Darf ich vorstellen: Robin :-)

Mit Robin vor Robin 🙂

Dieser schmucke Toyota Hiace ist unser „Dach über dem Kopf“ für die Zeit in Neuseeland, quasi unser neues Zuhause.

Es ist ein  weißer Toyota Hiace Regius aus dem Jahr 2000 mit Hochdach und langem Radstand. Der 3-Liter Diesel Motor hat schon einiges auf dem Buckel, stolze 422.000km, aber schnurrt wie ein lauter Kater (der Auspuff ist ein wenig kaputt) und leistet 91 kw (124PS) 🙂 Die Automatik-Schaltung ist etwas langsam aber gerade im Linksverkehr eine super Hilfe. Irgendwie fahre ich im Rechtsverkehr meist Manuell und im Linksverkehr mit Automatik – an irgendwas muss man sich ja orientieren.

Der Van ist 4,99m lang, 1,69m breit, 2,27m hoch und wiegt leer 1,7 Tonnen.

Als Luxus gibt es eine Klimaanlage (die nicht geht, aber es ist Winter 🙂 ) und ein Radio mit AUX-Eingang! Eine Sitzheizung gibt es nicht, aber wir sitzen direkt über dem Motor, dass passt auch 🙂

Im hinteren Bereich des Van ist eine kleine Küchenzeile mit Waschbecken, 2 Gas-Feldern und einem kleinen Ofen für Pizzen oder sowas. Außerdem gibt es eine herausnehmbare Bank.

Der Rest des Wagens ist mit einem vollständigen Bett mit richtiger Matratze versehen. Der Bereich unter dem Bett ist Stauraum für Gepäck, Essen und, Kochutensilien und was man so noch braucht.

Robin hat die Warrant of Fitness, kurz WoF,  (eine Art TÜV) bis November 2017.

Also, Robin, willkommen im Team! Wir hoffen du fühlst dich wohl mit uns und das wir mit dir viele Abenteuer erleben und einfach eine Gute Zeit haben! 🙂

Nachdem wir gestern noch einen Grill bei TradeMe gekauft haben (keinen Weber ;-)) kann es heute, am Dienstag den 27.06.2017 in Richtung Norden in die Region Northland aufgehen.

PS: Wir kamen eigentlich gar nicht auf die Idee unserem Auto einen Namen zu geben. Bei den Anzeigen haben wir dann ständig gelesen, dass die Vans einen Namen haben. Da der Vorbesitzer von unserem Prachtexemplar Robin heißt und er sich die ganze Arbeit mit dem Umbau gemacht hat, entschieden wir uns, das zu würdigen. Denn ohne Robin würde es Robin nicht geben. 🙂

 

Wieder am anderen Ende der Welt – die ersten 2 Wochen in Auckland, Neuseeland

 

Lage von Auckland.

Am Sonntag, dem 11.06.2017,  sollte der Flieger Abends 22:10 Uhr von Frankfurt aus über Hongkong nach Neuseeland starten. Meine Eltern waren übers Wochenende noch mal zu meinem Bruder gekommen, sodass wir uns alle noch mal sehen und Zeit miteinander verbringen konnten. Pünktlich zum Mittagessen kam auch Henny vorbei und circa 14:30 Uhr starteten wir von Hann. Münden aus in Richtung Dieburg. Kaum auf der Autobahn, standen wir auch schon im Stau – so fällt es einem gleich leichter Deutschland wieder zu verlassen. 😉

Kurz nach 17 Uhr kamen wir dann in Dieburg an, holten Henny seine Rucksäcke und seine Schwester und weiter ging es zum Flughafen. Nachdem wir unsere großen Rucksäcke am Schalter aufgegeben hatten setzten wir uns in ein Restaurant mit unserem mitgebrachten Cider und suchten nach einer passenden Flugverbindung von Neuseeland nach Australien, da ein Weiterflugticket Bedingung für die Einreise ist. Das WLAN war gratis, aber auch echt langsam, selbst das Internet auf den Osterinseln war schneller als das in Frankfurt 😉

Im Airbus A380 hatten wir auf der oberen Etage Sitze reserviert, ganz wie beim letzten mal als ich den Flieger nach Hongkong genommen hatte. Dort hat man mehr Platz und es ist einfach cooler 🙂  In der Gepäckablage direkt über unseren Sitzen entdeckten wir Hausschuhe und schnappten uns gleich zwei davon. Kurze Zeit später erfuhren wir vom Stuart, dass diese eigentlich nur für die Business Class sind, durften sie aber trotzdem behalten da wir sie schon aufgerupft hatten 🙂

 

Über den Wolken ist der Durst grenzenlos.

Um 22:10 Uhr startete der Flieger pünktlich und kaum waren wir in der Luft, wurde es mal wieder sehr ruckelig, nicht ganz so schlimm wie der Flug von Panama nach Deutschland, aber auch nicht ohne. Als dann später nach unseren Getränkewünschen gefragt wurde nutze ich die Gelegenheit und bestellte ein Bier, ein Wein (und als ich seltsam angeschaut wurde) bestellte ich noch ein Alibi-Wasser. Später ließ ich das Weinglas nochmal auffüllen. Das Ziel: Sollte ich den Flug nicht überleben habe ich wenigstens leicht einen sitzen 🙂

Nach rund 11 Stunden war dann Hongkong erreicht – Ortszeit 15:00 Uhr. Wir hatten knapp 4 Stunden Aufenthalt, die wir dazu nutzen uns die Beine zu vertreten und etwas lokales zu essen. Ich bestellte etwas auf Spießen (essenstechnisch sehr einfach) und Henny bestellte sich Nudelsuppe mit Stäbchen (Anfängerfehler)  😀

Beim Boarding musste Henny sein Visa und sein Weiterflugticket vorzeigen. Hat sich also gelohnt in Frankfurt einen Flug zu buchen, sonst hätte er vielleicht nicht mitgedurft 😉

Kurz nach 19 Uhr startete der zweite Nachtflug mit Ziel Auckland. Und wieder gab es in der ersten Flugstunde eine Menge Turbulenzen. Wenigstens konnte ich zwischen 3 verschiedenen Rotweinsorten im Flieger wählen, denn Air New Zealand bringt uns nach Neuseeland – hat sie auch, sonst würde ich jetzt hier nichts mehr schreiben. 🙂

Am Dienstag, den 13.06.2017, war um halb 10 Auckland erreicht. Die Einreise verlief problemlos, das Gepäck wartete bereits auf uns, der Grenzbeamte war freundlich und scherzte und auch bei der Bio-Security ging es sehr schnell. Mit einem Bus ging es dann in Richtung Unterkunft und wir konnten dem Fahrer auch vor der Abfahrt sagen wo wir rausgelassen werden möchten.

Nach weiteren 10 Minuten zu Fuß (teilweise durch Sprühregen) waren wir am Ziel. Es dauerte auch nicht lange bis wir den Schlüssel fanden den unsere Gastgeber für uns versteckt hatten damit wir schon rein können während sie selbst noch arbeiten sind.

Eine warme Dusche später fühlten wir uns auch wieder fast normal und gingen erst einmal in den nahe gelegenen Supermarkt etwas Essen für die ersten Tage einkaufen. Dort wurden wir von den Preisen überrascht, denn für rund 40 Euro gab es nicht all zu viel – das hatten wir von unserer ersten Reise anders in Erinnerung.

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen bis mindestens 18 Uhr wach zu bleiben, damit der Jetlag nicht so schlimm wird – aber keine Chance. Kurz vor 16 Uhr ging nix mehr und erst am nächsten Morgen gegen 08:00 Uhr standen wir wieder auf. Nach dem Frühstück ging es mit dem Linienbus in die Innenstadt. Während der 30 Minuten Fahrt ging es gefühlt 10 Minuten nur an Werbeschildern auf Mandarin vorbei – es sah aber gar nicht nach China-Town aus. Dennoch der erste Eindruck: die Chinesen haben sich in Auckland eingekauft. In der Innenstadt wollten wir zu erst ein Bankkonto eröffnen. Das sollte an diesem Tag aber noch nicht klappen. Wir bekamen lediglich einen Termin für in 2 Tagen.

