten angewunken und angesprochen. Das war uns schon ein wenig unangenehm, aber wir gingen zu dem einen Stand. Dort probierten wir erst ein Stück und teilten uns dann eine Portion Mote (Mais) mit gegrillten Schweinefleisch. Über ein paar Umwege (wir wollten zur Touristeninfo aber die hatte schon geschlossen und ich suchte ein neues Reisetagebuch, konnte aber keines finden) ging es zurück zum Anwesen um das Obst wegzubringen. Bei unserer Unterkunft gab es auch eine Sprachschule und dort traf ich durch Zufall eine Mitschülerin aus der Sprachschule in Valparaiso von vor 4 Monaten wieder – die Welt ist klein. 🙂

Wir quatschten ein wenig miteinander und gingen dann wieder in die Stadt – zu insgesamt 3 Märkten. Der erste gemauert und überdacht und es gab eigentlich alle lokalen Produkte. Die eine ältere Dame hob gerade ein Tagebuch auf ihren Rücken und es sah für einen Moment so aus als würde sie hinterher fliegen. Ich wollte ihr helfen aber das war überflüssig – sie macht das bestimmt schon seit 90 Jahren und brauchte meine Hilfe nicht… Einfach Unglaublich was die alles tragen können..

Der nächste Markt war nur überdacht und dort wurden überwiegend verschiedene Getreidesorten verkauft, welche in Deutschland schon teilweise in Vergessenheit geraten sind. Außerdem gab es Honig – da musste ich einfach einen kleinen Napf mitnehmen – den kann man ja auch löffeln. 🙂  Davor gab es noch eine Kokosmilch und dann ging es zum Markt.

Endlich wieder in den Anden.

Auf dem Weg dahin liefen wir irgendwann durch eine Straße, in der gerade ca. 10 Busse parkten und es voll war mit Militär ausgestattet mit Gewehren und Nahkampfwaffen. Das war schon komisch und wir redeten uns ein, dass die nur zum Shoppen hier sind.

Auf einem Marktplatz vor einer der vielen Kirchen fand dann auch gerade der Wochenmarkt statt. Hätten wir uns nicht schon jeder mit einem Poncho eingedeckt, hätten wir hier einen gekauft. Es gab auf dem Markt alles an lokaler und traditioneller Kleidung und auch einfach nur Stände mit Stoffen. Ein paar Stände weiter konnte man sich dann direkt das gewünschte Nähen lassen.. Während wir dort lang liefen hörten wir auf einmal den Klang von Trommeln und mussten erstmal schauen was so los ist..

Das mit dem Militär klärte sich auch auf, denn als wir wieder zurück in unserem Anwesen waren, lernten wir auch die Besitzer kennen. Wolfgang ist aus Deutschland, seit 25 Jahren mit einer Ecuadorianerin verheiratet und lebt deswegen auch hier. Er erzählte uns, dass für die Präsidentschaftswahlen am nächsten Tag aktuell alles vorbereitet wird und diese Vorbereitungen werden eben hier so geschützt. Mathias hatte außerdem eine ganze Bananenstaude gekauft, da war ich schon neidisch. Ich möchte irgendwann auch mal eine besitzen, am besten eine mit den ganz kleinen Bananen, die sind besonders lecker. 🙂  Wir aßen also Bananen und unterhielten uns derweil über Rouladen und Bratwürste und andere leckere Sachen die es hier einfach nicht gibt bis wir sabberten – dann ging es zum Abendessen: Reis mit irgendwas – war auch gut. 🙂