In der Touristeninformation deckten wir uns mit Flyern ein und kauften in einem nahe gelegenen Shop eine HOP Karte für den Bus, mit welcher die Busfahrten auch günstiger sind. Was uns eher negativ aufgefallen war: die Stadt war relativ voll und an jeder Ecke wurde gebaut, wodurch es sehr laut war. In unserer Erinnerung war Auckland zwar eine Millionenstadt aber alles war weitläufig verteilt und es war leiser.

 

Neuseeland – Entspannung am Hafen in Auckland.

Um die guten Erinnerungen an den Urlaub von 2014 zu wecken kauften wir uns erstmal einen Kaffee und gingen zum Queen-Pier, denn dort fühlten wir uns vor ein paar Jahren richtig wohl. Und tatsächlich, es war fast wieder wie früher, nur das Jens und Katrin diesmal nicht neben uns auf der Bank saßen..

Gegen 14 Uhr machten wir uns dann auf den Rückweg durch das Zentrum zur Bushaltestelle und fuhren zurück zur Unterkunft. Auf dem Rückweg entdeckten wir ganz in der Nähe unserer Unterkunft noch eine Filiale der Kiwi-Bank und statteten dieser noch einen Besuch ab. Dort bekamen wir gleich für den nächsten Morgen 10 Uhr einen Termin. Wir sollten unsere Reisepässe und Visas mitbringen und ein „Proof of Address“ (etwas womit wir unsere aktuelle Adresse nachweisen können). Wir fragten dann unseren Gastgeber Xavier, ob er ein handschriftliches Schreiben verfassen könnte, in dem er uns bestätige, dass wir bei ihm wohnen. Zusätzlich zum Schreiben von ihm brauchten wir natürlich einen Nachweis, dass er in der angegebenen Adresse wohnt, am besten in Form einer Rechnung mit Anschrift. Seine erste Reaktion bzw. der Gesichtsausdruck ließ uns zweifeln ob er es macht, aber im Laufe des Abends bekamen wir das Schreiben vom ihm genauso wie eine aktuelle Rechnung der Wasserwerke. Sein Problem war eher eine Rechnung rauszusuchen, da das meiste nur noch per Mail geschickt wird 🙂

 

Marmelade mit neuseeländischen Früchten hergestellt in Polen und abgepackt in Australien.. und das ist die günstigste Marmelade hier..?!?

Außerdem verriet uns Xavier, dass es in der Nähe noch einen günstigen chinesischen Supermarkt gibt. Das war echt ein klasse Tipp, dort gab es fast alles, aber deutlich günstiger.

Unsere beiden Gastgeber Doreen und Xavier sind super hilfsbereit und freundlich. Wir konnten zum Glück unsere ganze neu gekaufte Bettwäsche und alles bei Ihnen waschen und trocknen, dass war echt klasse.

Ich könnte jetzt tageweise weiter schreiben wie wir gefühlt jeden Tag einkaufen waren, ein passendes Auto gesucht, gefunden und eingerichtet haben, aber eigentlich ist es ziemlich langatmig ohne wirklich Inhalt.

Zwischendurch waren wir auf dem Mt Winestone, auf dem Mt. Eden und im Cornwall Park. Die Bilder davon sind natürlich in der Galerie unten.

Neuseeland – Auckland – Cornwall Park und One Tree Hill.

Stattdessen habe ich mich entschieden einen extra Beitrag über das organisatorische zu schreiben. Wird in Kürze erscheinen 🙂 

Nur eine Sache möchte ich hier noch erwähnen, da ich darüber ein wenig ins Grübeln gekommen bin.

Am Donnerstag sahen wir in unserem Wohngebiet einen älteren Mann in einem Grünstreifen zwischen Fußweg und Straße liegen. Sein Rollstuhl lag auf ihm und das Gesicht war einseitig voller Blut. Kurz zuvor musste Peter gestürzt sein, auf dem Kopf klaffte eine große Wunde und auch sein rechter Arm war ziemlich verletzt. Eine vorbei kommenden Frau baten wir, einen Krankenwagen zu rufen, woraufhin sie zu sich nach Hause zurück ging und 2-3 Minuten später mit ihrem Mann wieder an Ort und Stelle war. Das Telefonat mit der Rettungszentrale irritierte uns, denn es bedarf ca. fünf Minuten an Argumentation, BEVOR ein Krankenwagen losgeschickt wurde. Dieser war dann zum Glück relativ schnell da und es wurde auch Zeit. Peter drängte uns die ganze Zeit, ihn in den Rollstuhl zu setzen, damit er fahren kann, denn er könnte es zu Hause selbst versorgen. Das seine Schädeldecke kaputt ist wollte ich ihm so zwar nicht sagen, aber das sollte sich definitiv ein Arzt anschauen. Mit dem Krankenwagen wurden er dann in ein Krankenhaus gefahren. John, der Mann der Frau welche den Notdienst gerufen hatte, lud uns dann für die nächsten Tage noch auf einen Kaffee ein, da er ganz in der Nähe wohnte. Irgendwie war die Situation ziemlich bizarr, denn als ich in Deutschland das letzte Mal dabei war als ein Krankenwagen gebraucht wurde, war das Gespräch nach 5 Sätzen erledigt und der Rettungswagen war unterwegs. In Neuseeland hatte ich/ hatten wir auch damit gerechnet..

Ein paar Tage in Deutschland

Unerwartet von Panama zurück nach Deutschland lässt sich die Zeit super nutzen um:

  • Zeit mit der Familie zu verbringen
  • meinen 30. Geburtstag zusammen mit der Familie zu feiern
  • Freunde zu besuchen (sorry an alle die ich nicht geschafft habe zu besuchen!!!)
  • Ärzte zu konsultieren (neuer Stempel im Bonusheft 😉 )
  • Steuererklärung abgeben (um das Reisebudget aufzubessern)
  • mit Behörden rumärgern
  • Urlaub an der Ostsee genießen

Am 11.06.2017 geht es dann von Frankfurt aus mit der Lufthansa über Hongkong weiter nach Neuseeland. Der gesamte Flug hat 452,54€ pro Person gekostet, ein absolutes Schnäppchen 🙂

 

Tag 142 bis 164 – Panama City und das Hospital Nacional

 

Die Lage von Panama Stadt in Panama.

Am 03.03.2017 erreichten wir gegen 13:30 Uhr Panama-City, die letzte Station auf diesem Kontinent. Henny ging es während des Fluges nicht besonders gut, aber er hielt sich tapfer auf den Beinen. Wir hatten für vier Tage eine AirBnB Unterkunft gebucht, konnten diese aber erst ab 17 Uhr beziehen. So vertrieben wir uns die Zeit auf dem Flughafengelände und gingen dort auch erstmal in einen Diner. Einen großen Burger mit Pommes später ging es Henny auch erstmal deutlich besser 🙂

Für 16:00 Uhr hatte uns Yauri, die Freundin von meinem Freund und ehemaligen Arbeitskollegen Sergio, ein Taxi bestellt.

Auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt haben wir viele neue große Autos gesehen, aber die Straßen selbst waren in einem schlechten Zustand, schlechter noch als in Ecuador oder Kolumbien. 

Kaum am Wohnpark (bestehend aus 7 Hochhäusern mit jeweils 3 Etagen Parken und 17 Etagen Wohnen) angekommen, kam auch unsere Gastgeberin Keylin gerade von der Arbeit und zeigte uns ihre Wohnung. Da das Zimmer noch nicht fertig war, sollten wir es uns auf dem Balkon gemütlich machen und bekamen auch erstmal ein kühles Bier serviert. Bei 30 Grad tat das richtig richtig gut 🙂  Etwa eine Stunde später war das Zimmer fertig, aber wir stellten nur unsere Sachen rein und blieben auf dem Balkon – dort war es einfach am angenehmsten. 🙂

Am nächsten Tag trafen wir uns um 10:00 Uhr an der nahe gelegenen U-Bahn Station mit Yauri um den Panama Kanal zu besuchen. Als wir etwa eine Stunde später am Kanal angekommen waren, unterhielt sich Yauri mit dem Personal und brachte in Erfahrung, dass im Moment keine Schiffe fahren, sondern erst wieder gegen 15 Uhr. Somit sparten wir uns das Eintrittsgeld und gingen stattdessen zurück in die Stadt. Dort zeigte uns Yauri die Altstadt bzw. das Viertel Casco Viejo. Dieser Stadtteil wurde restauriert und sieht zwar richtig schick aus, allerdings auch für normal sterbliche unbezahlbar. Wir machten Scherze – dass wir uns dort noch nicht mal mehr ein Wasser leisten könnten – und gingen in ein kleines Restaurant für ein typisches panamaisches Mittagessen. 

Gegen 16:30 Uhr waren wir erneut an den Miraflores-Schleusen und stellten dann fest, dass 16:15 Uhr der letzte Eintritt war. Mañana, der Tag war auch so sehr schön. 🙂  Abends legte Henny sich dann bei Zeiten hin und ich genoß die Aussicht auf dem Balkon und plauderte mit unseren venezolanischen Mitbewohnern, zumindest soweit es mir möglich war. 

Yauri zeigt uns Panama Stadt.

Den Sonntag starteten wir gemütlich und telefonierten mit unseren Familien bevor wir uns dann entschieden in der Albrook Mall shoppen zu gehen. Wir hatten zwar beide keine Lust dazu, aber Henny brauchte dringend eine neue Hose. Vier Läden später und schon leicht genervt fanden wir was passendes und danach ging es wieder zur Unterkunft, wo ich den Rest des Tages auf dem Balkon verbrachte. Henny legte sich wieder hin, denn die „Erkältung“ wollte einfach nicht weggehen und er brauchte Ruhe. Einen Arzt wollte er natürlich nicht aufsuchen, denn der konnte seiner Meinung nach auch nichts machen…

Am Montag, dem 06.03.2017, wollten wir eigentlich noch zum Panamakanal, aber Henny fühlte sich nach wie vor nicht besonders und so entschieden wir uns auf den Kanal zu verzichten und stattdessen in der Unterkunft zu bleiben. Ich hätte zwar alleine gehen können, wollte Henny aber auch nicht so lange alleine lassen für den Fall das etwas ist. Henny ging es nach wie vor schlecht, aber er meinte er muss nur raus aus Südamerika und wenn wir morgen nach Neuseeland fliegen wird alles gut werden. Anderes Klima, anderes Essen, andere Menschen,.. das würde ihm gut tun..

In der darauffolgenden Nacht konnte Henny wieder nicht schlafen: Unruhe, rasender Puls und irgendwann stechende Schmerzen in der rechten Brust beim Einatmen. Ich wurde wach, da das Bett vibrierte weil Henny so stark zitterte und als ich seinen Arm anfasste, glühte dieser. Das Fieberthermometer zeigte dann 39 Grad und damit war der für diesen Tag geplante Flug nach Neuseeland hinfällig. Stattdessen war es nun an der Zeit für einen Krankenhausbesuch, das sah dann auch endlich Henny so. 

Für den Vormittag hatte ich bereits ein Taxi zum Flughafen arrangiert. Den Fahrer Dario schrieb ich nun an und fragte ihn, ob er uns stattdessen so schnell wie möglich zu einem Krankenhaus bringen könnte.. in einer halben Stunde wäre er da. In der Zeit suchte ich nach einem Krankenhaus, welches dem europäischen Standard entspricht und über englisch sprechende Ärzte verfügt. Das neue Ziel war schnell klar: Hospital Nacional im Zentrum von Panama City. Auch Dario bestätigte uns, dass es ein gutes Krankenhaus wäre.

Die Fahrt zum Krankenhaus dauerte rund 30 Minuten und war abenteuerlich, wobei abenteuerlich gar kein Ausdruck ist. Henny ging es zunehmend schlechter und er hatte in den letzten 4 Stunden über 4 Liter getrunken und immer mehr Durst. Dario gab richtig Gas, überholte an unmöglichen Stellen und hupte sich den Weg frei. Er fuhr wie ein Fluchtwagenfahrer und drehte sich trotzdem alle paar Minuten zu Henny um und fragte mich wie es ihm geht, denn Henny antwortete – wenn überhaupt – nur noch auf Deutsch. Ansonsten war Henny in einem Fieberwahn und nahm seine Umwelt nicht mehr wahr.

Beim Krankenhaus in der Notaufnahme angekommen wurde Henny, nach 600 US Dollar Anzahlung, erstmal 3 Stunden untersucht: Lunge röntgen, Blut abnehmen und verschiedene Tests durchführen, außerdem gab es eine Nasen-Mund-Maske für seine Sauerstoffversorgung. Ich wurde direkt am Eingang festgehalten um alle möglichen Formulare, welche natürlich nur auf Spanisch existierten, auszufüllen und die Bezahlung der weiteren Behandlungen zu tätigen. Durch einen Vorwand schaffte ich es kurz in den Behandlungsraum zu Henny und konnte mir so selbst einen Eindruck vom Krankenhaus machen. Es gab schon mal keine tanzenden Kakerlaken und auch an sich sah es sauber und modern ausgestattet aus. Das beruhigte mich ein wenig. Während der Zeit im Warteraum stellte ich fest, dass das Krankenhaus über Internet verfügte und fragte freundlich nach dem Passwort, damit ich die Versicherung informieren, die Flüge umbuchen und eine neue Bleibe suchen konnte (bei Keylin war es leider bereits ausgebucht, unser Gepäck stand noch da, aber die 4 Rucksäcke und mich selbst musste ich im Laufe des Tages woanders unterbringen). Bei der Frau direkt am Empfang stieß ich auf taube Ohren und bekam keinen Zugang – das sei gegen die Vorschriften. Jedoch bekam ein Arzt das Gespräch mit und gab mir über sein Handy Internetzugriff mit den Worten „It´s hard to be oversea“. Er war etwa eine Stunde in dem Empfangsbereich und so hatte ich die Möglichkeit, mich erstmal um das wichtigste Organisatorische zu kümmern. 

In der Notaufnahme mit beginnender Blutvergiftung und 39° Fieber.

Der Arzt der Notaufnahme war irgendwann auch am Ende und rief einen Spezialisten hinzu. Dr. Marquez, der Spezialist, kam etwa eine Stunde später und in der Zeit durfte ich auch offiziell zu Henny ins Untersuchungszimmer – allerdings nur kurz bevor ich zur nächsten Zahlung von 6.000 US Dollar aufgefordert wurde. Das Limit meiner beiden Karten war durch Notaufnahme, Unterkunft und Flüge bereits erreicht, aber Henny seine Karte gab es zum Glück noch her. In innerhalb von 5 Stunden waren also 3 Kreditkarten am wöchentlichen Limit von circa 10.000€ angekommen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen..

Im Laufe des Nachmittags bin ich mit Dario zur alten AirBNB Unterkunft gefahren um unsere 4 Rucksäcke zu holen, mehr als 50 kg Gewicht. Direkt bei Keylin half er mir auch mit Henny seinem Gepäck, bei meiner neuen Bleibe und dem Krankenhaus selbst gab es leider nur Plätze im absoluten Halteverbot und ich musste das Gepäck alleine tragen. Während der Fahrt redeten wir über die Lage in Venezuela, seinem Heimatland, und ich sagte ihm auch das er ein Engel sei – zum Glück sind sich da Spanisch und Deutsch sehr ähnlich 🙂

Mein Gepäck brachte ich also in ein Hotel 4 Blocks vom Krankenhaus entfernt und Henny seine Rucksäcke schleppte ich ins Krankenhaus – genauer bis in die Semi-Intensivstation auf der ersten Etage, auf der er mittlerweile lag. Das war alles ein ziemlicher Krampf, denn abgesehen von den Ärzten konnte keiner Englisch und mich mit meinem geringen Spanischen Wortschatz verständlich zu machen (und auch die Antworten zu verstehen! 🙂 ) war alles andere als leicht! 