Einen eigenen Shaker für Säfte. 🙂

Den Sonntag starteten wir gemütlich und nutzten die Zeit vor allem, um mit unseren Familien zu telefonieren. Außerdem quälten wir den Saftmixer. 🙂  Kurz nach 14 Uhr machten wir uns auf den Weg zu einen der kleinen „3$-Restaurants“, welches im Reiseführer erwähnt wird. Nach ein wenig mehr als einem Kilometer durch die Stadt wurden wir leider enttäuscht – das Lokal war zu. Durch die Mittagssonne, die auf der Höhe auch ganz schön stark ist, ging es dann zurück in Richtung Zentrum. Auf dem Weg kamen wir an einigen kleinen Restaurants vorbei, doch entweder sie waren total überfüllt oder sie sagten uns aus irgendeinem Grund nicht zu. Auch am Mercado Merced war Hochbetrieb und Schwein wollten wir auch nicht schon wieder.. Letztendlich ging es dann zu „Happy Pollo“ – einem Glücklichen Hühnchen kann man nicht widerstehen. Dort teilten wir uns eine Portion Huhn mit Pommes. Am Ende so etwas wie KFC nur deutlich deutlich besser. Danach ging es wieder in unser Anwesen, Fotos sortieren und ein wenig am Blog arbeiten und erst am Abend ging es erneut vor die Tür wegen Nahrungssuche. Zu unserer Überraschung war auf den Straßen nichts los – wir hatten angesichts der Präsidentschaftswahlen und der Militärpräsens am Vortag eine andere Erwartungshaltung. 🙂   Die Stadt wirkte um 20 Uhr allerdings quasi ausgestorben.

Für den Montag, 20.02.2017, hatten wir eigentlich den Besuch eines Fasching-Umzugs in Guaranda, ca. eine Stunde mit dem Bus entfernt, geplant. Genauer gesagt wollte Henny da unbedingt hin, denn da der Umzug 9 Uhr starten sollte, bedeutete das, dass 7:30 Uhr der Wecker klingelt und ich bin nicht so ein Faschingsfan. Umso glücklicher war ich dann, dass Henny nicht aufstehen wollte als der Wecker klingelte. 😉  Da sich 2 Stunden später die Fahrt auch nicht mehr lohnte, nutzten wir den Vormittag um Henny seine Haare mit einer stumpfen Küchenschere auf der Dachterrasse mit Blick auf Chimborazo zu schneiden. 🙂

Gegen Mittag versuchten wir dann nochmal unser Glück bei der Touristeninfo, denn wir wollten in Erfahrung bringen, wie man am besten zur Laguna de Colta kommt. Ein junger Franzose, der dort gerade arbeitete, verwies uns an einen Tourenanbieter eine Querstraße weiter. Da diesmal die leider geschlossen hatten hielten wir einfach ein Taxi an und fragten, wie viel eine Fahrt zur Lagune kosten sollte. Acht Dollar fanden wir für die halbe Stunde Fahrt mehr als ok.

Die Laguna de Colta liegt auf 3300 Meter Höhe und dient vermutlich eher Einheimischen für einen kurzen Wochenendausflug. Jedenfalls waren wir die einzigen Besucher – aber es gab einen Wachmann, der die 1,20 Dollar Eintritt kassierte. Von der Lagune hat man bei guten Wetter eine schöne Sicht auf den Chimborazo, den höchsten Berg Ecuadors welcher auch auf dem Wappen abgebildet ist, aber wir hatten nicht das richtige Wetter dafür, denn es war bewölkt und tröpfelte auch ein wenig.

Nach einer Stunde sind wir dann zurück an die Hauptstraße, wo wir direkt einen Bus anhalten konnten welcher uns beide für 1 Dollar nach Riobamba mitgenommen hat. Hand raus und schreien wo man hin will – mittlerweile habe ich es raus. 🙂  Henny sprang als erster auf und kaum war ich im Bus beschleunigte der Fahrer auch schon wieder. Ich konnte das Gleichgewicht halten, musste aber zuschauen, wie Henny auf eine Ecuadorianerin fiel. Zum Glück ist weder ihr noch Henny was passiert.

Am Dienstag nutzen wir zum Frühstück noch einmal den Mixer für Pitahaya-Saft und nach einer langen Verabschiedung von unserer Gastgeberin waren wir 10:45 Uhr am Busterminal von Riobamba. Der erste Bus nach Guaranda, der uns angeboten wurde, sollte 14:30 Uhr fahren. Ein paar Schalter weiter startete einer 11:30 Uhr – das passte uns besser..
Ach ja, seit 2 Monaten Rauchfei – hier ist alles möglich. 😉

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