Am Abend gab es dann auch die Diagnose (zum Glück auf englisch): eine Lungenentzündung mit Komplikationen, da sich unter der rechten Lunge eine eitrige Flüssigkeit angesammelt hat. Dadurch konnte sich die Lunge auch nicht mehr richtig ausdehnen, was die stechenden Schmerzen in der Brust erklärte. Doktor Marquez nahm noch an diesem Abend eine Probe der Flüssigkeit, um festzustellen, ob man dieser mit Medikamenten beikommen kann oder eine Operation notwendig wird. Ich wartete draußen etwa eine halbe Stunde und in dieser Zeit wurde unter anderem auch ein kleiner Junge von etwa 6 Jahren mit starken Verletzungen (wie durch einen Autounfall) in das Krankenhaus geschoben. In seinen Augen stand die nackte Panik und als man ihn fünf Minuten später auf eine andere Liege hob, hörte man ihn über die komplette Etage schreien. Kurze Zeit später kam zum Glück Henny aus dem Untersuchungsraum zurück und ich konnte mich auf ihn konzentrieren.. 

Henny in der Semi-Intensivstation.

Das Ergebnis der Untersuchung: eine OP war innerhalb der nächsten 24 Stunden notwendig. Wir wurden vor die „Wahl“ gestellt: am nächsten Tag für 7.000 bis 8.000 USD in der Privatklinik operiert werden oder kostenfrei mit einer Woche Wartezeit im öffentlichen Krankenhaus. Da nach einer Woche Wartezeit vermutlich auch keine Operation mehr nötig gewesen wäre (ich habe extra noch mal unglaubwürdig nachgefragt ob ich das richtig verstanden habe), war die Entscheidung schnell gefallen. Noch am gleichen Abend kamen auch die beiden Chirurgen – im Nadelstreifenanzug – um Henny zu besuchen und sich mit seinem Fall betraut zu machen. Für den nächsten Tag wurde die OP auf 17:00 Uhr gelegt und bis dahin gab es ständig einen Tropf sowie Eis um dem Fieber entgegen zu wirken.

Gegen 20 Uhr war ich im Hotelzimmer und informierte erstmal unsere Familien und fragte auch gleich bei meinem Bruder nach Geld an, denn bei den 8000 US Dollar für die OP würde es sehr wahrscheinlich nicht bleiben. An diesem Abend erreichte ich zwar nichts mehr auf Grund der Zeitverschiebung, aber so war für den nächsten Tag schon mal das wichtigste vorbereitet. Am nächsten Morgen war zum Glück auch schon Geld von meinem Bruder auf meinem Konto gutgeschrieben und es gab tröstende Worte aus der Heimat.

Ich war die meiste Zeit bei Henny im Krankenhaus (obwohl ich eigentlich gar nicht so lange auf der Semi-Intensivstation bleiben durfte aber ich nix verstehen 😉 ) und ging nur ins Hotel wenn ich Internet brauchte um mit der Versicherung oder so zu kommunizieren.. 

Alleine für den Schlafplatz mit Betreuung und Medikamenten waren am Mittwoch, nach nur einer Nacht im Krankenhaus, weitere 5.000 US Dollar notwendig und das Krankenhaus weigerte sich die Garantie der Kostenübernahme (kurz GoP) unserer Versicherung zu akzeptieren, obwohl diese das zugesichert hat. Das Krankenhaus wollte einfach nicht mit unserer Versicherung zusammenarbeiten, denn so wie es gerade war, war es für das Krankenhaus am stressfreisten. Entweder überweisen oder Henny wird verlegt ins öffentliche Krankenhaus.. so telefonierte ich mit meiner Bank, damit das Kreditkartenlimit angehoben wurde. Wenn ich nicht bei Henny im Krankenhaus war und wir kommunizieren wollten, schrieben wir SMS, das war alles ein richtiges Schnäppchen im Ausland. 🙂  Insgesamt kamen unsere 4 Kreditkarten zum Einsatz und mit nur einer oder zwei hätten wir definitiv ein richtiges Problem gehabt!

Henny war die ersten Tage im Krankenhaus wie weggetreten. Ob es an dem Fieber lag oder an den Schmerzmittel oder einer Mischung daraus bleibt ungewiss. Was sich in seinen Kopf eingebrannt hat aus der Zeit, ist, dass er zum ersten Mal im Bett gewaschen wurde (mit 33 Jahren rechnet niemand damit). Was sich bei mir im Kopf eingebrannt hat, ist, dass dein Leben nur soviel Wert ist wie dein Kontostand!

Versorgt mit allem was er gerade braucht.

Obwohl am 08.03.2017 die Operation auf 17 Uhr angesetzt war, verschob sie sich immer weiter nach hinten. Irgendwann sagte mir ein Pfleger, dass gerade noch eine Herz-OP stattfindet und es noch mindestens 3 Stunden dauern wird. Also ließ ich Henny in Ruhe damit er noch ein wenig schlafen konnte und ging stattdessen ins Hotel zum Internet, um zu überprüfen, ob noch genug Geld auf den richtigen Konten ist (wegen der Limits) und um der Versicherung die weiteren Quittungen zu schicken für eine baldige Rückzahlung. 

Gegen 23 Uhr – ich wartete gerade auf ein Taxi zum Krankenhaus – schrieb mir der Anästhesist über WhatsApp, dass es bald losgehen würde mit der OP. Im Hospital warteten wir beide in Henny seinem Zimmer und als die Ärzte und Pfleger kamen bat ich sie noch, dabei sein zu dürfen wenn Henny wieder aufwacht. Einfach dass der erste Mensch ein vertrauter Mensch ist und einer, der die Muttersprache versteht und spricht. Das sei eine gute Idee und sie versprachen mir, dass er, sollte es keine Komplikationen geben, in seinem Zimmer aufwachen wird. Das wäre ihnen auch lieber, denn falls er Schmerzen hätte etc. würden sie ihn dann auf jeden Fall verstehen.. 

Um 23:25 Uhr wurde er aus seinem Zimmer in den OP-Saal geschoben. Ich saß in dem Zimmer und wartete darauf, dass alles gut wird. Etwa 1 Uhr bekam ich vom Anästhesisten eine Nachricht dass sie noch am operieren sind aber alles gut aussieht und um 2:04 Uhr die Nachricht, dass die OP vorbei ist. Um 03:05 Uhr wurde Henny wieder ins Zimmer geschoben. Und tatsächlich, er wurde auch gerade erst wach und versicherte mir dass es ihm gut ginge. Den Rest der Nacht verbrachte ich dort auf einer kleinen Liege während alle halbe Stunde jemand reinkam um die Temperatur zu messen oder die Werte am Monitor zu überprüfen. Aber im Vergleich zum Warten vorher war das sogar richtig angenehm. 

Am nächsten Tag, dem 09.03., war Henny auch langsam wieder klar im Kopf. Das Fieber hatte nachgelassen und so registrierte er so langsam aber sicher erst richtig die Kabel und Schläuche an seinem Körper. Ein neuer, etwa daumendicker Schlauch war an seiner rechten Seite hinzugekommen. Direkt unter der Lunge und an dessen anderem Ende befand sich ein Auffangbehälter für die restliche Flüssigkeit. Gegen 8 Uhr kam Dr. Marquez mit guten Nachrichten: die Werte waren besser, die Medikamente wurden angepasst: hauptsächlich Antibiotika und Schmerzmittel. Jetzt, nachdem die größte Gefahr gebannt war, bekamen wir auch weitere Informationen: die Letalität 2 Tage zuvor lag bei 10%, Henny war stark dehydriert (trotz über 4 Liter Flüssigkeit an diesem Morgen) und langsam setzte eine Blutvergiftung ein. Die erste Schätzung, ab wann er wieder fliegen darf, lautete etwa 6 Wochen…. Woher die Krankheit kam konnte uns aber niemand sagen. 

Kurz nachdem der Arzt gegangen war, wurde ich wieder in das Zahlungsbüro gebeten. Dort zeigte man mir eine Rechnung von weiteren 6000 US Dollar und sagte mir, dass ich diese heute bezahlen müsste. Jetzt, nach der OP, traute ich mich das erste mal aufzumucken und sagte dass ich nicht zahlen darf. Meine Versicherung hätte es mir verboten und das Krankenhaus soll mit unserer Versicherung in Kontakt treten. Ich versuchte mich kooperativ zu zeigen um den Bogen nicht zu überspannen, aber machte auch klar, dass es so nicht weiter gehen kann. Das Gespräch war definitiv mit eines der schwersten meines Lebens, denn die Frau verstand nur Spanisch und meine Sprachkenntnisse gaben das eigentlich gar nicht her. Irgendwie gelang es mir und die Dame telefonierte ein wenig und sagte mir dann, dass ich in 2 Stunden einen Termin bei der internationalen Versicherung im Haus hätte. Geht doch. Mit Craig, einem Ami, hatte ich dann auch meinen Spaß in seiner fensterlosen 2qm großen Zelle, in der er nicht mal aufrecht stehen konnte. Wenn auch Ami, wenigstens fanden die Gespräche auf Englisch statt und ich konnte ihm versichern, dass unsere Versicherung wirklich eine Versicherung ist und kein Hinterhalt und dass das Krankenhaus definitiv das Geld bekommen wird. Das waren die allgemeinen Sorgen die wohl jeder hat wenn er den Geschäftspartner noch nicht kennt. Das es dabei um ein Menschenleben ging interessierte nicht. Er telefoniert nochmals mit unserer Versicherung und wenig später erhält er schriftlich die gewünschte GoP, erstmal in Höhe von 20.000 USD ohne jegliche Quittung zeigen zu müssen, ansonsten jederzeit erweiterbar wenn Rechnungen folgen..  Alle Gespräche fanden in meiner lila Stoffhose (mit Zahnpastaflecken) statt, da ich keine andere mehr hatte und auch keine Lust hatte in Panama shoppen zu gehen. Als die Gespräche zum Schluß um die 50.000 USD gingen wünschte ich mir schon wenigstens eine saubere Hose zu haben 😉

Statt Neuseeland unsicher zu machen, macht Henny erstmal das Krankenhauspersonal beim Röntgen unsicher. Ganze 4 Leute werden dafür benötigt..

Henny befindet sich auch auf dem Weg der Besserung, der Puls ist wieder im Normalbereich, das Fieber ist auch verschwunden und am 10.03. wird er von der Semi-Intensivstation auf die normale Station verlegt. Das Krankenhauspersonal kümmert sich echt richtig gut um ihn, es gibt auch jeden Tag mehrmals 2 verschiedene Inhalationsübungen, damit seine Lunge schnell wieder richtig fit ist. Allerdings ist Henny nach wie vor sehr geschwächt und schon 1 Stunde in einem Stuhl sitzen sorgt dafür, dass er danach total erschöpft ist und erstmal schlafen muss. Echt Wahnsinn wie schnell das gehen kann.. 

Ich war die meiste Zeit damit beschäftigt dem Krankenhaus zu versichern dass sie ihr Geld bekommen. Ansonsten habe ich noch viel mit der Versicherung und dem Reisebüro kommunizieren müssen. Das Reisebüro ging problemlos per Mail, mit der Versicherung fanden viele Telefonate statt und da ich es mir nicht leisten konnte (bei 3€ pro Minute) jeden Tag die Versicherung anzurufen skypte ich abends mit meinem Bruder und er hatte auf dem anderen Handy die Versicherung. Danke Bruderherz!! 

Durch diese ganzen Sachen wurde mir wenigstens auch nicht langweilig im Hospital und da ich eh die meiste Zeit im Krankenhaus war, zog ich am zweiten Tag auf der normalen Station einfach mit in Henny sein Zimmer ein, denn dort stand ebenfalls ein Sofa. Hat auch keiner was gesagt und ich bekam sogar Bettzeug und ein Handtuch 🙂

Die Kommunikation zwischen Krankenhaus und Versicherungen war gelinde gesagt sehr holprig. Immer wieder will jemand Geld von mir, jeden Tag muss ich denen erklären dass sie ihr Geld bald bekommen und dass unsere Versicherung eine richtige Versicherung ist und auch alles abdeckt. Davor hatte das Krankenhaus nämlich Angst: das es diese unsere Versicherung nicht gibt oder nur einen begrenzten Betrag abdeckt und das Krankenhaus dann auf den angefallenen Kosten sitzenbleibt. Standard wie ich im Nachhinein gehört habe und auf der einen Seite verständlich, aber auf der anderen Seite auch nicht wenn es um ein Menschenleben geht. An einem Abend eskalierte die Situation fast. Ich war einen Tag so frei und habe mich nicht mit der Versicherung vom Krankenhaus in Verbindung gesetzt da ich dachte dass mittlerweile alles seinen Weg geht. Gegen 19:00 Uhr klingelte das Telefon auf Henny seinem Zimmer und auf schnellen Spanisch wurde ich zugetextet bis ich sagte, dass ich nichts verstehe. Das es um Geld ging verstand ich schon, aber nach über einer Woche jeden Tag sollte es nun langsam mal gut sein.. Kaum 30 Minuten später kommt ein Pfleger der ein wenig Englisch spricht mit jemandem von der Administration und verlangt 11.000 USD von mir. Also versichere ich denen wieder dass wir eine Versicherung haben, die alles bezahlt. Gelang mir zum Glück wieder. Henny ist nach dem Besuch natürlich total fertig und genau das war auch der Plan vom Krankenhaus, Druck ausüben über den Patienten. Diese Arschlöcher, das ist wirklich das allerletzte.

Durch die psychische Belastung (Aktionen wie diese und die allgemeine Sprachbarriere) versuchten wir einen medizinisch sinnvollen Rücktransport der Versicherung zu prüfen. Aber erst war Henny nicht stabil genug und ein paar Tage später war er zu stabil. Den Unterschied zwischen medizinisch sinnvoll und medizinisch notwendig hatten wir anders verstanden, aber ok, daran ließ sich auch nichts mehr ändern, Hauptsache Henny ging es langsam besser und das schlimmste war überstanden. Bei einem Telefonat mit der Malteser Flugrettung hat einer sich ganz schön was von mir anhören müssen. Wenn ich könnte würde ich mich gern bei dem entschuldigen, der konnte ja auch nichts für die Situation und hat trotzdem ziemlich viel von mir abbekommen als er sich mit „Grüß Gott“ am Telefon meldete.

Sergio, Yauri, Dario und auch Keylin fragten mich auch ständig wie es uns geht und ob sie helfen könnten und ob ich Lust hätte mal für ein paar Stunden das Krankenhaus zu verlassen für einen Kaffee oder so. Aber ich wollte nicht, obwohl das echt total lieb gemeint war. Ich sprach schon mehr als genug Spanisch jeden Tag und das strengte ganz schön an, ich wollte das Krankenhaus nicht verlassen da wir zu zweit mehr verstanden als alleine und Henny auch ungern allein sein wollte (verständlicher Weise). Außerdem war ich eh die ganze Zeit müde, denn eine typische Nacht sah so aus: alle 2 bis 4 Stunden kam jemand in das Zimmer um Blutdruck oder Fieber zu messen oder um Henny mit einem neuen Tropf zu versorgen. Bis auf ein Pfleger ließen alle die Türen knallen und machten die Festtagsbeleuchtung, plauderten laut irgendetwas vor sich hin und ließen beim Verlassen des Zimmers wieder die Türen knallen. Hätten die mich verstanden hätte ich mit denen „Tür leise schließen“ geübt – dieses Projekt hätte sich gelohnt 😉  Wieder 2 Stunden später piepte die Infusionspumpe weil der Tropf leer war und Henny rufte einen der Pfleger mit „nessesito ayudar con el piep piep piep“ (Maschine oder Apparat wollte er irgendwie nicht sagen 🙂 ).  Gefühlt belastete es Henny sehr dass er noch nicht mal mehr diesen Satz auf Deutsch sagen konnte. Um unsere Hilflosigkeit zu überspielen machte ich Scherze über den Satz und zum Glück konnte auch Henny drüber lachen. Danach fanden wir es zumindest lustig wenn Henny das sagte und es wurde eine Art Running gag. Den Humor darf man einfach niemals verlieren!!! 🙂

Nachdem Henny in der Lage war 2 Stunden im Stuhl zu sitzen war die nächste Aufgabe Runden auf der Etage zu laufen. Am Anfang – nur die erste Runde um genau zu sein 🙂  –  noch begleitet von Klinikpersonal und irgendwann alleine. Ich lief jede Runde mit, wenn auch einige Runden sehr schwer waren, denn auf der Etage ging es durch die Frühchenstation. Da gab es einige Kinder zu sehen, denen 2-3 Monate mehr im Mutterbauch gut getan hätte.

Erste Schritte über die Etage.

Am Montagabend, 13.03.2017, sollte der Drainage-Schlauch durch einen dünneren Schlauch ersetzt werden. Dazu wurden vorab per Ultraschall zwei passende Einstichstellen ermittelt. Gegen 20:30 Uhr kam Dr. Marquez und probierte den kleineren Schlauch direkt im Zimmer bzw. Bett zu setzen, während ich draußen wartete. Aber es kam nur Luft und keine Flüssigkeit und so ging es etwa eine Stunde später zur Radiologie, um einen weiteren CT Scan zu machen. Zum CT Scan sollte Henny liegend auf einem anderen Bett transportiert werden. Dafür kamen drei der maximal besten Leute, denn als die drei die Transportliege abkippten, fiel die Sauerstoffflasche runter und rollte ein paar Meter. Das hätte auch anders ausgehen können und so mussten die sich erstmal auf Deutsch beschimpfen lassen, denn Henny seine Nerven lagen auch blank. Die waren auch nicht die einzigen die ich mal was anhören durften auf Deutsch, aber manchmal muss es halt einfach sein. 🙂

Das Ergebnis des CT Scans war jedenfalls, dass alles gut war. Mehr gab es für diesen Tag nicht mehr, aber mehr Erklärungen brauchte ich auch nicht mehr. 🙂

Am nächsten Tag führte Dr. Marquez gegen 18 Uhr eine Bronchoskopie durch, die zweite Narkose und diesmal Aufwachen im Beobachtungsraum. Die Behandlung lief erfolgreich und die Nasenmaske war danach nicht mehr notwendig. 🙂  Ich war die 3 Stunden über wieder ziemlich unruhig und zu nichts zu gebrauchen..

Ein leckeres schmackhaftes Krankenhausgericht.

Am Mittwoch sagte man uns dann, dass Henny nächsten Montag (also in 5 Tagen) entlassen werden kann wenn es so weiter geht wie bisher. Das klang echt gut. Die Station durfte Henny im Moment nicht verlassen und es gab morgens mittags und abends Reis mit Reis in Reis, dazu Reis mit trockenem Toast und trockenem Geflügel. Dadurch hielt sich sein Appetit verständlicherweise in Grenzen und so fragte ich Dr. Marquez, ob Henny prinzipiell alles essen darf oder ob es sich um eine Art Diät handelt. Antwort: „Feed the King“ 🙂  Alles klar, ab da gab es jedes Mal zum Reis noch einen Bürger, einen Döner oder andere Sachen bei denen ich wusste dass Henny sie isst. Außerdem besorgte ich uns den besten Kaffee (in der Krankenhauscafeteria mit dem Namen Bypass 😉  ) im Umkreis von 5 km und jede Menge Schokolade – Schokolade hilft ja bekanntlich am besten 🙂

Einmal holte ich mir auch ein Bier. War zwar ein wenig gemein Henny gegenüber aber ihm war eh nicht nach trinken. Ich trank es dann heimlich und war froh, dass der Geruch der Knoblauchsoße vom Döner den Biergeruch überdeckte. Erinnerte fast ein wenig an Klassenfahrten zu Schulzeiten. 😉

Das eine Mal kam ich gerade zurück vom Essen holen und Henny sein Zimmer war leer! Ich war gerade mal eine viertel Stunde bis 20 Minuten unterwegs gewesen und dann ist Henny nicht auffindbar obwohl er die Etage nicht verlassen durfte. Ich war total fertig als mein Handy klingelte mit einer Nachricht von Henny: er wurde zum röntgen gebracht, also alles gut. 

An dem Wochenende vor der Entlassung buchten wir auch für eine Woche eine Airbnb Unterkunft in der Stadt (bei einem Deutschen), fragten Dario ob er uns fahren kann und schauten schon mal nach Flügen Richtung Frankfurt. Wir hatten uns entschieden eine Reisepause zu machen. Henny seine Konstitution hätte eine Weiterreise nicht erlaubt, denn sogar die Kraft den Rucksack anzuheben hatte gefehlt. 

Am Sonntag gab es dann auch unser Geld zurück. Nicht alles von den 11.000 USD, aber alles bis auf die 1.300 USD Notaufnahme. Wobei man mir die Notaufnahme auch erst zurück gebucht hat, aber 2 Stunden später kam wieder jemand und meinte das geht so doch nicht. Das Geld müssen wir uns dann also in Deutschland von unserer Versicherung wiedergeben lassen.

Zusammen mit Dr. Marquez am Tag der Entlassung.

Am Entlassungs-Montag wurde Henny gehen 6:00 Uhr noch mal Blut abgenommen. Um 10 Uhr kam Richard, der Pfleger, um Henny noch mal für 4 Stunden an den Tropf zu hängen. Eine Stunde später kam Dr. Los Rios zum Fäden ziehen. Gegen 13 Uhr kam Dr. Marquez und sagte, dass einer Entlassung nun nichts mehr im Weg stehe. Nur wann, dass sagte uns keiner und Henny wurde langsam richtig unruhig.. Wir informierten die Unterkunft und Dario, dass wir später kommen würden. Nachdem der Tropf durchgelaufen war, kam Richard wieder in das Zimmer um „El Piep Piep“ auszuschalten und uns Henny´s Unterlagen zusammen mit einem Rezept für Hustensaft und Schmerzpillen zu geben. Den Venenzugang in Henny seiner Hand durfte er allerdings noch nicht entfernen, sondern erst, wenn die Rechnungsabteilung sagt das alle Rechnungen bezahlt sind. Das würde wohl noch etwa 1-2 Stunden dauern.

Nach einer Stunde geht Henny zur Pflegerstation und fragt wie lange es noch dauert. Daraufhin werde ich gebeten mit Richard mitzukommen zur Mesa de Control während Henny das Zimmer nicht verlassen darf. Dort wird viel geredet und telefoniert und am Ende wird entschieden dass wir gehen dürfen, wenn Henny noch 4 Dokumente unterschreibt – unter anderem das er für die Kosten aufkommt wenn unsere Versicherung doch nicht zahlt, aber wir verlassen ja eh bald das Land 😉

Maximiliano bringt Henny bis zur Cafeteria Bypass.

Mit dem Rollstuhl ging es dann zur Cafeteria wo Henny 2 Burger bestellte und stattdessen Hähnchen mit Pommes geliefert wurden. In der Zeit gehe ich zur Apotheke um das Rezept einzulösen und bin mal wieder erstaunt was die Frage soll wie viele von den 12 verschriebenen Tabletten ich jetzt gleich kaufen möchte. Anscheinend haben selbst die Menschen kein Geld für die Medikamente, die in dieser Privatklinik untergebracht sind..

Danach ging es mit Dario zu unserer neuen Unterkunft und er ruft dort auch extra noch an, damit jemand kommt und Henny sein Gepäck trägt. Felix und Oriana kommen auch aus der 23. Etage nach unten und helfen uns. Wir werden auf englisch und deutsch begrüßt und wir sind froh, dass das Krankenhaus nun Geschichte ist. Unser Zimmer ist toll, lediglich das Luftbett/Gästebett ist der Horror – jede Bewegung bekommt der andere mit.. Wir verbringen den Nachmittag auf dem Balkon, unser Platz für die nächsten Tage 🙂

Die folgenden Tage verbrachten wir eigentlich nur in der Wohnung bzw auf dem Balkon. Nur einmal pro Tag verließen wir die Unterkunft um in einem der beiden nahe gelegenen Supermärkte einzukaufen. Beide Märkte waren einen Block von der Wohnung entfernt, aber danach war Henny total erschöpft, seine Kondition besserte sich nur sehr langsam, aber dafür wenigstens stetig. 

Eines Abends saßen wir noch auf dem Balkon als es auf einmal in der ganzen Stadt einen Stromausfall gab. Felix brachte uns daraufhin extra eine Taschenlampe und erzählte uns, das vor kurzem ein Kraftwerk abgebrannt ist. Das ganze dauerte etwa 90 Minuten und eine Großstadt in völliger Dunkelheit zu sehen hatte etwas von einem Horrorfilm und ich war froh, dass wir zu diesem Zeitpunkt nicht unterwegs waren.

Am Donnerstag, dem 23.03.2017, verließen wir sogar mal für längere Zeit die Wohnung, denn Henny hatte noch einen Termin bei Dr. Marquez, damit dieser ihm auch eine Flugtauglichkeitsbescheinigung ausstellen konnte. Diese Gelegenheit nutzen wir gleich, um uns bei den Leuten vom Krankenhaus zu bedanken…

Für Craig, das Sprachrohr der internationalen Versicherung vom Krankenhaus, wollte ich eigentlich ein paar Goldtaler aus Schokolade kaufen, aber Henny meinte das kann man nicht machen und so kauften wir Rafaelo 😉  Als Craig hinter mir Henny erblickte zuckte er kurz zusammen – ob er dachte ich bringe einen Schläger mit? 😉

Auf der normalen und der Semi-Intensivstation gibt es für die Belegschaft Merci. Für die Dame von der Verwaltung hatten wir ebenfalls eine kleine Aufmerksamkeit gekauft, denn trotz Sprachproblemen war sie immer total freundlich zu mir und hat versucht mich zu verstehen. Außerdem hatte sie sich dafür eingesetzt, dass ich überhaupt erstmal einen Termin bei der internationalen Versicherung bekomme.. Einige Menschen neigen ja dazu jemanden für blöd zu halten wenn er nicht die gleiche Sprache spricht (oder nicht perfekt) aber das war bei ihr nicht mal ansatzweise der Fall 🙂

Direkt neben dem Krankenhaus ist ein Ärztehaus, in welchem Dr. Marquez seine Praxis hat. Er untersuchte Henny noch mal kurz und danach gibt es die Flugtauglichkeitsbescheinigung auf englisch und spanisch ausgestellt und wir geben ihm 2 Packungen Merci, eine für ihn und eine für den Chirurgen Los Rios. 

Während der Fahrt zurück zum AirBnB vereinbaren wir mit Dario, dass er uns am nächsten Tag zum Panamakanal fährt. In der Unterkunft angekommen stellen wir fest, dass der eigentlich von uns angedachte Rückflug am folgenden Montag ausgebucht ist. Mist. Wir suchen 2-3 Stunden nach Alternativen. Die meisten Flüge gehen über die USA und sind damit ein No-Go! Es bleiben Flüge über Bogota oder Istanbul. Ich schaue einfach mal nach Flügen für den nächsten Tag – und dort ist der Direktflug bei der Lufthansa noch frei – das ist sogar mit einer der günstigsten Flüge. Wir können uns nicht entscheiden, immerhin waren wir 3 Wochen in Panama und haben quasi noch nichts von der Stadt gesehen und nur wegen dem Kanal sind wir überhaupt nach Panama gereist.. Nach einigem Hin und Her fragten wir Felix, ob er eine Münze wirft (Eine Glücksmünze aus Chile, die ich gefunden hatte, 5 chilenische Peso). Das Ergebnis: wir fliegen am nächsten Tag. Eine der schwersten Entscheidungen der Reise 😉  Wir buchen den Flug, sagen unseren Familien Bescheid und informieren Dario, dass er am nächsten Tag erst gegen Mittag da sein braucht und das wir doch zum Flughafen möchten statt zum Kanal. Er kann es verstehen..

Am Freitag waren wir früh wach (zu zweit auf einem Luftbett ist einfach scheiße) und ziemlich nervös wegen dem Flug. Die meiste Zeit hatte man uns gesagt dass Henny in den nächsten 6 Wochen nicht fliegen darf wegen der Luftdruckunterschiede und nun sollte es in ein paar Stunden doch in luftige Höhen gehen. Wir wollten auch keine weiteren 3 Wochen warten, einzige Alternative wäre es gewesen zu schauen, was für Schiffe den Kanal queren und ob man auf eines drauf kommt. Aber dafür war Henny eigentlich auch noch nicht fit genug.. 

Dario, der Engel und Helfer 🙂

Dario kam sogar 6 Minuten vor der verabredeten Zeit – er wusste dass wir Deutsche sind 😉  – und fuhr uns zum Flughafen wo wir ihm noch mal für alles dankten. Er hat jetzt auch eine AirBnB Unterkunft und wenn wir mal wieder nach Panama kommen sollen wir natürlich Bescheid sagen.

Nach dem Security Check am Flughafen wollten wir noch Andenken kaufen, T-Shirts oder Kühlschrankmagneten oder so. Aber es gab nix gescheites. Dafür Wasser für 14 US Dollar. Unser Gate von der Lufthansa war noch einmal separat abgesperrt und es findet ein weiterer Security Check statt. Man will uns das Wasser abnehmen und da wird Henny ungemütlich und erklärt der Frau dass das nicht geht. Die versteht natürlich kein Wort und ich sage Henny er soll einfach das Schreiben von Dr. Marquez zeigen. Daraufhin dürfen wir das Wasser behalten. Die eine Stunde Wartezeit müssen wir auf dem Boden sitzen, weil der abgesperrte Bereich nicht groß genug war. Aber um 19:00 Uhr starte der Flieger Richtung Heimat. Ich bin während des Starts total aufgeregt und sterbe fast vor Angst ob Henny seine Lunge den Luftdruckunterschied nun mitmacht oder nicht. Aber bei Henny ist alles schick. 

Der Flug selbst hatte richtig viele Turbulenzen, einmal wurde ich 10 cm aus dem Sitz gedrückt und es ging ein Schrei durch das gesamte Flugzeug. Als später irgendwann das Essen weiter ausgeteilt wurde bestellte ich auf Henny seinen Namen Wein mit – leicht angeheitert ließen sich die Turbulenzen leichter ertragen. 🙂

Willkommen zurück.
Willkommen zurück!

Die 5 chilenischen Peso hatten unser Schicksal besiegelt und so erreichten wir am Samstag den 25.03.2017 um 11:35 Uhr wieder deutschen Boden. Henny hatte Probleme bei der Einreise, er sah schon ein wenig heruntergekommen aus und das Passfoto zeigte ihn mit ein paar Kilo mehr auf den Rippen. 😉  Erst nach einem Fingerabdruck-Scan war der Bundespolizist zufrieden. Zu guter letzt schleifte ich seinen 22 kg Rucksack an den wartenden Zollbeamten vorbei, weil es Gepäckwagen nur gegen Euro-Münzen gab, die wir nicht hatten. Mein Bruder begrüßte uns mit je einem Gehacktesbrötchen und einer Flasche Vita-Cola. Willkommen zurück!

Tag 139 bis 142 – Bogotá

 

Lage von Bogotá in Kolumbien.

Am Dienstag, den 28.02.2017, flogen wir dann von Quito nach Bogotá. Der Flug hatte eine Zwischenlandung in Panama City und dauerte daher etwas länger, war aber an sich ohne besondere Vorkommnisse. Für Kolumbien mussten wir während des Fluges wieder mal ein Einreiseformular ausfüllen. Das Formular erhielten wir im Flugzug leider nur auf Spanisch, somit waren wir froh am Flughafen dann auch die englische Version zu bekommen. Die Fragen sind zwar immer wieder ähnlich, aber Verstehen ist besser als Vermuten. 🙂

In Bogota selbst standen wir erstmal eine Stunde bei der Passkontrolle an, aber dann bekamen wir problemlos unseren Stempel und unsere Rucksäcke warteten auch schon auf uns. Wir nahmen uns auch gleich ein Taxi zu unserem Hostel und auf dem Weg dahin sahen wir an jeder Straßenecke jemanden vom Militär, von der Polizei oder private Sicherheitskräfte mit Hunden und Waffen stehen – das war und ist schon ein wenig merkwürdig aber andere Länder… Gegen 00:40 Uhr erreichten wir unser Hostel, der Besitzer öffnete uns die Tür und gab uns den Schlüssel für das Zimmer. Danach legten wir uns auch direkt ohne Check-In schlafen, das hatte alles Zeit bis zum nächsten Morgen.

Als wir am nächsten Morgen, dem ersten Tag im März, gegen 11 Uhr wach wurden, wurden wir auch gleich vom Gastgeber mit einem Stadtplan und den wichtigsten Infos zur Stadt und Umgebung versorgt. Das war echt super, denn wir mussten auch erstmal Geld abheben, Henny brauchte etwas gegen seine Erkältung (selbst wenn er das nicht so sah 😉 ) und Hunger hatten wir auch.

Nachdem wir in einem kleinen Lokal frisch gepressten Saft und Omelett zur Stärkung zu uns genommen hatten, begaben wir uns auf die Suche nach Geld. Am ersten Automaten stand ich 45 Minuten an (da Henny sich nicht so gut fühlte saß er auf einem Stuhl am Rand) und dann kam kein einziger Peso raus, bei dem zweiten musste ich zum Glück nur 20 Minuten anstehen. Echt der Wahnsinn, über eine Stunde anstehen für ein wenig Bargeld. Aber ich hatte noch Glück, denn aus diesem Automaten holte ich die letzten vorhandenen kolumbianischen Pesos.

Während wir im Supermarkt einkauften fing es in Strömen an zu regnen und da das Dach vom Supermarkt kaputt war haben die Angestellten alle Hände voll zu tun gehabt die Ware ins Trockene zu bringen. Vor dem Supermarkt versammeln sich währenddessen sehr viele fliegende Händler um Regenschirme zu verkaufen, aber wir warten einfach ein wenig bis der Platzregen nachließ und liefen dann langsam zurück zum Hostel. Dort nahm Henny eine Aspirin und den Pax Té Noche (Tee für die Nacht) und legte sich schlafen. Um ihn nicht zu stören schnappte ich mir meine Kamera und verschwand für ein paar Stunden in der Innenstadt. Abends gingen wir zu einem Italiener eine Querstraße weiter, die kulinarische Abwechslung tat richtig gut. Wieder im Hostel legte Henny sich schlafen und ich sicherte die Fotos und schrieb im Reisetagebuch.

Bogotá – Am Plaza de Bolívar.

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück im Hostel zur Touristeninformation, da diese Donnerstags um 10 Uhr eine kostenlose Stadtführung anbietet. Zusammen mit einer Studentin aus Bogota und der Angestellten der Touristeninfo ging es dann auch kurz nach 10 Uhr los. Leider ist das Englisch nicht wirklich gut gewesen und wir verstanden nicht besonders viel. Es ging einmal quer durch das Zentrum, zum zentralen Platz in der Stadt, dann am Präsidentenpalast vorbei und über das Theater und durch ein paar Straßen mit Namen von Menschen, die man kennen „muss“. Nach zwei Stunden war die Führung vorbei – abgelaufen war ich das alles schon allein am Vortag, hängengeblieben ist nicht so viel (abgesehen vom Namen Simon Bolivar den ich vorher schon kannte), aber ich habe es ja eh nicht so mit Namen 😉Aber gut, so hatte Henny auch die Chance ein wenig von der Innenstadt zu sehen.

Danach begaben wir uns wieder auf die Suche nach Bargeld. Da der Geldautomat vom Vortrag keine Pesos mehr hatte, versuchten wir es bei anderen und bekamen auch beim vierten Automaten ein wenig Papiergeld ausgespuckt. Davon kaufen wir dann als erstes bei einem Straßenhändler ein kleines leeres Buch als nächstes Reisetagebuch und für jeden ein T-Shirt als Andenken. Nach einiger Überlegung kaufte ich mir auch eine neue kleine Umhängetasche, denn obwohl ich meine während der Busfahrten durch die Anden geflickt hatte, wurde der Stoff an den nächsten Stellen dünn..

Mit Hinblick auf die am nächsten Tag anstehenden Taxifahrt zum Flughafen überlegten wir uns, nochmal Geld abzuheben – eine kleine Odyssee begann die den kompletten Nachmittag ausfüllte und uns weitere Stadtteile erkunden ließ. Alle uns bekannten Geldautomaten waren leer bzw. wollten uns aus anderen Gründen kein Geld geben. Wir irrten durch die Innenstadt und verließen diese auch – ein Spaziergang in eine völlig andere Welt. Die Innenstadt von Bogota ist sauber, relativ leise und macht einen guten Eindruck (abgesehen vom Militär und Sicherheitspersonal mit deren Waffen). Fünf Blocks weiter zeigte sich uns eine komplett andere Stadt. Laut, dreckig, herunter gekommen und voll.

Bogotá – Fünf Blocks vom Stadtzentrum entfernt..

Als wir irgendwann realisierten, dass wir dort mit unseren Kameras nicht so gut aufgehoben sind, sind wir Mitten im „Leben der Stadt“. Und tatsächlich, auf dem Rückweg zum Zentrum stellen wir fest: es dauert ein Block und das Stadtbild wandelt sich grundlegend. Einen Geldautomaten hatten wir aber immer noch nicht gefunden. Zum Glück fanden wir eine Wechselstube und konnten einen Teil unserer Notfall-Dollar umtauschen. Insgesamt waren wir über 4 Stunden (mit Mittagessen) auf der Suche, bei 8 Geldautomaten und einigen Banken direkt am Schalter.

Quittungen von Fehlgeschlagenen Geldabhebungen.

So richtig Lust hatte Henny danach nicht mehr auf die Stadt, aber ich überredete ihn noch mit einem Taxi zur Seilbahn-Tal-Station (Teleférico) des Monserrate-Bergs zu fahren – auch um noch einen guten Abschluss und letzten, guten Eindruck von der Stadt zu erhalten. Vom Berg aus hat mein einen guten Blick über die Stadt und wir hatten auch eine gute Weitsicht.

Am Freitag, 03.03.2017, ging es am Morgen mit dem Taxi zum Flughafen – die letzte Stadtion in Südamerika wartete auf uns. Bei der Passkontrolle stehen wir wieder eine Stunde und warten darauf, dass wir einen Stempel in den Pass bekommen. Dort gerät Henny dann noch an eine, die den Stempel auf der ersten Seite im Pass bei Vermerke stempelt (auf der Seite wird eigentlich der neue Wohnort etc vermerkt) und dann ist die Laune erstmal richtig gut 😉

Um 11:36 Uhr startete der Flieger mit 25 Minuten Verspätung in Richtung Panama.